Freitag, 30. Oktober 2015

Spanisches Atomkraftwerk mit lockerer Arbeitsmoral

Die Zeitung El Pais schreibt heute, dass während 2 Monaten – zwischen dem 20. Dezember 2014 und 19. Februar dieses Jahres – im Atomkraftwerk Almaraz keine der vorgeschriebenen Kontrollen über Brandschutzmaßnahen stattgefunden haben. Eine Gruppe von Feuerwehrleuten, die zu einer Kontraktfirma namens Falck SCI gehörten, fälschten die Unterlagen  dahingehend, dass sie Kontrollgänge eintrugen, die gar nicht stattgefunden hatten.

Den Fälschungen kam ein Inspektor des spanischen Nuklearsicherheitsrates (CSN) auf die Spur, der auch gelegentlich im AKW arbeitete. Bei einem vorgeschriebenen Überprüfung der Kontrollgänge durch den Brandschutz stellte er fest, dass der Kontrollgang mit Uhrzeit 14 Uhr bereits als erledigt eingetragen war, obwohl es noch gar nicht 14 Uhr war. Er alarmierte seine Kollegen vom CSN, die dann in einer Untersuchung feststellte, dass es sich hierbei um eine generelle Praxis handelte. “Die Fälschung der Kontrollblätter für den Brandschutz fand schon seit einiger Zeit statt”, erklärte der CSN. “Die Nichterfüllung geschah wiederholt, indem die Dokumente im Register gefälscht wurden”.

Von vorgeschriebenen 1.480 Kontrollgängen wurden nur 1.121 durchgeführt. Die 23 Arbeiter, die mit dieser Aufgabe beauftragt waren, wurden entlassen. Ein Sprecher der Firma schob allein diesen die Schuld zu: “Sie zeigten eine betrügerische Haltung. Es gab von Seiten einiger Arbeiter gravierende Missachtung ihrer Arbeitspflichten”. Die entlassenen Arbeiter gingen vor Gericht und ihr Rechtsanwalt erklärte: “Es handelte sich um eine bekannte Handlungsweise, der das Unternehmen selbst zugestimmt hat, um einen effizienten Arbeitsablauf zu garantieren und nicht ständig die nötige Zeit für die Kontrollgänge messen zu müssen”. Die zuständige Richterin schloss sich aber diesem Argument nicht an, obwohl der Schlendrian wohl durchaus System hatte und von der Leitung geduldet wurde. Ohne den Einsatz des Inspektors wären die getürkten Kontrollgänge auf jeden Fall nicht entdeckt worden.

Das AKW hielt trotzdem weiterhin an dem Vertrag mit der Brandschutzfirma fest, denn – man höre und staune – “diese Nachlässigkeiten stellten zu keiner Zeit die Sicherheit des AKW in Frage, da es noch ergänzende Kontrollsystem gab”. Erstaunlich, scheinbar gibt der Betreiber gerne Geld für nutzlose Dienstleistungen aus. Die lasche Haltung der Betreiber hat dem CSN wohl noch mehr zu denken gegeben. Er hat der Regierung vorgeschlagen, die betreibenden Firmen Iberdrola, Endesa, und Gas Natural zu bestrafen.

Neben der laschen Arbeitsmoral ist das AKW zudem ein Gefahrenherd ersten Ranges. Greenpeace schreibt am 29. Juni unter Bezugnahme auf den Stresstest des AKW durch die EU: “Das AKW Almaraz ist im gegenwärtigen Zustand nicht sicher und man sollte den Weiterbetrieb nicht erlauben. Es darf nicht sein, dass das AKW in 8 Punkten wie zum Beispiel der Eindämmung der Radioaktivität durchfällt und dies 4 Jahre nach dem Nuklearunfall von Fukushima. Es ist nur ein weiteres Beispiel für die Sicherheitsmängel aller spanischen Atomkraftwerke.”

Ein technisch unsicheres Atomkraftwerk plus lasche Arbeitsmoral: Die Katastrophe steht vor der Tür.

Siehe auch:
Atomalarm in Almaraz, was tun? 

Informationsquelle
La central nuclear de Almaraz suspende en las pruebas de resistencia nuclear en un nuevo análisis europeo
Descontrol de incendios en la central nuclear de Almaraz
Video: Soy Vecino - Central Nuclear de Almaraz