Direkt zum Hauptbereich

Fröhliche Ostern mit dem Brexit

Ab und zu möchte man mal gerne lachen. Ostern, der Start in den wärmeren Teil des Jahres, wäre doch eine gute Gelegenheit dazu. Seit einiger Zeit beobachte ich die Brexit-Kampagne in Großbritannien und hier vor allem die Argumentation der Brexit-Befürworter. Da kommt Freude auf, von ungläubigem Staunen, plötzlich ausbrechendem Gelächter bis heillosem Sarkasmus. Der doch so gerühmte englische Humor scheint den Brexit-Anhängern vollkommen verloren gegangen zu sein. Brexit-Anhänger stammen vor allem aus England, die anderen Regionen des Vereinigten Königreichs, Schottland, Wales und Nordirland halten sich da sehr zurück.

Als erstes muss der Außenstehende beim Lesen der Brexit-Berichte und  Kommentare feststellen, das Großbritannien ein völlig entrechtetes Land ist. Alles wird von den Bürokraten in Brüssel bestimmt, die Grenzkontrolle scheinen auch die Brüsseler übernommen zu haben, Großbritannien ist seine Souveränität schon längst los geworden, der Premierminister in Downing Street 10 scheint nur noch ein verzweifeltes Männchen zu sein, der an den Marionettensträngen der europäischen Superregierung hängt. Eigentlich ein völliger Realitätsverlust oder man könnte auch sagen eine Psychose setzt bei einem Teil des britischen Volkes ein. Das was offensichtlich ist, dass nämlich das Land seine Grenzen sehr wohl selbst kontrolliert (Großbritannien ist nicht Schengen-Land), dass der Premierminister seiner Majestät den Brüsselern ständig gegen das Schienbein tritt, dass das Land sogar noch eine eigene Polizei und Armee hat, wird völlig ausgeblendet.

Jetzt lasse ich aber mal den besorgten englischen Bürger sprechen, damit doch eine gewisse Erheiterung Platz greifen kann:
“Judi” twittert: “Wir sind keine Rassisten, wir wollen nur die Einwanderung drosseln. Wir wollen nicht von Brüssel regiert werden wir sind britisch wir wollen unser Land zurück”.
Es wird das Gerücht gestreut, dass die EU plant die Flagge des Vereinigten Königreichs auf Fleischpackungen zu verbieten.
Der OB von London, Boris Johnson, behauptet, dass die EU nur noch den EURO-Sarg innerhalb der EU haben will. Die EU habe festgelegt wie groß, welches Gewicht und aus welchem Material der Sarg sein soll. Die BBC wies in einem Fakten-Check Johnson nach, dass er schlichtweg gelogen hat, es gibt den EURO-Sarg nicht.
Johnson streut auch die Behauptung, dass Kinder unter 8 Jahren in der EU keine Ballons aufblasen dürfen.
Der Twitter-Account “Leave.EU” berichtet beleidigt, dass deutsche Comedians sich über das “Pferdegesicht” der Königin lustig machen und sich über die rettungslose Rückwärtsgewandtheit der Brexit-Befürworter amüsieren.
Wegen der EU müssen in britischen Krankenhäusern alte Leute stundenlang in ihren Rollstühlen warten. Ohnehin hat es die EU auf das britische Gesundheitswesen abgesehen, zu deren Herzensanliegen es zu gehören scheint, den “National Health Service” abzuschaffen.
“Es ist deprimierende, dass das Land mit der 5.-größten Wirtschaft genauso viel zu sagen hat wie Länder wie Rumänien, Malta usw und dazu noch von Deutschland regiert wird.”
Briten, die sich in Spanien niedergelassen haben, äußern sich für den Brexit und jammern gleichzeitig über die hohe Zuwanderung in das Vereinigte Königreich.
“Sie haben unseren Fisch gestohlen – die EU zerstörte unsere Fischindustrie”.
“Wir sind mehr überstimmt worden als jedes andere Land in der EU”.
“Students for Britain” meldet: “Jasmin ist für den Austritt aus der EU, weil EU-Politiker nicht über die Leistung ihres Haartrockners entscheiden sollten”.
Und welche Erleichterung, einen Schritt aus der EU zu machen für Oliver N.: “Genieße meinen Woche in Oslo. Wenigstens habe ich es einmal in diesem Jahr geschafft, die EU zu verlassen, obwohl mein Land das nicht macht”.
Schocknachricht: “Es ist jetzt offiziell: Britanniens EU-Mitgliedschaft wird uns alle bis 2020 um 20.000 Pfund ärmer machen”.

Und so geht es in dieser Art hirnrissiger Argumentation weiter. Die Europäische Gemeinschaft ist das schauerliche Ungeheuer, das scheinbar nur die armen Briten derart in die Zange nimmt.
Realistisch gesehen merken diese aber noch weniger als wir Deutschen von der EU, denn sie haben weder den Euro noch sind sie wie schon angemerkt im Schengen-Raum.

Ehrlichkeitshalber muss man aber zugeben, dass es in Großbritannien genügend Leute gibt, denen die plumpe Argumentiererei auch auf den Geist geht. Es gibt sogar überzeugte Befürworter der EU-Zugehörigkeit. Im Juni wird abgestimmt und wenn es nach den Umfragen geht, dann wird es knapp.

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Großbritannien, das zerstrittene Königreich, auf den Spuren Griechenlands

Das Vereinigte Königreich (UK) verlässt die EU. Nach dem Brexit-Referendum hatten die regierenden Konservativen  um Premierministerin May entdeckt, wie toll ein solcher Abschied vom europäischen Kontinent ausgehen könnte. Ungeahnte Möglichkeiten würden dem Land in der weiten Welt winken, die nur darauf warte, mit den Briten ins Geschäft zu kommen. Realistischerweise hat Premierministerin May schon einmal erklärt,  dass das nur funktioniere, wenn das Land zu einer Steueroase à la Panama umgebaut werde.

Die EU schien in dieser Zukunftphantasie keine Rolle zu spielen,  obwohl sie doch der größte Handelspartner des Landes ist. In einem Anflug von völliger Betriebsblindheit setzte May noch Neuwahlen an, weil man ihr eine überwältigende absolute Mehrheit prognostizierte. Das ging dann gründlich schief und jetzt steht Großbritannien ratlos vor einem Scherbenhaufen. Plötzlich kommen auch Bedenken auf, ob ein knallharter völliger Abschied von der EU tatsächlich für Großbritannien positiv sein…