Samstag, 17. Oktober 2015

Wie sich ein Erzbischof in christlicher Nächstenliebe gegen Flüchtlinge sorgt

Antonio Cañizares, Kardinal und Erzbischof von Valencia, bekannt durch seine Homophobie und feuriger Abtreibungsgegner, kämpft eher für den Schutz des ungeborenen Lebens als für das bereits existierende Leben. Die übliche Schizophrenie vieler katholischer Kirchenfürsten. Am vergangenen Mittwoch machte er sich bei einem öffentlichen Treffen über die Flüchtlinge Sorgen. Nein, nicht, weil er sich um ihr Schicksal sorgt, sondern darum, dass er sie für unglaubwürdige Invasoren hält. “Was passiert gerade in Europa? Diese Invasion von Einwanderern und Flüchtlingen ist doch nicht sauber? Was wird aus Spanien in ein paar Jahren?”, diese Fragen stellte der 71-Jährige sich und der Versammlung. Des weiteren bezweifelt er, dass die Syrer tatsächlich so verfolgt sind wie sie angeben und  vermutet, dass die Flüchtlinge das Trojanische Pferd für Europa seien.

Die Angstphantasien des Herrn Kardinals beziehen sich natürlich darauf, dass Europa bald nicht mehr so katholisch sein wird, wie er sich das vorstellt. Ganz im Gegensatz zu seinem Papst, der vor kurzem erklärte: “Ich habe mich an meine Bruder-Bischöfe in Europa gewandt, damit jede Pfarrei, religiöse Gemeinschaft, Kloster und klösterliche Einrichtung eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen soll. Ich erinnere daran, dass Mitleid der zweite Name der Liebe ist”. Cañizares stellt sich mit seinen Äußerungen auch gegen die spanische Caritas, die als katholische Wohltätigkeitsorganisation den Vorsitz in einer Kommission der freiwilligen katholischen Helfer zu Gunsten der Flüchtlinge inne hat und öffentlich “Rechte für alle Einwanderer” unter dem Thema “mehr Gastfreundschaft, mehr Würde” fordert. Die spanische Bischofskonferenz lässt verlauten, dass “die katholische spanische Kirche angesichts der humanitären Krise alle verfügbaren menschlichen und materiellen Ressourcen zur Verfügung stellen wird”.

Der Erzbischof schwieg nach dem ersten Sturm der Empörung in der Öffentlichkeit erst einmal ein paar Tage. Danach gab er beleidigt bekannt, dass er missverstanden worden wäre. Er fühle sich als Opfer einer Lynchjustiz. Die Journalisten seien an allem Schuld, sie hätten“sein Denken, seine Wort und sein Herz” manipuliert. Er befinde sich in voller Übereinstimmung mit dem Papst und der spanischen Bischofskonferenz. Die Zeitung El Pais schreibt, dass er dann um Nachsicht gebeten habe, aber nicht erklärt habe wofür. “Ich bitte sehr um Nachsicht, ich hoffe auf Gegenseitigkeit und Loyalität und ich flehe demütig, dass man für mich betet”.

Der Erzbischof ist ein Wiederholungstäter. Er hatte bereits gezeigt, dass er wenig Herz für sozial Schwache hat und möglichst nichts sich ereignen sollte, das sein behäbiges Leben in Gefahr bringen würde.  Zu der Wirtschaftskrise in Spanien und ihre Folgen erklärte er, dass “er nicht mehr Bettler auf der Straße und Leute, die unter einer Brücke schlafen, gesehen habe wie zuvor”. Und ansonsten ist er auch ein Frauenfeind, er schließt aus, dass in den nächsten Jahrzehnten auch Frauen in der katholischen Kirche zu Priesterinnen geweiht werden können. “Das wird nicht geschehen, das Priesteramt stellt die Gegenwart Christi dar und das ist der Mann”, erklärt er entschieden.

Und das sagt ein Spanier in einem Leserkommentar zum Verhalten des Erzbischofs:
“Herr Cañizares, sie sind derjenige, der nicht vertrauenswürdig ist. Sie sprechen von der Homosexualität als einer Krankheit, aber unter euch gibt es viel Krankheit. Ihr sprecht von Nächstenliebe von euren Palästen aus. Ihr sprecht von Armut, aber wenn ihr pensioniert werdet, bekommt ihr eine 400qm Wohnung. Alles, was ihr tut geht gegen das, was ihr predigt. Sie haben eine große Gelegenheit verpasst, das Maul zu halten”.

Siehe auch
Der Protzbischof von Madrid
Informationsquelle
El cardenal Cañizares: "¿Esta invasión de emigrantes y de refugiados es todo trigo limpio?"
Cañizares acusa a los refugiados de ser el “caballo de Troya” de Europa