Sonntag, 31. Januar 2016

Was wissen wir schon über Rumänien?

In den Köpfen der Westeuropäer hat sich nicht viel geändert in der Meinung zu Rumänien. Berichtet wird ja grundsätzlich nur, wenn etwas schief läuft im Land. Oder wenn man eine Erklärung für die ansteigende Einbruchsstatistik sucht und die Schuld bei “Rumänen-Banden” sucht. Sind Bettler unterwegs, dann ist man auch leicht zur Hand damit, die Bettelei Rumänen in die Schuhe zu schieben. Berichte über die tatsächliche Lage im Land oder über die Veränderungen, die es dort gibt sind selten und werden wohl auch kaum gelesen, weil ihnen der Reiz des Sensationellen fehlt.

Somit wird unser Rumänienbild immer noch weitgehend von der Situation der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bestimmt. Kein Wunder, dass dann die Überraschung doch ziemlich groß ist, wenn man sich tatsächlich mal in dieses Land aufmacht und es persönlich kennenlernt. So erging es auch dem Blogger Gabriel Morin aus Paris, der aus beruflichen Gründen nach Rumänien umgezogen ist. Vor seiner Umzugsreise berichtet er von einem Gespräch in der Bäckerei in Paris, in der er gewöhnlich sein Bort einkaufte:
- Hallo, ich muss euch leider mitteilen, dass dies das letzte Mal ist, dass ich hier einkaufe
- Haben sie schon genug von Paris? Wohin ziehen sie denn um?
- Nach Rumänien
- Aber warum denn das!?
- Um dort zu arbeiten
- Um dort zu arbeiten? Aber da gibt es doch gar keine Arbeit!
- Wie meinen sie das?
- Sonst würden sie doch nicht alle hierher kommen, um zu betteln!
Und Morin fährt fort:
Wumm, sie sagte diese Worte. Um zu betteln. Sie malte sich schon das Bild von mir aus, ich in einem alten rostigen Zug, auf dem Weg zu den Höllentoren. Während China billige Elektronik produziert, macht Rumänien den Anschein, ein riesige Bettler-Fabrik sein, in der massenhaft arme Leute produziert werden, die bereit sind in ganz Europa nach Geld zu suchen.

Morin berichtet dann weiter über die in Paris herrschenden Vorurteile, um sich dann dem real exisitierenden Rumänien zuzuwenden. Er weist erst einmal daraufhin, dass es einen Unterschied zwischen der Ethnie der Roma und den Rumänen selbst gibt. Erstere stünden oft für das Bild, das man sich über “rumänische Bettler” mache. Die Roma seien aber über ganz Europa verstreut und lebten nicht nur in Rumänien. Dann war es natürlich so, dass nach der Revolution 1989 gegen das Ceausescu-Regime in Rumänien erst einmal das Chaos herrschte und die damalige sozialistische Elite sich das Volksvermögen unter den Nagel riss. Die Korruption hatte das Land fest im Griff.

Aber es gibt eine neue Entwicklung schreibt Morin:
Es ist etwas neu im Land. Vor kurzem ergriff eine Bewegung gegen die Korruption Rumänien im Sturm. Seit 2013 ist die junge Staatsanwältin Laura Codruţa Kövesi Leiterin der Anti-Korrupitonsbehörde DNA. Seither wurden viele große Fische, die bisher als “unberührbar” galten, ins Gefängnis gesteckt. …Einige wurden bereits verurteilt, während bei anderen der Prozess läuft, aber bisher hat die DNA mehr als 1.000 Leute angeklagt und mehr als 90% davon wurden auch verurteilt.
Rechtsextreme Parteien sind überall in Europa stärker geworden, vor allem seit die Flüchtlingskrise mehr Aufmerksamkeit bei den Medien hat.  Aber nicht so in Rumänien. Es mag sein, dass dies daran liegt, dass bisher noch nicht viele Flüchtlinge den Weg nach Rumänien gefunden haben. Aber die gute Nachricht ist doch, dass das hohe Niveau der Korruption den Extremismus nicht gefördert hat, stattdessen gab es mehr Demonstrationen mit einem positiven Ausgang.

Anschließend schwärmt Morin von den vielen und tollen Restaurants, Clubs und Einkaufszentren in Bukarest.
Die Leute kommen und geben da ihr Geld aus. Der Kapitalismus ist endgültig hier angekommen”. Wirtschaftlich interessant ist eine IT-Szene im Aufwind. 2001 hat Rumänien entschieden, Menschen, die in IT-Gesellschaften arbeiteten, von der Steuer auszunehmen. “Ein guter Aufruf an alle in ein Land zu kommen, das inzwischen an 2. Stelle der europäischen Länder für professionelle Kompetenz und geistiges Training steht. Eine ganze Menge großer Firmen verlegten einige der größten Niederlassungen hierher: Google, Microsoft, Ubisoft, Electronic Arts, Oracle…. Man sagt oft, dass rumänisch bei Microsoft die am zweit meisten gesprochene Sprache ist.

Und Morin setzt noch eins drauf:
Schlussendlich ist zu bemerken, dass Rumänien über eines der weltweit schnellsten und preiswertesten Internetverbindungen verfügt. Ein explosiver Cocktail, der dazu führt, dass das Land zu einem hauptsächlichen Bestimmungsort für ausgelagerte Unternehmen wird, ein Ort voll mit selbständigen Fachleuten, die sich bei der Programmierung und bei Design auszeichnen. Sie sind Teil einer schnell wachsenden und ineinander verzahnten Gemeinschaft und es ist eine wunderbare Gemeinschaft.

Die Zukunftsaussichten sieht Morin ebenfalls rosig:
So da haben sie ihn, den anderen Blick auf Rumänien. Aber wenn ich schon bei den guten Nachrichten bin, hier gibt es noch eine andere: Es wird noch besser werden! Die Dinge entwickeln sich noch schneller als die Rumänen zugeben. Sie haben es in der Hand, das Land hat ein riesiges Potential. Es liegt an ihnen mehr und mehr von den großartigen Dingen, die sie tun, bekannt zu machen und damit auch ihr internationales Image zu ändern.

Informationsquelle
Romania is not the land of the poor