Direkt zum Hauptbereich

Der späte Sieg der Securitate oder wie wird man diese Bande los

Die Ceausescu-Diktatur hatte über die Geheimpolizei Securitate das rumänische Volk so gut im Griff, dass fast jeder mitarbeiten musste, ob er wollte oder nicht. Widerstand wurde mit existenzieller Vernichtung bestraft. So arrangierte sich halt jeder auf seine Art mit diesem Krebsgeschwür des Misstrauens. Jedes Vertrauen in den Mitmenschen wurde damit zerstört. Es wurde ein Heer nur auf das Bespitzeln und Bedrohen spezialisierter Agenten geschaffen, für die Moral und Gewissensbisse unbekannte Wörter waren und sind. Die meisten haben die Revolution von 1989/90 unbeschadet überstanden und treiben weiterhin ihr Unwesen, vermutlich bis der biologische Zeitablauf ihnen das Handwerk legt.

Gezielt nutzen diese Herrschaften die Informationen, die sie während ihrer Schnüffelpraxis angesammelt hatten, zur Erpressung von bekannten Politikern oder Persönlichkeiten, die den Hauptteil ihrer Berufsphase noch unter der Diktatur verbracht haben. Natürlich benützen sie diese Machtmittel nicht, um einer sachgerechten Aufklärung zu dienen, sondern um ihren persönlichen Machtrausch auszuleben. Diese Masche habe ich bereits einmal im Fall von Herta Müller geschildert.

Dieser Tage hat nun der Ex-Securitate-Offizier Silvian Ionescu gemeint, er müsste den ehemaligen Staatspräsidenten Rumäniens, Traian Basescu, dessen Führungsoffizier er einmal gewesen sein soll, mit seinem bei der Securitate gesammelten Wissen ins Verderben stürzen. Nach jahrelangem, wohl auch lukrativem Schweigen, das seiner Karriere nicht geschadet hat, ging er jetzt über Facebook an die Öffentlichkeit mit diesen Informationen aus seiner Schatztruhe:
Basescu (ehemaliger Schiffskapitän) war der Kontrolleur, Kollaborateur und Parteimitglied. Er war derjenige, der alle Matrosen, die durch Anvers kamen, kontrollierte und er machte sich eine goldene Nase auf die billigste Art und Weise. Das war so jammerhaft! In der Zeit hat Basescu am laufenden Band zehntausende von Dollar durch das Bunkern, Schiffsverwaltung und anderes ergaunert! Alle Kommandanten verstanden es bestens vom Geld der Dummköpfe abzusahnen! Wie viele Verrückte haben wir, dass man noch daran glaubt, dass diese Lepra für das Land notwendig ist? Ich möchte, dass alle, die mit ihren eigenen Augen sehen können, mein früheres Schweigen verstehen, für das ich mich entschuldige, aber viel mehr ist es mir wichtig, diese Informationen mit vielen anderen zu teilen, damit sie die Wahrheit über diese monumentale Pest erfahren!

Soweit Herr Ionescu, der jetzt meint auspacken zu müssen und dies bar jeder Selbstprüfung tut. Dazu schreibt der Journalist Cristian Teodorescu im Blog “Voxpublica”:
Die alten Sekuristen fangen jetzt an, die Schlinge um den Hals von Traian Băsescu zu ziehen. Eigentlich geht es nur um einen einzigen Sekuristen, Silvian Ionescu, der meinte, nachdem der Ex-General Iulian Vlad als Herr der Akten nicht zum letzten Schlag ausgeholt hatte, dass die Tat durch einen rangniedrigen ausgeführt werden müsse.  Leider kann ich die Hypothese, dass in jedem alten General der Securitate ein Bösewicht steckt, der über Leichen gegangen ist, nicht von der Hand weisen. Silvian Ionescu ist in den letzten 25 Jahren, in denen er von einer Stufe zur nächst höheren befördert wurde, von niemandem belästigt worden. Genauso wie es vielen Sekuristen nach der Revolution besser als zuvor gegangen ist. Sie haben lukrative Funktionen im Staat, die ihnen noch lukrativere Geschäfte mit dem Staat brachten. Eine solche Person scheint mir verachtenswert, die zu Zeiten, in denen Băsescu Präsident war, sich in ein nützliches Schweigen gehüllt haben, aber jetzt Enthüllungen machen und darauf hoffen, das es wieder zu ihrem Nutzen sein werde. Jetzt zerren sie ganz einfach Băsescu hervor, aus Motiven, die wohl nur die beiden kennen.

