Direkt zum Hauptbereich

Warum soll Gott die Queen schützen und warum soll man vor der Queen auf die Knie gehen?

In der britischen Nationalhymne wird Gott aufgefordert, die Königin (Queen) bzw. den König zu schützen. Die erste Strophe lautet:
“Gott schütze unsere anmutige Königin!
Lang lebe unsere edle Königin!
Gott schütze die Königin!
Lass sie siegreich sein,
glücklich und ruhmreich,
lang regiere sie über uns.
Gott schütze die Königin!”
Die britische Nationalhymne wurde laut Angaben der Webseite “The British Monarchy” nach der Schlacht von Prestonpans in Schottland, wo Prinz Charles Edward Stuart die Armee des Königs George II besiegte,  in einer patriotischen Welle vom Dirigenten des Orchesters im Royal Theater komponiert und hatte damals einen überragenden Erfolg beim Publikum.

Die Nationalhymne ist somit aus Anlass einer blutigen Schlacht gegen die Schotten entstanden, womit man wohl eher von einem Trauertag für das “Vereinigte Königreich” sprechen könnte, statt dessen aber mit englischen Hurra-Patriotismus vorlieb nehmen muss. Seit fast 3 Jahrhunderten wird somit der eigentlich unparteiische Gott aufgefordert, eine Person zu schützen, die auf Grund einer blutigen Schlacht auf dem Thron sitzt. Kein Wunder also, dass die Schotten lieber "Scotland the Brave" oder "Flower of Scotland" singen.

Die Nationalhymne nicht gesungen hat letzthin der neue Führer der Labour-Partei, Jeremy Corbyn. Corbyn ist überzeugter Republikaner und das Singen einer monarchistischen Jubelhymne bereitet ihm verständlicherweise Bauchschmerzen. Er hat sich die Nationalhymne bei einem offiziellen Anlass angehört, aber seine Lippen nicht bewegt. Er selbst erklärt, dass er “respektvoll” geschwiegen habe. Grund genug für die rechtsgewirkten Medien und der rüden englischen Sensationspresse über ihn herzufallen. Denn auf alles, was gegen die Monarchie geht, wird im Königreich schweres Geschütz aufgefahren, weil das königliche Theater hohen Unterhaltungswert bei den Medien hat und die Tourismus-Industrie mit dem Mittelalter-Spektakel viel Geld zu verdienen glaubt.

Insoweit ist es höchst erfreulich, dass der neue Oppositionsführer ein Republikaner ist, der mit dem ganzen königlichen Getöse möglichst nichts am Hut haben will. Dass er zum Führer der Labour-Partei gewählt wurde, bringt viel frischen Wind in die politische Diskussion in Großbritannien, obwohl Corbyn ein Urgestein der britischen Politik ist. Nun, die Medienhetze zur Sangesverweigerung hat schon dazu geführt, dass Corbyn einknickte und die Hymne bei den nächsten Anlässen mitsingen will.

Die nächste königliche Falle lauert schon. Corbyn ist als Oppositionsführer auch Mitglied des Kronrates, des Privy Councils. Die Mitglied des Kronrates haben die schöne Aufgabe bei der Begrüßung vor der Königin hinzuknien und ihr die Hand zu küssen. Diesen Mummenschanz mitzumachen dürfte Corbyn große Überwindung kosten. Er erklärte dazu; “Natürlich werde ich vermutlich im Privy Council landen, wenn das zu den Aufgaben meines Jobs gehört. Ich denke, dass man einige Dinge in unserer Gesellschaft ändern sollte und das ist eine davon”. Recht hat er, denn die Bräuche in diesem Kronrat sind wohl von vorgestern. So tritt die Königin dabei auch als Chefin der Staatsreligion, der Anglikaner, auf. Andersgläubige, auch Christen wie Katholiken oder Muslime haben Hinterbänke einzunehmen. Das passt doch alles nicht mehr zusammen mit dem Bild einer modernen Demokratie. Sollte das Nichtsingen der Hymne einen Anstoß zu einer Diskussion über das alte monarchistische Gerümpel im Vereinigten Königreich gegeben haben, dann well done, Mister Corbyn!

Informationsquelle
Corbyn stands silent for national anthem at Battle of Britain service
Corbyn was right not to sing the national anthem. Authenticity is all he has
How civil servants kept the Privy Council's secrets

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

So soll Großbritannien vom Joch der EU-Gesetzgebung befreit werden

Die britische Premierministerin Theresa legte vor kurzem dem Parlament das "Great Repeal Bill"  zur Abstimmung vor. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem das EU-Recht im Vereinigten Königreich für ungültig erklärt werden soll. Offiziell nennt sich das Gesetz "European Union (Withdrawal) Bill", also EU-Rücknahme-Gesetz.


Mit dem Gesetz sollen die rechtlichten Wirkungen des Vertrages von 1972 über den Beitritt des UK zu EU aufgehoben werden. Damit würde wieder nur das Recht des Vereinigten Königreichs gelten und die Rechtssprechungsbefugnis des Europäischen Gerichtshofs für Großbritannien beendet. Dazu soll die bisherige in EU-Gesetzgebung in nationales Recht überführt werden, so dass am Tag des erfolgten Austritts aus der EU kein Chaos entsteht.

Alle EU-Regeln sollen in nationales Recht übernommen werden. Anschließend kann das Parlament diese Regeln "ändern, ergänzen oder verbessern". Damit soll die Geschäftswelt und Bürger und Bürgerinnen beruhigt …