Donnerstag, 28. Januar 2016

Das Christentum hat versagt und versagt immer noch, wenn es um Toleranz geht

Dafür darf man ruhig auch mal die Gebetsräume anderer Religionen anzünden oder deren Anhänger angreifen. Brasilien kennt zwar die Religionsfreiheit, aber in letzter Zeit haben die Angriffe auf vor allem die Kulte afrikanischer Herkunft wie Candomblé erheblich zugenommen. Entsprechend der vor kurzem veröffentlichten Daten der Kommission gegen religiöse Intoleranz von Rio de Janeiro (CCIR) gab es von 2012 bis 2015 alleine im Bundesstaat Rio de Janeiro 1.1014 Fälle von Angriffen und Aggressionen gegen Anhänger von Religionen afrikanischer Herkunft. Fachleute führen das einerseits auf den althergebrachten Sklavenhalter-Rassismus in Brasilien zurück, der allein auf Grund der Tatsache, dass die Kulte afrikanischen Ursprungs sind, diese als minderwertig abtun und andererseits durch ein Anwachsen der neuapostolischen Bewegung, die in den letzten Jahren alles dafür tat, diese Kulte zu dämonisieren und zur Verfolgung von Umbanda- und Candomblé-Anhängern anzustiften.

In der Hauptstadt Brasilia haben die Angriffe auf diese Kulte inzwischen derart zugenommen, dass die Polizei ein spezielle Dienststelle zur Verfolgung solcher Aggressionen eingerichtet hat. Besonders beliebt in Brasilia ist das Anzünden von Kultstätten und Zerstören von Kultgegenständen. Eine Candomblé-Kultstätte in Brasilia wurde gleich drei mal hintereinander angezündet.

Der  Baptisten-Priester Ed René Kurz aus Rio de Janeiro spricht von einer sehr ernsten Situation. Für ihn ist der hetzerische Ton, der von einigen Politikern evangelikaler Herkunft und von einige Priestern über die sozialen Netzwerke angeschlagen wird, die Ursache. “Dies schafft ein geeignetes Klima für krankhafte, unwissende, schlecht informierte Menschen, die ihre Gewaltphantasien nicht im Zaune haben und sie auf die nächstmögliche Gelegenheit ausrichten”, erklärt Kurz.

Wie eine solche Aggression abläuft wird in einem Fall aus dem vergangenen Jahr geschildert: “Gerade einmal 11 Jahre war das Mädchen K.. Vor vier Jahren war sie in die Candomblé-Gemeinde aufgenommen worden und sie ging mit ihren Eltern und Geschwister zum Tempel als sie von einem Stein an den Kopf getroffen wurde. Zeugen, die den Vorfall sahen, bestätigten, dass es sich bei den Steinwerfern um eine Gruppe Evangelikaler handelt. Nach den Zeugen habe diese Gruppe zuvor die Candomblé-Anhänger beschimpft. “Sie schrien, weiche Satan, verbrenne! Ihr werdet alle in die Hölle fahren. Aber wir maßen dem keine Bedeutung zu. Kurz darauf traf der Stein den Kopf meiner Enkelin und während wir ihr zu Hilfe eilten, flohen die Täter in einem Bus”, erzählte die Großmutter des Mädchens.

Informationsquelle
Por que as religiões de matriz africana são o principal alvo de intolerância no Brasil?