Direkt zum Hauptbereich

Eine rumänische Handreichung zur Flüchtlingskrise

Rumänien liegt abseits des großen Flüchtlingsstroms, der sich über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn nach Westeuropa ergießt. Noch, denn die Europäische Union möchte Rumänien bei der Verteilung der Flüchtlinge auch nicht ungeschoren davon kommen lassen. Während in den ehemaligen Ostblockländern Ungarn, Tschechei, Slowakei und Polen ein eher hasserfüllte Atmosphäre gegenüber Flüchtlingen herrscht und staatlich gefördert wird, ist es in Rumänien bisher relativ ruhig geblieben. Rumänien hat eher das Problem, dass es trotz langem Drängen immer noch nicht in den Schengenraum aufgenommen wurde, während die tschechische Politik in zwergenhafter Weitsicht schon einmal die Kündigung von Schengen ins Spiel bringt. Rumänien hat sich auf jeden Fall schon einmal grundsätzlich bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen. Höchste Zeit für die EU und hier besonders die deutschen Hardliner Rumänien auch bei der Aufnahme in den Schengenraum entgegen zu kommen.

Trotzdem, auch in Rumänien herrscht natürlich eine eher skeptische Einstellung gegenüber Flüchtlingen und vor allem viel Unwissenheit. Dem will Blogger Teodor Tiţă in seinem Blog “În Centru” unter dem Titel “Kleine Anleitung für die Dschihadisten des schlechten Geschmacks” abhelfen, indem er hypothetische Fragen beantwortet. Ich gebe seine Ausführungen hier auszugsweise wieder:

Hat Rumänien ein Problem mit der Einwanderung? NEIN. Rumänien wird nicht von Einwanderern gestürmt. 2.600 Menschen jährlich suchen ihr Glück bei uns. Rumänien ist überaltert. Dank interner Probleme verlieren wir Menschen. Menschen, die im Arbeitsleben stehen.

Einwanderer gegen Flüchtlinge. Wo ist der Unterschied? Nach der Definition der UNO ist ist jeder Flüchtling ein Einwanderer, aber nicht jeder Einwanderer ein Flüchtling. Die Flüchtlinge wollen einer Verfolgung entkommen, die direkt ihr Leben bedroht. Flüchtlinge sind gezwungen zu fliehen, Einwanderer können wählen, ob sie gehen wollen..

Woher wissen wir, dass nicht nur Einwanderer in der Welle der Menschen vor den Toren Europas sind? Wir haben Institutionen, die über das Gesuch auf Asyl entscheiden. Hier, zum Beispiel, kann wer Lust hat, lesen, wie das in Deutschland abläuft. Ähnlich funktioniert das auch in Rumänien.

Gut, aber kommen Flüchtlinge nach Rumänien? Es kommen welchen. Sehr wenige. Bis Juni gab es 700 Asylanträge. Verglichen mit der Bevölkerungszahl sind es sehr wenige. Wir sollten nicht vergessen, dass wir hier von einem Land der EU sprechen.

Warum kommen sie nicht nach Rumänien? Trotzdem dieses Land ein Land der Europäischen Union ist, ist Rumänien noch arm. Wenn sich alle auf den Weg machen, dann ist es natürlich, dass sie dorthin gehen, wo die Chancen auf gute Lebensbedingen am größten sind. Auch führen die Fluchtrouten nicht über Rumänien. Natürlich wollen auch viele dorthin, wo es bereits eine Gemeinschaft gibt, die aus demselben Land kommt. So wie es in Spanien und Italien bereits eine feste rumänische Gemeinschaft gibt. Flüchtlinge sind verzweifelt, aber nicht dumm.
Wir schlussfolgern: Was für einen Sinn macht es ein armes Land auszusuchen, mit einer geringeren Kultur, verschlossen und leicht xenophob, zu Bedingungen, zu denen nicht viele Menschen bereit sind, dort hin zu gehen, wo das Leben statistisch gesehen schwieriger ist als sagen wir in Deutschland? Um einen Vergleich zu machen: Wissen sie wie viele Rumänen zu Zeiten des Kommunismus nach Griechenland oder die Türkei geflohen sind?