Băsescu wird beschuldigt, ein Netzwerk der Securitate in Konstanza und in Anvers in Frankreich geführt zu haben. Băsescu hatte aber während seiner Amtszeit als Präsident geschworen, dass seine Kontakte zur Securitate nur auf das Notwendigste beschränkt waren. Cristin Teodorescu schreibt dazu:
Falls das (mit dem Securitate-Netzwerk) stimmt, dann hat der ehemalige Präsident Rumäniens ein Problem, weil er nicht die Wahrheit gesagt hatte als er behauptete, dass seine Verbindungen zu Securitate auf rein dienstliche Berichte, zu denen er auf Grund seiner Funktion verpflichtet war, beschränkt war. Einige sagen, dass die Wahrheit, auch wenn sie spät und egal woher sie kommt, ans Tageslicht kommt,  wahr bleibt . Aber wenn die Wahrheit mit großer Verspätung ans Tageslicht kommt, dann gibt es durch Lügen und lügenhafte Behauptungen schwer zu beweisende Effekte. Sollte die Oberstaatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Băsescu einleiten, auf Grund der Flotten-Affäre könnte auch noch die Anti-Korruptionsbehörde DNA tätig werden, dann könnte Băsescu seine Privilegien als Ex-Präsident verlieren, aber für die Falschaussage könnte es sogar zu einer strafrechtlichen Verfolgung kommen. Wenn die rumänische Justiz bei ihrer Linie bleibt, könnten stürmische Zeiten auf Traian Băsescu zukommen.
Ich bedaure es sehr, dass dies ein weiterer Sieg der Securitate ist und nicht unserer Demokratie, die sich wieder einmal einäugig und behindert zeigt. Dies, weil es der Securitate und ihren politischen Gefolgsleuten gelungen ist, einen ehemaligen Präsidenten, unter dem sie 10 Jahre geschwiegen haben, jetzt wie ein altes Kleidungsstück wegzuwerfen.

Sollte die Justiz nicht auch gegen diese Bande unverbesserlicher ehemaliger Haupttäter der Securitate vorgehen? Hauptproblem ist, dass in Rumänien die kommunistische Diktatur nur zögerlich aufgearbeitet wird. Schließlich hat fast jeder irgendwie und irgendwo an der gegenseitigen Bespitzelung teilgenommen. “Ein weiteres Problem bei der Aufarbeitung: In vielen Transformationsländern hat es keinen grundlegenden Wechsel der Eliten gegeben. Wie etwa in Rumänien, wo 40.000 ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter der Securitate heute Schaltstellen in der Wirtschaft und im öffentlichen Sektor besetzen. Der Wechsel in die neue Normalität fiel ihnen hier besonders leicht, weil Rumänien keine kraftvolle Bürgerrechtsbewegung hatte."”, schreibt der Deutschlandfunk in einem Beitrag aus dem Jahre 2009.

Siehe auch
Securitate will 50% vom Literatur-Nobelpreis
Die Securitate, Herta Müller und die Banater Schwaben

Informationsquelle
Sinteza zilei: Documente bombă care fac lumină în trecutul comunist al lui Traian Băsescu
O gioarsă a Securității a fost președintele României?

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Großbritannien, das zerstrittene Königreich, auf den Spuren Griechenlands

Das Vereinigte Königreich (UK) verlässt die EU. Nach dem Brexit-Referendum hatten die regierenden Konservativen  um Premierministerin May entdeckt, wie toll ein solcher Abschied vom europäischen Kontinent ausgehen könnte. Ungeahnte Möglichkeiten würden dem Land in der weiten Welt winken, die nur darauf warte, mit den Briten ins Geschäft zu kommen. Realistischerweise hat Premierministerin May schon einmal erklärt,  dass das nur funktioniere, wenn das Land zu einer Steueroase à la Panama umgebaut werde.

Die EU schien in dieser Zukunftphantasie keine Rolle zu spielen,  obwohl sie doch der größte Handelspartner des Landes ist. In einem Anflug von völliger Betriebsblindheit setzte May noch Neuwahlen an, weil man ihr eine überwältigende absolute Mehrheit prognostizierte. Das ging dann gründlich schief und jetzt steht Großbritannien ratlos vor einem Scherbenhaufen. Plötzlich kommen auch Bedenken auf, ob ein knallharter völliger Abschied von der EU tatsächlich für Großbritannien positiv sein…