Direkt zum Hauptbereich

Sie kämpfte gegen die Kommunisten und hat jetzt Angst vor Flüchtlingen

By Osman Hamdi Bey
Aus Wikipedia ist zu erfahren, dass “Ana Blandiana, mit bürgerlichem Namen Otilia Valeria Coman, (* 25. März 1942 in Timișoara, Rumänien) eine rumänische Dichterin ist. Bis zur rumänischen Revolution von 1989 war sie Dissidentin und Bürgerrechtlerin. In Interviews beim Sender Radio Free Europe und in außerhalb Rumäniens veröffentlichen Publikationen deckte sie die Missstände unter Nicolae Ceaușescu im sozialistischen Rumänien auf. Ana Blandiana ist Gründungsmitglied der Bürgerlichen Allianz (Alianța Civica) und leitet die Gedenkstätte Sighet (Memorialul de la Sighet), ein Institut zur Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit Rumäniens.”

Vor kurzem hat Ana Blandiana anlässlich der Verleihung des Ehrendoktors durch die Universität von Cluj-Napoca (Klausenburg) sich zur derzeitigen Flüchtlingsbewegung und den Terrorismus in Europa geäußert. Das meint sie dazu:

Es bleibt uns nichts anderes übrig als anzuerkennen, dass das dritte Jahrtausend sich immer mehr zu einer Katastrophe entwickelt. Nachdem man erst begonnen hat, den Nachhall des Nationalsozialismus und Kommunismus auszulöschen, jenen 2 schamlosen Verrücktheiten des 20. Jahrhunderts, hat eine ähnlich große und totalere Absurdität, der Terrorismus, das neue Jahrhundert mit Verbrechen ohne Vorbild in der Geschichte der Menschheit eingeläutet. Dutzende Attentate mit hunderten oder tausenden Toten entsprechen durchaus einer vergleichbaren Gefahr in der langsamen und andauernden Welle von Millionen von Auswanderern, die fest entschlossen sind, sich nicht integrieren zu lassen und die, aus ihrem Inneren heraus, die Kultur und Mentalität des Europas des 20. Jahrhunderts zersetzen. Gefährlicher als der Terrorismus für das Selbstverständnis und das Überleben Europas ist das geistige und kulturelle Gepäck, das die Neuankömmlinge mit sich bringen und welches sie, unter Ausnutzung der europäischen Freiheiten und durch das hoffnungslose demographische Ungleichgewicht zwischen den Einheimischen und Einwanderern zur Ersetzung der europäischen Kultur und Spiritualität nutzen werden.

Eine Frau, der man eine abgerundete Lebenserfahrung zusprechen möchte, nimmt Ausflucht zu derart primitiven und hetzerischen Äußerungen? Schon allein, dass sie die Verbrechen des vergangenen Jahrhunderts, man erinnere nur an Auschwitz, wo Menschen wie Tiere im Schlachthaus umgebracht wurden, gegenüber dem derzeitigen Terrorismus kleinredet, spricht dafür, dass “Angst Gehirn frisst”. Auch scheint sie sich nie die Mühe gemacht zu haben, sich mit anderen Kulturen zu beschäftigen.

Das primitive Weltbild von Frau Blandiana stößt aber auch Rumänen auf Unverständnis. Die Bloggerin Claudia Ciobanu, eine ehemalige Schülerin von Frau Blandiana,  hat ihr mit einem offenen Brief geantwortet:

Sehr geehrte Frau Bandiana, wir lesen diese ihre Bemerkungen und fragen uns, von wem sie sprechen, wenn sich auf die Millionen von Einwanderern beziehen, denen sie eine mittelalterliche Gesinnung bescheinigen. Auf Bürger von westlichen Ländern, deren Eltern oder Großeltern aus arabischen Staaten gekommen sind? Über Flüchltinge? Über Syrer, über Iraker, über Afghanen?  Über Araber? Über Afrikaner? Über Mohammedaner oder über Christen, die ebenfalls vor dem Krieg fliehen? Über tausende und noch einmal tausende von Kindern? Über Künstler –es könnten Dichter sein, unter den Millionen von Menschen sind bestimmt Dichter! –, auch sie fliehen vor dem Krieg? Oder kann man vor Armut fliehen?

