Direkt zum Hauptbereich

Spanisches Atomkraftwerk mit lockerer Arbeitsmoral

Die Zeitung El Pais schreibt heute, dass während 2 Monaten – zwischen dem 20. Dezember 2014 und 19. Februar dieses Jahres – im Atomkraftwerk Almaraz keine der vorgeschriebenen Kontrollen über Brandschutzmaßnahen stattgefunden haben. Eine Gruppe von Feuerwehrleuten, die zu einer Kontraktfirma namens Falck SCI gehörten, fälschten die Unterlagen  dahingehend, dass sie Kontrollgänge eintrugen, die gar nicht stattgefunden hatten.

Den Fälschungen kam ein Inspektor des spanischen Nuklearsicherheitsrates (CSN) auf die Spur, der auch gelegentlich im AKW arbeitete. Bei einem vorgeschriebenen Überprüfung der Kontrollgänge durch den Brandschutz stellte er fest, dass der Kontrollgang mit Uhrzeit 14 Uhr bereits als erledigt eingetragen war, obwohl es noch gar nicht 14 Uhr war. Er alarmierte seine Kollegen vom CSN, die dann in einer Untersuchung feststellte, dass es sich hierbei um eine generelle Praxis handelte. “Die Fälschung der Kontrollblätter für den Brandschutz fand schon seit einiger Zeit statt”, erklärte der CSN. “Die Nichterfüllung geschah wiederholt, indem die Dokumente im Register gefälscht wurden”.

Von vorgeschriebenen 1.480 Kontrollgängen wurden nur 1.121 durchgeführt. Die 23 Arbeiter, die mit dieser Aufgabe beauftragt waren, wurden entlassen. Ein Sprecher der Firma schob allein diesen die Schuld zu: “Sie zeigten eine betrügerische Haltung. Es gab von Seiten einiger Arbeiter gravierende Missachtung ihrer Arbeitspflichten”. Die entlassenen Arbeiter gingen vor Gericht und ihr Rechtsanwalt erklärte: “Es handelte sich um eine bekannte Handlungsweise, der das Unternehmen selbst zugestimmt hat, um einen effizienten Arbeitsablauf zu garantieren und nicht ständig die nötige Zeit für die Kontrollgänge messen zu müssen”. Die zuständige Richterin schloss sich aber diesem Argument nicht an, obwohl der Schlendrian wohl durchaus System hatte und von der Leitung geduldet wurde. Ohne den Einsatz des Inspektors wären die getürkten Kontrollgänge auf jeden Fall nicht entdeckt worden.

Das AKW hielt trotzdem weiterhin an dem Vertrag mit der Brandschutzfirma fest, denn – man höre und staune – “diese Nachlässigkeiten stellten zu keiner Zeit die Sicherheit des AKW in Frage, da es noch ergänzende Kontrollsystem gab”. Erstaunlich, scheinbar gibt der Betreiber gerne Geld für nutzlose Dienstleistungen aus. Die lasche Haltung der Betreiber hat dem CSN wohl noch mehr zu denken gegeben. Er hat der Regierung vorgeschlagen, die betreibenden Firmen Iberdrola, Endesa, und Gas Natural zu bestrafen.

Neben der laschen Arbeitsmoral ist das AKW zudem ein Gefahrenherd ersten Ranges. Greenpeace schreibt am 29. Juni unter Bezugnahme auf den Stresstest des AKW durch die EU: “Das AKW Almaraz ist im gegenwärtigen Zustand nicht sicher und man sollte den Weiterbetrieb nicht erlauben. Es darf nicht sein, dass das AKW in 8 Punkten wie zum Beispiel der Eindämmung der Radioaktivität durchfällt und dies 4 Jahre nach dem Nuklearunfall von Fukushima. Es ist nur ein weiteres Beispiel für die Sicherheitsmängel aller spanischen Atomkraftwerke.”

Ein technisch unsicheres Atomkraftwerk plus lasche Arbeitsmoral: Die Katastrophe steht vor der Tür.

Siehe auch:
Atomalarm in Almaraz, was tun? 

Informationsquelle
La central nuclear de Almaraz suspende en las pruebas de resistencia nuclear en un nuevo análisis europeo
Descontrol de incendios en la central nuclear de Almaraz
Video: Soy Vecino - Central Nuclear de Almaraz

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…