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Theologe darf nicht über den historischen Jesus schreiben

Der spanische Theologe José Antonio Pagola, geboren 1937 in der spanischen Provinz Guipúzcoa, hat ein Buch über Jesus geschrieben. Sein Titel lautet: "Jesus, eine geschichtliche Annäherung" (Jesús, aproximación histórica). Das Buch will den Lesern mit historischer Genauigkeit eine klare und übersichtliche Darstellung des Lebens von Jesus bieten. Jesus wird vorgestellt "als ein Gottsuchender, eine reisender Prophet in seinem Reich, Dichter des Mitleidens, einer der sich um das Leben kümmert, Verteidiger der Zurückgesetzten, Freund der Frau, Lehrer einer anderen Lebensart, Schöpfer einer Reformbewegung, der durch die Tempelbehörden und Repräsentanten des römischen Reiches zu Tode gebracht wurde, aber von Gott bestätigt und zu neuem Leben erweckt wurde." So beschreibt "Redes Cristianas" das Buch.

Eigentlich eine unverfängliche Sache, wenn nicht die katholische Kirche in Spanien einmal mehr ihr reaktionäres Gesicht gezeigt hätte. Abweichungen von der offiziellen zentralistisch indoktrinierten Lehre sind danach nicht erlaubt. Die Kommission für Glaubensfragen der spanischen Bischofskonferenz veröffentlichte 2008 ein Schreiben, in welchem sie Pagola beschuldigte, die Geschichte von Jesus zu "verfälschen". Die Folge war, dass sein Buch auf Anweisung des Herausgebers aus allen kirchlichen Buchhandlungen verschwand, obwohl es mit zehntausenden verkauften Exemplaren ein Bestseller war.

Diese unverfrorene Zensur und Anschlag auf die Meinungsfreiheit wurde nun sogar den Priestern der Provinz Guipúzcoa zuviel. 252 von den insgesamt 300 Priestern der Provinz haben sich jetzt mit Pagola solidarisiert. Sie verwehren sich in einem Schreiben, dass durch die Rücknahme des Buches der Theologe verfolgt und schlecht behandelt würde. Sie erklärten ihre "brüderliche Solidarität" mit ihm und fügten hinzu, dass er seit Erscheinen des Buches "psychologisch terrorisiert" wurde. "Uns schmerzt die Medienkampagne, die gegen dich gerade durch jene geführt wurde, die sich eigentlich für dich und dein Wohlergehen interessieren sollten" steht im Solidaritätsschreiben und die Unterzeichner fragen sich auch "von wo kam diese Anordnung?", "wer stand dahinter?" und sie vermuten einige Sektoren der spanischen Bischofskonferenz dahinter.

Informationsquelle: El Pais, Los curas de Guipúzcoa apoyan la obra de Pagola und Redes Cristianas

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