Aber wer zahlt für die Flüchtlinge, die nach Rumänien kommen? Ruhig bleiben. Regen sie sich nicht zu schnell auf, es gibt eine internationale Verpflichtung, dass alle Staaten zahlen. Ein belgisches, helles Leffe-Bier ist in Bukarest teurer als das Geld, das an einem Tag für eine Flüchtlingsfamilie ausgegeben wird. Um es zu präzisieren: Für die Staaten, die sagten, dass sie nicht genügend Mittel für die an den Stränden Griechenlands und Italiens gelandeten Flüchtlinge haben, hat die EU-Kommission 6.000 € für jede aufgenommene Bootsbesetzung angeboten.

Was gibt es noch, was die EU für die Flüchtlinge tut? Zu wenig. In Lager stecken und drangsalieren. Die Untätigkeit der EU erklärt sich aus ihrer Konstruktion. Eine Konföderation von Nationalstaaten mit divergierenden Interessen. Das Resultat ist eine Art Blockade, bei der nichts gelöst wird. Es gibt durchaus intelligente Reaktionen, sei es aus Verzweiflung, sei es aus Scham. Deutschland, zum Beispiel, hat das Dublin-Abkommen suspendiert, bei dem der Asylantrag in dem Land gestellt werden muss, das der Flüchtling zuerst betritt. Das war eine Zeichen des guten Willens, da für alle absehbar war, dass die Griechen es nicht mehr schafften.

Gibt es eine magische Lösung? Nein. Die Krise ist so umfassend, dass vorab die Leben gerettet werden müssen. Der Rest ist Sache der Politik. Die strukturellen Probleme der EU sind zum zweiten Mal in diesem Sommer nach den Ereignissen in Griechenland sichtbar geworden.

Warum nehmen sie nicht die islamischen Länder? Das ist eine Frage, die ich am häufigsten dieser Tage gehört habe. Die Antwort ist, dass sie sehr wohl die Flüchtlinge aufnehmen, aber es sind einfach zu viele. Im Libanon zum Beispiel ist gegenwärtig jede 6. Person ein Flüchtling. Verglichen damit hat Europa mit bisher 300.000 Menschen recht wenige aufgenommen. Anders gesagt, Europa jammert mehr als die Tatsachen hergeben. Und was soll dann Rumänien jammern?

Warum sehen wir so viele junge Männer in den Fernsehbildern? Kann es sein, dass nicht alle so ausreichend verrückt oder verzweifelt sind, dass sie die Oma im Rollstuhl auf die Reise ohne Rückkehr nehmen, wie es ein Afghane getan hat?

Aber wie ist das mit dem Terrorismus? Das Risiko gibt es und wird es geben. Eine Zusammenstellung der Agentur Reuters zeigt aber, dass die Befürchtungen über den Import von Terrorismus etwas übertrieben sind.  Im Gegenteil, wenn sich jemand über den Export von Terroristen beklagen kann, dann könnte das die syrische Regierung sein. Circa 6.000 Europäer kämpfen auf der Seite der Islamisten in Syrien und im Irak. Und noch etwas anderes: Die Terrornetzwerke haben genügend Mittel, um ihre Mitglieder nicht auf den gefährlichen Weg zu schicken, den die Menschen, die jetzt an die Türen Europas klopfen, gegangen sind.

Islamisierung? Das ist ein Scherz, der eigentlich keine Erwähnung verdient. Wir behaupten alle von uns, dass wir intelligent und rational denkend sind. Sieht sich jemand verpflichtet, sich jetzt plötzlich gen Mekka zu verneigen? Einen Schleier auf dem Kopf zu tragen? Bleiben wir doch ernst.

Warum retten wir nicht die Christen? Die Slowakei will das tun. Nur Christen akzeptieren. Auch aus Polen hört man ähnliche Geräusche. Für mich persönlich ist das eine düstere Auswahl, aber wenn auf diesem Weg auch ein paar Unglückliche gerettet werden, enthalte ich mich zusätzlicher Kommentare. Aber ich beobachte das relative Schweigen aller rumänischen Religionsgemeinschaften. Wenn nicht einmal die Rettung eines Kindes zu den klassischen Inhalten des Christentums, der Protestanten, Neo-Protestanten usw. gehört, dann weiß ich nicht, was eigentlich der Sinn des Christentums ist. Ich schäme mich an ihrer Stelle.

