Donnerstag, 14. Januar 2016

Die Nuklearenergie wird Frankreich noch teuer zu stehen kommen

„JapanApocalypse DDC3506“ von thierry ehrmann
EDF und Areva, Frankreichs Erbauer und Betreiber von Atomkraftwerken befinden sich in erheblichen finanziellen Turbulenzen. Beide Unternehmen befinden sich zum größten Teil im Besitz des französischen Staates. Areva ist in solchen Schwierigkeiten, dass das Unternehmen jetzt von EDF übernommen werden soll. Die Regierung und EDF sind dabei einen Rettungsplan aufzustellen. Areva hat sich hauptsächlich beim Bau des Atomkraftwerks Okiluoto (OL3) in Finnland überhoben. Nach neuesten Berechnungen benötigt Areva einen Zuschuss von 4 bis 4,5 Milliarden Euro.

Die Zeitung “Le Figaro” berichtete gestern über die Katastrophenbaustelle Okiluoto: “TVO, der finnische AKW-Betreiber, ist der Kunde von Areva für den Bau des Reaktors der 3. Generation EPR OL3 in Okiluoto. Eine verfluchte Baustelle, wo die steigenden Kosten seit 10 Jahren die Konten von Areva ausgeblutet haben und wo von neuem einige 100 Millionen Euro für 2015 an Zurückstellungen gerechtfertigt werden müssen. Die hat zu einem Konflikt zwischen TVO der französischen Gruppe geführt, über den jetzt vor einem internationalen Schiedsgericht entschieden werden soll. Ein Verfahren, bei dem jede Partei von der anderen Milliarden fordert.”

Noch mehr beginnen allerdings beim französischen Steuerzahler die Zähne zu klappern, wenn er jetzt erfahren muss, dass das in der Erprobungsphase befindliche Atommüllendlager in Bure nicht wie bisher von den AKW-Betreibern errechnet 16,5 Milliarden €, sondern nach einer neuen Kostenberechnung der “Nationalen Agentur zur Verwaltung nuklearer Abfälle” (ANDRA) 32,8 Milliarden € kosten soll. Dabei geht Andra davon aus, dass allein der Bau des unterirdischen Endlagers 19,8 Milliarden € kosten wird. Dazu kämen dann die Einrichtung und der Unterhalt des Lagers bis ins Jahr 2144, ein Jahr, in dem man hofft, das Lager sich dann selbst überlassen zu können. Diese Kosten würden sich nach Andra-Berechnungen auf 8,8 Milliarden € belaufen zuzüglich 4,1 Milliarden an Gebühren und Steuern. Die Zeitschrift “Le Point “schreibt: “In diese Zahlen ist eine eventuelle Inflation nicht eingerechnet. Dieser Betrag ist zweimal höher als die früheren Schätzungen der Atomkraftwerkbetreiber”.

Obwohl auch ein Untersuchungsausschuss des französischen Parlaments die Kosten bereits früher auf 30 Milliarden € schätzte, bestreitet die französische Atomindustrie aufs heftigste die neue Kostenrechnung. Trotz allem, die Aktienkurse von EDF sind zur Zeit im Tiefflug, was mehr über den wirtschaftlichen Zustand der Atomindustrie aussagt als deren Beteuerungen und Schönrechnen. Das Atommüllendlager soll 2018 gestartet werden. 2025 soll es in Betrieb gehen.

Siehe auch
Wird der atomare Mülleimer das Paradies auf Erden sein?
Atomstaat Frankreich und die, die etwas dagegen haben
Informationsquelle
Areva: un fiasco financier qui devrait coûter plus de 4 milliards
La note (très) salée du nucléaire français