Samstag, 16. Januar 2016

Spanische Exorzisten gehen schweren Zeiten entgegen

In Spanien verfügen 26% der katholischen Diözesen über einen eigenen Exorzisten. Allein Madrid soll es acht davon geben. Im vergangenen März gab es einen Prozess gegen den Pfarrer Hernández Sahagún aus Valladolid wegen eines 10-fach ausgeübten Exorzismus an einer Jugendlichen, die zu jener Zeit minderjährig war und sich in psychiatrischer Behandlung befand. Die Familie zeigte den Pfarrer an, weil er die Jugendliche körperlich und psychisch in den Sitzungen misshandelt habe. Es war das erste Mal, dass ein Exorzist in Spanien vor Gericht gestellt wurde. Geschadet hat es ihm nicht, der Prozess wurde eingestellt.

Der Priester José Antonio Fortea aus Alcalá ist der herausragendste Vertreter von Spaniens katholischer Exorzistenzunft. Er gilt als Experte in Dämonologie und hat lange Zeit sich um Fälle von angeblich Besessenen gekümmert. Verschreckt durch diesen ersten Gerichtsprozess, kommt er bedauernd zur Ansicht, dass der Exorzismus aus Spanien verschwinden werde. Schuld gibt er den Besessenen und Psychiatern: Es könne sein, dass jemand, der nicht bis zum Ende exorziert worden sei, zu einem Psychiater gehe und dieser ihm empfehlen werde, dass er die Kirche verklagen solle, weil diese ihm eingeredet habe “besessen zu sein”. Und vor dem Richter, da wäre es doch klar, dass die Psychiater behaupten würden, dass der praktizierte Exorzismus Schaden angerichtet habe.

Mit dieser Vermutung dürfte er recht haben. Der Psychiater Sergio Oliveros Calvo erklärt, dass kein einziges Dokument gebe, die die übernatürliche Natur eines Phänomens teuflischer Besessenheit bestätige. Im Gegenteil, die Wissenschaft habe bestätigt, dass es sich um psychopathologische und neurologische Phänomene handle: “Den Schwerpunkt auf die religiöse Behandlung dieser Fälle legen bedeutet die Diagnose und die Behandlung durch Fachpersonal zu verzögern und damit muss eine Nachlässigkeit und ein Schaden unterstellt werden, der gerichtlich eingeklagt werden kann.

Es gibt andere Priester, die aber immer noch hoffen, dass sie ihr Exorzistenhandwerk weiter betreiben können. Sie meinen, jemand der tobt und brüllt und dabei in fremden Sprachen spricht, sei ein Fall für sie. Exorzisten-Spezialist Fortea ist überzeugt, dass es den Teufel gibt. Zwar hat er ihn weder gesehen noch gehört, aber er hat das sichere Gefühl, dass er da ist, herumwandert und sucht und sich ab und zu in Körpern von Menschen verpflanzt. “Der Teufel ist hässlich, ein dunkles und in Versuchung führendes Wesen, das sich wie ein Schatten bewegt, als monstruöse Höllenbrut oder als kleine Kinder von komplett schwarzer Farbe”, ist sich Fortea sicher.

Für den Ablauf des Exorzismus gilt das Rituale Romanum aus dem Jahr 1614, das 1952 zum letzten Mal verändert wurde. Die Exorzismus-Befürworter in den Reihen der Führer der Kirche schwören hoch und heilig, dass die Austreibung nur durch Gebete und den Gebrauch von Weihwasser und des Kreuzes vollzogen wird. “Es gibt keine Folter”, erklärt Fortea.

2014 veröffentlichte die Webseite “NoticiaCristiana” eine Meldung, dass die katholische Kirche mehr Priester zu Exorzisten ausbilden werde, um den wachsenden Bitten um Hilfe zur “Befreiung vom Teufel” nachkommen zu können. In Spanien soll der Erzbischof von Madrid acht Priester für eine Exorzisten-Ausbildung ausgewählt haben, um den “erschreckenden Anstieg” von Fällen einer “dämonischen Besessenheit” bekämpfen zu können. Die mittelalterliche Praxis geht also doch weiter. Es bleibt nur die Hoffnung, dass tatsächlich einmal ein Gericht auf der Grundlage von Gesetzen eines aufgeklärten Staates dem Spektakel ein Ende setzt. Auf das Eingreifen des Papstes und der Kurie kann man nicht rechnen, noch 2014 berichtete die Webseite “katholisch.de”, dass der Papst eine Exorzistenvereinigung anerkannte.


Informationsquelle
Los exorcistas tienen los días contados
Iglesia Católica instruye más sacerdotes exorcistas para combatir al diablo en Italia y España