Sonntag, 10. Januar 2016

Massentierhaltung in Spanien wird zur Gesundheitsgefahr

Spanien hat sich seit einiger Zeit von der Ära der kleinen Vieh- und Schweinezüchter verabschiedet. Bereits 2005 beobachtete die Umweltgruppe “Ecologistas en Acción” mit Sorge das Anwachsen der Massentierhaltung im Land. Es hat sich eine starke Lebensmittelindustrie entwickelt, die auf Menge und nicht auf Qualität setzt. Große Tierfabriken, vor allem in Nordspanien, sind entstanden. Die Folge sind eine erhebliche Belastung der Umwelt.

Die Universität von Cordoba schreibt in einer Zusammenfassung über die “aktuelle Produktion und die Perspektiven des Marktes für Schweinefleisch”: “Zur Zeit hat Spanien ein produktives Niveau erreicht, das es zum zweitgrößten Produzenten in Europa hinter Deutschland und weltweit zum viertgrößten Produzenten macht. …. Dabei verstärkt sich die Tendenz zu einer Tierhaltung, die nicht von Land abhängig ist, vor allem bei Schweinen und Geflügel, obwohl es auch immer mehr Massentierhaltung bei anderen Produktionen wie Rinder und Schafen, sowie im Bereich der Fisch- und Kaninchenzucht gibt.”

Inzwischen gibt es bei uns die Erkenntnis, dass die Massentierhaltung eine Tierquälerei und eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen ist. Spanien spürt jetzt auch negativen Seiten dieser Entwicklung. Die Erkrankungen auf Grund des Fleischkonsums sind ebenfalls steil angestiegen. Nach einer Untersuchung des “Europäisches Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten” (ECDC) ist in Spanien eine starker Steigerung von Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Fleischkonsum festzustellen. Besonders Erkrankungen an der Campylobacter-Enteritis (Zunahme um 62% im Jahr 2014) haben zugenommen. Mit 11.841 derartigen Fällen, die Fieber und Durchfall hervorrufen, liegt Spanien inzwischen in der oberen Hälfte der europäischen Erfassung dieser Erkrankungen. Weiter ist die Salmonellose weit verbreitet. 2014 gab es 6.643 Fälle, gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 46%. Damit belegt Spanien bei Salmonellose den 2. Platz innerhalb der EU.

Die Tierärzte in Spanien führen die steigenden Zahlen an diesen Erkrankungen darauf zurück, dass es jetzt mehr Gelegenheiten zum Kontakt zwischen Tieren und Menschen kommt. Dadurch würden Krankheitsträger im Wege der Zoonose auf Menschen übertragen. In Spanien gebe es zur Zeit etwa 4,4 Millionen Rinder, mehr als 240 Millionen Hühner, 22 Millionen Schweine, 16 Millionen Schafte und 2,7 Millionen Ziegen. Die Massentierhaltung sei riskant durch die Konzentration der Tiere oder die Globalisierung der Märkte, bei dem Tiere hin und her transportiert würden.

Die Spanier liegen beim Konsum von Antibiotika über dem europäischen Durchschnitt. Vermutlich deshalb sind die von Tieren übertragenen Krankheiten dort besonders gefährlich, denn beim Prozentsatz der Antibiotika-Resistenzen liegt Spanien ebenfalls an der Spitze in Europa.

Also höchste Zeit zu Handeln. Empfehlenswert wäre es, wenn dies präventiv durch Rückführung der Massentierhaltung geschehen könnte. Inzwischen ist die Lobby der Fleischproduzenten aber derart stark, dass dies ein schwieriger Kampf werden wird. Schließlich haben sie es geschafft, dass die früher eher an geringerem Fleischkonsum orientierten Spanier zu passionierten Fleischessern wurden.


Informationsquelle
PRODUCCIÓN ACTUAL Y PERSPECTIVAS DEL MERCADO DEL PORCINO
España multiplica los casos de enfermedades transmitidas por los alimentos