Diese Millionen von Menschen haben keine gemeinsame Identität. Sie haben nicht vergleichbare politische Absichten, sie haben nicht die gleichen Ziele im Leben. Sie kommen von verschieden Orten, sie haben eine unterschiedliche Geschichten. Sie haben nicht jenes von ihnen erwähnte spirituelle und kulturelle Gepäck.

Wir haben keine Ahnung, wer diese Menschen sind, die nach Europa kommen, denn an der Schule habe wir nichts über die Geschichte des Mittleren Ostens gehört, in unseren Buchhandlungen findet man selten ein Buch von einem Autor oder einer Autorin aus Arabien oder Afrika, unsere Massenmedien sind voll von stumpfsinnigen Vereinfachungen. Unser Unterbewusstsein hat eine Armee von identischen Frankensteins geschaffen, die bereit sind uns ins Verderben zu führen.

Da schmerzt es uns, derart viele orientalische Klischees in ihren Aussagen zu finden! In was besteht der mittelalterliche Geist, den sie erwähnen? Sie denken vermutlich an die Haltung gegenüber den Frauen, die sich zum Beispiel in den Attacken von Köln gezeigt hat? In unserem christlichen Rumänien kennen wir zu viele Frauen, die von ihren Männern verprügelt werden und es gibt auch keine von ihnen, die bisher nicht belästigt wurde.

Woher nehmen sie die Gewissheit, soviel über die Motive der vielen Menschen, die nach Europa geflüchtet sind, zu wissen? Woher wissen sie, dass sie sich nicht integrieren wollen? Sie werden sich nicht integrieren….Wissen sie, dass Politiker der extremen Rechte in Westeuropa das über die Millionen Rumänen sagen, die in den Westen ausgewandert sind?

Frau Blandiana, sie haben recht, das Europa, das wir kennen scheint eine Ruine zu sein. Das hat aber schon angefangen, bevor die Flüchtlingswelle einsetzte. Ja, Europa verliert die Werte, die mit ihm einmal verbunden wurden – Gleichheit, Solidarität, Offenheit. Werte, von denen wir Rumänen profitiert haben.

Zum Schluss eine kleine Bemerkung. Wir verstehen nicht, warum die europäischen Christenheit als Vorwand genutzt wird, um die Aufnahme von mohammedanischen Flüchtlingen zu verweigern. Das in einer Zeit, in der der Papst vor kurzem erklärt hat, dass wir Fremden in Not helfen sollen, unabhängig von ihrer Religion! Wir wissen nicht, ob sie wahrgenommen haben, dass sie ihre Erklärung über die Gefahr, die von den Flüchtlingen für die christlichen Werte ausgehen, am gleichen Tag abgegeben haben als der Papst die Füße von mohammedanischen Flüchtlingen gewaschen und gesagt hat, dass wir alle gleich sind in unserer Menschlichkeit.

Ihre Erklärung hat uns betroffen gemacht. Wir haben das Gefühl, dass ihre Sensibilität als Schriftstellerin sich eine Million unterschiedlicher Geschichten der Menschen, die nach Europa fliehen, vorstellen kann. Wir glauben, dass sie auf Grund ihrer Erfahrungen in einem totalitären Regime zwischen Propaganda und Information unterscheiden können. Wir hoffen, dass sie auch Gedichte von arabischen Dichtern gelesen haben, etwas was ihnen nicht erlauben würde, eine derart arrogante Haltung gegenüber der Kultur des Mittleren Ostens an den Tag zu legen.

Unterzeichnet haben den offenen Brief auch die Redakteure der Zeitschrift “Mămăliga de Varșovia” (Polenta aus Warschau), die von in Polen lebenden Rumänen herausgegeben wird. Es macht Mut, dass es in Europas Osten Menschen gibt, die sich der ignoranten und fremdenfeindlichen Politik in den osteuropäischen EU-Staaten widersetzt. Schade, dass Frau Blandiana mit Stammtischparolen ihren Ruf ruiniert. Sie zeigt damit, dass ihr Einsatz für eine Zivilgesellschaft nur eine egoistische Ebene hat.