Rumänien ist demzufolge nicht stark betroffen. Wird das so bleiben? Wahrscheinlich nicht. Der serbische Ministerpräsident hat dieser Tag gewarnt, dass eine neue Welle kommen wird. Vielleicht hat er Recht. Wenn die bisherigen Routen blockiert werden, werden neue gesucht. Kürzlich habe ich gelesen, dass junge Syrer nach Skandinavien gekommen sind, indem sie die russische Grenze nördlich des Polarkreises überschritten haben. Wenn die Not einem bis zum Nordpol führt, dann könnte auch Rumänien das Ziel werden.
Sie werden bis hierher kommen. Dann auch ohne Schengen. Ich hoffe, dass wir tolerant und besser informiert sein werden, wenn dies geschieht. Toleranz, so wie auch Information, sind ein Zeichen der Stärke.


Informationsquelle
Mic îndreptar pentru jihadiștii prostului gust

Beliebte Beiträge

Ikonen küssen kann tödlich sein

In rumänisch-orthodoxen Kirchen sind die Heiligenbilder im Ikonenstil ein fester Bestandteil des Inventars und die Bilder von besonders wunderwirkenden Heiligen haben einen herausragenden Platz. Zu ihnen pilgern alle, die sich etwas von Ihnen erhoffen und als besondere Verbindung zwischen Gläubigen und dem/der Heiligen gilt der Kuss auf die Ikone. Viele Ikonen sind an bestimmten Stellen dadurch schon ziemlich in Mitleidenschafft gezogen.

Das Orthodox-Wiki erklärt den Brauch so:

Der Kuss
Der Kuss ist ein in der Orthodoxie tief verwurzelter Brauch. Wenn man in die Kirche geht, gibt es die Gewohnheit der orthodoxen Christen die Ikonen zu verehren oder zu küssen. Durch diese Handlung zeigt der Christ Liebe und Respekt für die Geschenke und Taten Gottes für den Menschen.

Genauso küsst der Gläubige die rechte Hand des Priesters bei bestimmten Gelegenheiten. Mit der rechten Hand gibt der Priester den Wilkommensgruß, der nicht von ihm kommt, sondern von Gott. Durch diesen Akt der Verehrung e…

Spanien muss sich seiner Geschichte stellen, dann kann auch Katalonien seinen Platz finden

Spanien hatte mal einen blutigen Diktator, der als Sieger aus dem Bürgerkrieg (1936-1939) dank der Hilfe von Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien hervorging. Francisco Franco terrorisierte das Land im Verbund mit seinen Generälen und den spanischen Faschisten mit seiner Herrschaft bis zu seinem Tod im Jahre 1975.

"Ursachen für den Ausbruch des Krieges sind in den extremen sozialpolitischen und kulturellen Verwerfungen in der spanischen Gesellschaft sowie in regionalen Autonomiebestrebungen zu finden, etwa im Baskenland und in Katalonien", ist in Wikipedia zu lesen. Vor seinem Tod setzte Franco den König wieder als Staatsoberhaupt ein. Ein König der in den faschistischen Militärakademien ausgebildet wurde. Das Volk wurde zur Wiedereinführung der Monarchie nicht befragt. Spanien gab sich dann eine Verfassung, die im Rahmen der "Transition" keinen radikalen Schnitt mit der Vergangenheit machte. Die Generäle drohten im Hintergrund, jede ihnen nicht passende…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Eine Kirche ohne Moral, die nur Macht und Geld schätzt

Die orthodoxe Kirche Rumäniens (BOR abgekürzt) hat sich nach dem Sturz Ceausescus als die Trägerin des Widerstandes gegen das kommunistische System gegeben, obwohl sie eine Nutzniesserin des Diktators war. Trotzdem wurde ihr geglaubt, dass sie gegen die gottlosen Atheisten gekämpft hat und sie hatte bisher Zustimmungsraten bezüglich des Vertrauens bei den Rumänen, die bei 90% lagen. Das hat sich in letzter Zeit geändert. Bei der letzten Umfrage im September sprachen sich nur noch 50 % der Rumänien dafür aus, dass sie das größte Vertrauen in die BOR hätten.

Das stetige Sinken der der Zustimmungsraten kam, nachdem in der Kirche Sexskandale, an denen sogar ein Bischof beteiligt war, ans Tageslicht kamen. Es gibt aber auch noch andere Gründe, die das Ansehen der Kirche immer mehr beeinträchtigen.

Dumitru Borţun, Professor an der Hochschule für Politik und Verwaltung (SNSPA) ist der Ansicht, dass die BOR vor allem ein Imageproblem hat. Die Menschen spürten immer mehr, dass die Kirche nach …