Sonntag, 6. März 2016

Für coole Elsässer machen sich die Deutschen wegen Fessenheim in die Hosen

Vor kurzem haben deutsche Medien, die Süddeutsche Zeitung und der Westdeutsche Rundfunk, aufgedeckt, dass es im Jahre 2014 einen Störfall im Atomkraftwerk Fessenheim gab, der umfangreicher war als bisher dargestellt. Fessenheim liegt direkt an der deutschen Grenze und wenn es tatsächlich zu einem gravierenden Störfall käme, dann wäre die Oberrhein-Region am Westhang des Schwarzwaldes besonders betroffen. Nach den Erfahrungen von Tschernobyl und Fukushima müsste davon ausgegangen werden, dass hunderttausende von Menschen ihre Heimat verlieren würden.

So etwas lässt im Elsass immer noch viele Menschen ziemlich kalt, auch wenn sie selbst auch betroffen wären. Der maroden französischen Nuklearindustrie fallen immer noch genügend Tricks ein, um die Gefahren des Weiterbetriebs von Fessenheim zu minimieren und den Menschen Sand in die Augen zu streuen. Die Zeitung “L’Alsace”, vertreten vor allem im Oberelsass in der Region um Mulhouse, berichtet unter dem Titel “Deutsche Offensive gegen Fessenheim” von den Berichten der deutschen Medien. Schon dieser Titel unterstellt, dass Fessenheim nur ein deutsches Problem ist und dass die missgünstigen Deutschen den Elsässern diesen Schrottmeiler nicht gönnen. Selbstverständlich war der Bericht der deutschen Medien “eine alarmistische Interpretation der Ereignisse” und “die Situation war weit davon entfernt unkontrollierbar” zu werden. Man hält die Aufregung für einen Trick, um bei den anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu punkten.

Nach Meinung von “L’Alsace” hat die ASN, die französische Atomaufsichtsbehörde,  streng kontrolliert und wahrheitsgemäß berichtet, was von den deutschen Medien angezweifelt wird. Es gibt aber auch noch andere Meinungen in Frankreich. Das Netz “Atomausstieg” (Sortir du nucléaire) schreibt zu Fessenheim: “Fessenheim kann und muss geschlossen werden. Im ältesten AKW Frankreichs häufen sich die Zwischenfälle. François Hollande hat die Schließung für 2016 angekündigt, da es dann 39 Jahre in Betrieb wäre. EDF führt zur Zeit auf Verlangen der ASN sehr kostspielige Arbeiten durch, damit der Meiler noch ein paar Jahre länger laufen kann. Also warum will man dann noch soviel Geld ausgeben, um ihn direkt danach zu schließen? Das passt nicht zusammen. Die auf dem Gelände befindlichen Reaktoren können und müssen sofort abgeschaltet werden.”

Die französische Krankheit bezüglich Vertuschung und Runterreden bei allem, was mit der Nuklearindustrie betrifft, beschreibt “Sortir du Nucléaire” wie folgt:
Dieser “Zwischenfall” hat nicht zu einem Nuklear-Unfall geführt. Aber er muss ernst genommen, sowohl bezüglich der Konsequenzen, den er hätte haben können als auch durch die Funktionsmängel, die sich bezüglich Unterhaltung und der Sicherheitskultur gezeigt haben. Die vielen von den Repräsentanten der Anti-Atom-Bewegung gegenüber dem Lokalen Informationskomitee und der Überwachung von Fessenheim in diesem Zusammenhang gestellten Fragen blieben unbeantwortet. Die Behörde für Nuklearsicherheit selbst hat die Probleme minimiert und EDF hat sich vorbehalten darüber einen Kommentar abzugeben. Funkstille von Seiten der französischen Presse: Nur der Canard Enchainé hat sich der Sache angenommen!
Dieses Schweigen lässt nach der “Transparenz” fragen, auf die EDF und die französischen Behörden in Falle eines schwerwiegenden Unfalls angeblich soviel Wert legen. Es appelliert auch an die Fähigkeit der französischen Medien auf diese Art von Ereignissen zu reagieren”.

Informationsquelle
Offensive allemande contre Fessenheim
En 2014, EDF a passé sous silence un "incident" grave à Fessenheim