Informationsquelle
Scrisoare deschisă către Ana Blandiana
Eine Empfehlung zur Lektüre in diesem Zusammenhang:
"Europa befindet sich seit mehreren Jahrzehnten in einem unaufhaltsamen Niedergang"
Ein Interview mit dem belgischen Historiker David Engels. Eine gute Basis, um über europäische Werte zu sprechen.

Beliebte Beiträge

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

Irland hat zu kuschen, wenn es nach Brexit-Britannien geht

Irland und Großbritannien verbindet eine schwierige Geschichte, bei der bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts Irland in der Rolle einer britischen Kolonie steckte. Einer Kolonie, die von den Okkupanten nach Strich und Faden ausgebeutet wurde. Iren hege keine Sympathie für ihre britischen Nachbarn. Letztere hingegen pflegen weiterhin gerne ihren Hochmut gegenüber dem ehemaligen Kolonialvolk. 
Beide Länder gehören der EU an und über die EU konnte auch der langjährige blutige Bürgerkrieg in Nordirland befriedet werden. Der Brexit reißt den Graben wieder auf. Da in Großbritannien, vor allem in England - in Schottland sieht die Lage anders aus - der Brexit auch die Rückkehr zum alten Hochmut der Kolonialherrschaft bedeutet, taucht sie wieder auf am Horizont: Die Feindschaft zwischen dem Herrenvolk und seinem Sklavenvolk. 
Der aus Irland berichtende britische Journalist Chris Johns beschreibt in der Zeitung Irish Times wie er die Situation empfindet:

Ich habe von Michael Collins gehört, be…

3 Jahre Dürre, Spanien entwickelt sich immer mehr zur Wüste

Der staatliche spanische Wetterdienst (AEMET) hat dieser Tage Bilder veröffentlicht, die den Stand der Niederschläge vor 3 Jahren mit denen von heute vergleicht. Es ergibt sich ein klares Bild: Spanien geht immer mehr das Wasser aus. Gab es vor 3 Jahren noch blaue Flecken mit regenreichen Gebieten im Nordwesten, so sind diese inzwischen vollständig verschwunden. Im restlichen Land nimmt die braune Fläche gravierend zu. Ein Zeichen, dass vielen spanischen Regionen das Wasser ausgeht.

Die Zeitung "La Vanguardia" zitiert den Wetterdienst wie folgt:
Technisch gesprochen zeigt das Bild die photosynthetische Aktivität. Es ist nicht so, dass dort wo es 2014 noch Bäume gab, dass es diese nicht mehr gibt, sondern dass es keine grüne Vegetration mehr existiert, weil es nicht mehr regnet. Wir sagen, dass es eine andere Form ist, um die Dürre zu erkennen.

"La Vanguardia" berichtet weiter:
Es ist sicher, dass sich die Dürre immer mehr verschärft. Seit 2015 sind die Quellen des …

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Bittere Cashew-Nüsse und schwarze Kinderhände

Im Nordosten Brasiliens werden die beliebten Cashew-Nüsse, auf deutsch auch Kaschu genannt, geerntet. “Der Cashewbaum trägt ungewöhnliche Früchte, augenscheinlich sind es sogar zweierlei verschiedene: die bunten Cashew-Äpfel und die an Bohnenkerne erinnernden Cashewnüsse, quasi als Anhängsel.  Nebenbei produziert der Cashewbaum auch noch Latex und ein technisch wertvolles Öl. Sein Holz ist sehr hart und dicht, resistent gegen Termiten und sehr widerstandsfähig gegen Verwitterung.” So beschreibt die Webseite “Biothemen” Cashew und Cashewkerne.

Die Cashew-Nuss ist schwierig zu ernten. Die Schale enthält ein ätzendes Öl. Dieses Öl verletzt die Haut, verursacht Irritationen und chemische Verbrennungen. Zudem ist das Öl leicht entzündlich und klebrig. Beim Aufbrechen der Schalen mit den Händen werden die Hände schwarz und verletzen die Papillarleisten der Finger. Das Öl breitet sich beim Brechen der Nüsse über die Finger bis zu den Spitzen aus. Die Linien auf den Fingerspitzen verschwinde…