Sonntag, 20. September 2015

Warum soll Gott die Queen schützen und warum soll man vor der Queen auf die Knie gehen?

In der britischen Nationalhymne wird Gott aufgefordert, die Königin (Queen) bzw. den König zu schützen. Die erste Strophe lautet:
“Gott schütze unsere anmutige Königin!
Lang lebe unsere edle Königin!
Gott schütze die Königin!
Lass sie siegreich sein,
glücklich und ruhmreich,
lang regiere sie über uns.
Gott schütze die Königin!”
Die britische Nationalhymne wurde laut Angaben der Webseite “The British Monarchy” nach der Schlacht von Prestonpans in Schottland, wo Prinz Charles Edward Stuart die Armee des Königs George II besiegte,  in einer patriotischen Welle vom Dirigenten des Orchesters im Royal Theater komponiert und hatte damals einen überragenden Erfolg beim Publikum.

Die Nationalhymne ist somit aus Anlass einer blutigen Schlacht gegen die Schotten entstanden, womit man wohl eher von einem Trauertag für das “Vereinigte Königreich” sprechen könnte, statt dessen aber mit englischen Hurra-Patriotismus vorlieb nehmen muss. Seit fast 3 Jahrhunderten wird somit der eigentlich unparteiische Gott aufgefordert, eine Person zu schützen, die auf Grund einer blutigen Schlacht auf dem Thron sitzt. Kein Wunder also, dass die Schotten lieber "Scotland the Brave" oder "Flower of Scotland" singen.

Die Nationalhymne nicht gesungen hat letzthin der neue Führer der Labour-Partei, Jeremy Corbyn. Corbyn ist überzeugter Republikaner und das Singen einer monarchistischen Jubelhymne bereitet ihm verständlicherweise Bauchschmerzen. Er hat sich die Nationalhymne bei einem offiziellen Anlass angehört, aber seine Lippen nicht bewegt. Er selbst erklärt, dass er “respektvoll” geschwiegen habe. Grund genug für die rechtsgewirkten Medien und der rüden englischen Sensationspresse über ihn herzufallen. Denn auf alles, was gegen die Monarchie geht, wird im Königreich schweres Geschütz aufgefahren, weil das königliche Theater hohen Unterhaltungswert bei den Medien hat und die Tourismus-Industrie mit dem Mittelalter-Spektakel viel Geld zu verdienen glaubt.

Insoweit ist es höchst erfreulich, dass der neue Oppositionsführer ein Republikaner ist, der mit dem ganzen königlichen Getöse möglichst nichts am Hut haben will. Dass er zum Führer der Labour-Partei gewählt wurde, bringt viel frischen Wind in die politische Diskussion in Großbritannien, obwohl Corbyn ein Urgestein der britischen Politik ist. Nun, die Medienhetze zur Sangesverweigerung hat schon dazu geführt, dass Corbyn einknickte und die Hymne bei den nächsten Anlässen mitsingen will.

Die nächste königliche Falle lauert schon. Corbyn ist als Oppositionsführer auch Mitglied des Kronrates, des Privy Councils. Die Mitglied des Kronrates haben die schöne Aufgabe bei der Begrüßung vor der Königin hinzuknien und ihr die Hand zu küssen. Diesen Mummenschanz mitzumachen dürfte Corbyn große Überwindung kosten. Er erklärte dazu; “Natürlich werde ich vermutlich im Privy Council landen, wenn das zu den Aufgaben meines Jobs gehört. Ich denke, dass man einige Dinge in unserer Gesellschaft ändern sollte und das ist eine davon”. Recht hat er, denn die Bräuche in diesem Kronrat sind wohl von vorgestern. So tritt die Königin dabei auch als Chefin der Staatsreligion, der Anglikaner, auf. Andersgläubige, auch Christen wie Katholiken oder Muslime haben Hinterbänke einzunehmen. Das passt doch alles nicht mehr zusammen mit dem Bild einer modernen Demokratie. Sollte das Nichtsingen der Hymne einen Anstoß zu einer Diskussion über das alte monarchistische Gerümpel im Vereinigten Königreich gegeben haben, dann well done, Mister Corbyn!

Informationsquelle
Corbyn stands silent for national anthem at Battle of Britain service
Corbyn was right not to sing the national anthem. Authenticity is all he has
How civil servants kept the Privy Council's secrets