Freitag, 11. September 2015

Aus der Sicht eines Juden: Deutschland als Beispiel für Israel

“Die Umwandlung einer Nation von mörderischen Aggressoren im vergangenen Jahrhundert in freundliche Retter von Flüchtlingen in diesem Jahrhundert, gibt uns Hoffnung, dass ein Wechsel möglich ist. “ Dies schreibt Rabbi Eliyahu Fink in der israelischen Zeitung “Haaretz” zum israelischen Neujahrsfeiertag Rosch ha-Schana, der am 14. September stattfinden wird. Er fordert auf, diesen Tag als einen Tag der Besinnung zu begehen und dabei die derzeitigen Geschehnisse zu bedenken: “Während wir an diesem Tag in die Synagoge gehen, verlassen tausende Menschen ihre Heimat in verzweifelter Suche nach einem besseren Leben. Über 4 Millionen Flüchtlinge sind aus Syrien geflohen – unschuldige Opfer des Krieges auf der Wanderung rund um den Globus und in der Hoffnung irgendwo besser leben und neu anfangen zu können.”

Rabbi Fink fährt fort: Niemand will Flüchtlinge. Wohlhabende Nationen im Nahen Osten, Europa und Amerika tun erschreckend wenig, um die die Flüchtlinge aufzunehmen und die Krise verschärft sich Tag für Tag. Unsere moderne internationale Gemeinschaft mag selbst stolz auf seine Ethik und Moral sein, aber all dies ist nur Geschwätz. Die Fakten verraten die leeren Versprechen von Leben und Freiheit für alle. Flüchtlinge werden an der Grenze der Freiheit und auf der Schwelle der Erlösung abgewiesen”. Für ihn gibt es jetzt ein Land, das wie ein Licht im Dunkeln erscheint und 800.000 Flüchtlinge aufnehmen will: “Deutschland ist der Leuchtturm, der Licht in die Dunkelheit bringt.”

Und dann fragt er sich und die jüdische Gemeinde: “Deutschland?! Ja, Deutschland.” Deutschland, das Land, das ein so unauslöschliches Wundmal in der kollektiven Seele der Juden hinterlassen habe. Die Erinnerung an den Holocaust reiße immer wieder alte Wunden auf, aber: “Die alleinige Konzentration auf Deutschlands Verbrechen in der Vergangenheit schafft erkennbare Dissonanzen mit der Realität. Das deutsche Judentum blüht wieder auf und es gibt kein Platz in Europa, der entgegenkommender und hilfsbereiter gegen Juden ist.” Und in diesen Wochen komme hinzu, dass Deutschland Flüchtlinge eingeladen habe, ein neues Leben auf dem Boden zu beginnen, auf dem Nicht-Arier nicht geduldet wurden. Rabba Fink fragt sich, was da geschehen sei. Wie wurden in wenigen Jahrzehnten aus Aggressoren Retter. “Manche fragen sich, ob die Deutschen wirklich so großzügig und entgegenkommend sein können. Für Rabbi Fink ist die Antwort klar: “Natürlich können sie. Und noch wichtiger: Sie sind es.”

Durch die Gesetzgebung, Erziehung, soziale Programme und einfach Freundlichkeit sei in Deutschland eine tolerante wohlwollende Gesellschaft  auf der Asche der Menschen, die ermordet wurden und auf der Asche ihre rassistischen Mörder aufgebaut worden. Deutschland sei jetzt eine Inspiration, denn vor 75 Jahren glaubte man, dass die Deutschen und ihre Führer nur effiziente Mörder waren. Aber zwei Generationen später könne man feststellen, dass ein Wandel möglich sei. Abbi Fink schließt daraus: “Wenn sie es konnten, dann können wir es auch” und er zieht daraus Schlüsse für Israel: “Das gibt uns Hoffnung für die Zukunft. Ich höre ähnlich schreckliche und oft zutreffende Beschreibungen von den Arabern und den Muslimen des Mittleren Osten. Es gibt welche, die glauben, dass sie angeboren böse sind oder auf Gewalt geeicht. Trotzdem die Nationen und Kulturen alle noch sehr unterschiedlich sind, zeigt uns Deutschland, dass Judenhass keine Schlussfolgerung ist, die ewig halten wird.  Freiheit, Gerechtigkeit und eine entgegenkommende Modernität sind die Werkzeuge, die eine Gesellschaft braucht, um großzügig, hilfsbereit und freundlich zu sein. Wir müssen diese Ideale überall, wo sie fehlen, fördern. Mit Bigotterie und Aggression auf Gewalt zu antworten, verstärkt die subversiven Element in einer Gesellschaft. Aber unsere vorrangigen Anstrengungen müssen dem Aufbau einer guten Gesellschaft gelten. So wie es Deutschland getan hat.”

Eliyahu Fink ist Rabbi, Dozent und Schriftsteller in Beverly Hills. Er führt einen Blog bei Finkoswim.com und hat ein Facebook-Konto unter der Adresse Facebook.com/eliyahu.find

Informationsquelle
Why Jews Should Look to Germany for Inspiration This Rosh Hashanah