Direkt zum Hauptbereich

Für coole Elsässer machen sich die Deutschen wegen Fessenheim in die Hosen

Vor kurzem haben deutsche Medien, die Süddeutsche Zeitung und der Westdeutsche Rundfunk, aufgedeckt, dass es im Jahre 2014 einen Störfall im Atomkraftwerk Fessenheim gab, der umfangreicher war als bisher dargestellt. Fessenheim liegt direkt an der deutschen Grenze und wenn es tatsächlich zu einem gravierenden Störfall käme, dann wäre die Oberrhein-Region am Westhang des Schwarzwaldes besonders betroffen. Nach den Erfahrungen von Tschernobyl und Fukushima müsste davon ausgegangen werden, dass hunderttausende von Menschen ihre Heimat verlieren würden.

So etwas lässt im Elsass immer noch viele Menschen ziemlich kalt, auch wenn sie selbst auch betroffen wären. Der maroden französischen Nuklearindustrie fallen immer noch genügend Tricks ein, um die Gefahren des Weiterbetriebs von Fessenheim zu minimieren und den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Die Zeitung “L’Alsace”, vertreten vor allem im Oberelsass in der Region um Mulhouse, berichtet unter dem Titel “Deutsche Offensive gegen Fessenheim” von den Berichten der deutschen Medien. Schon dieser Titel unterstellt, dass Fessenheim nur ein deutsches Problem ist und dass die missgünstigen Deutschen den Elsässern diesen Schrottmeiler nicht gönnen. Selbstverständlich war der Bericht der deutschen Medien “eine alarmistische Interpretation der Ereignisse” und “die Situation war weit davon entfernt unkontrollierbar” zu werden. Man hält die Aufregung für einen Trick, um bei den anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu punkten.

Nach Meinung von “L’Alsace” hat die ASN, die französische Atomaufsichtsbehörde,  streng kontrolliert und wahrheitsgemäß berichtet, was von den deutschen Medien angezweifelt wird. Es gibt aber auch noch andere Meinungen in Frankreich. Das Netz “Atomausstieg” (Sortir du nucléaire) schreibt zu Fessenheim: “Fessenheim kann und muss geschlossen werden. Im ältesten AKW Frankreichs häufen sich die Zwischenfälle. François Hollande hat die Schließung für 2016 angekündigt, da es dann 39 Jahre in Betrieb wäre. EDF führt zur Zeit auf Verlangen der ASN sehr kostspielige Arbeiten durch, damit der Meiler noch ein paar Jahre länger laufen kann. Also warum will man dann noch soviel Geld ausgeben, um ihn direkt danach zu schließen? Das passt nicht zusammen. Die auf dem Gelände befindlichen Reaktoren können und müssen sofort abgeschaltet werden.”

Die französische Krankheit bezüglich Vertuschung und Runterreden bei allem, was mit der Nuklearindustrie betrifft, beschreibt “Sortir du Nucléaire” wie folgt:
Dieser “Zwischenfall” hat nicht zu einem Nuklear-Unfall geführt. Aber er muss ernst genommen, sowohl bezüglich der Konsequenzen, den er hätte haben können als auch durch die Funktionsmängel, die sich bezüglich Unterhaltung und der Sicherheitskultur gezeigt haben. Die vielen von den Repräsentanten der Anti-Atom-Bewegung gegenüber dem Lokalen Informationskomitee und der Überwachung von Fessenheim in diesem Zusammenhang gestellten Fragen blieben unbeantwortet. Die Behörde für Nuklearsicherheit selbst hat die Probleme minimiert und EDF hat sich vorbehalten darüber einen Kommentar abzugeben. Funkstille von Seiten der französischen Presse: Nur der Canard Enchainé hat sich der Sache angenommen!
Dieses Schweigen lässt nach der “Transparenz” fragen, auf die EDF und die französischen Behörden in Falle eines schwerwiegenden Unfalls angeblich soviel Wert legen. Es appelliert auch an die Fähigkeit der französischen Medien auf diese Art von Ereignissen zu reagieren”.

Informationsquelle
Offensive allemande contre Fessenheim
En 2014, EDF a passé sous silence un "incident" grave à Fessenheim

Beliebte Beiträge

Gibraltar, Ostereier und des britischen Patrioten kriegerischer Abgang aus Europa

Scheinbar hat die britische Regierung bei ihrem nun formell erklärten Abgang aus der EU Gibraltar vergessen, genauso wie sie sich bisher wenig Gedanken um Nordirland und Schottland gemacht hat. Gibraltar, der kleine Felsen in Südspanien, der stolz für die kümmerlichen Reste des britischen Reiches steht. Richard Murphy, anerkannter Finanzfachmann, schreibt auf seinem Blog “Tax Research UK”, was er von dieser seltsamen Kolonie hält:

“Gibralter ist ein Außenposten einer Zeit, die immer noch in Köpfen ähnlich denen von William Hague existiert. Es ist ein Überbleibsel aus der Zeit des Empire und des Kolonialismus, das keinen Platz in einem modernen Europa hat, in welchem das Vereinigte Königreich (UK) offensichtlich nicht Teil sein will. Es wurde geschaffen als Steueroase und ist ein Zentrum für Offshore-Wettbüros. Das Erste ist ein Versuch zur Unterminierung der globalen Wirtschaft und der legitimen Steuereinkommen demokratisch gewählter Regierungen. Das Zweite ist verbunden m…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…

WM 2014 im brasilianischen Hinterland: Der Spaß ist vorbei, der Ärger bleibt

Die FIFA WM 2014 ist Sportgeschichte. Was bleibt sind die Trümmer in finanzieller und tatsächlicher Art. Im Februar 2014 hatte ich einen Beitrag über den WM-Ort Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas, geschrieben. Unter anderem habe ich dazu ausgeführt:
Für die 4 Spiele wurde ein neues Stadion gebaut, die Arena Amazonia. Ein bereits existierendes älteres Stadion wurde abgerissen, weil es den Anforderungen der FIFA nicht genügte. Den brasilianischen Staat kostete das 600 Millionen Real (etwa 187 Millionen Euro) und keiner weiß, was man nach den 4 Spielen mit dem Stadion anfangen soll. In diesem Zusammenhang wurde auch der Flughafen ausgebaut, für den eine große unter Naturschutz stehende Fläche entwaldet und ein Fluss unterirdisch verlegt wurde.  Für den Bau des Stadions starben 4 Bauarbeiter. Gegen das ausführende Bauunternehmen läuft seit einiger Zeit ein Schadensersatzprozess. 

Die Sportausgabe der Zeitung “O Estado de São Paulo” (Estadão) hat s…