Direkt zum Hauptbereich

Flüchtling in Spanien bleiben oder doch lieber nach Deutschland weiterziehen?

Während in der großen Politik sich vor kurzem Ministerpräsident Rajoy und Bundeskanzlerin Merkel trafen und Rajoy Deutschland Spaniens Erfahrung in der Verwaltung von Flüchtlingsströmen und die Kenntnisse in der Verhinderung der Einreise von Flüchtlingen durch gelungene Kooperation mit den Transitländern anbot, sitzt zum Beispiel in Madrid ein syrischer Flüchtling und schildert in der Zeitung El Pais seine Flucht und seine Pläne:

Einer der Jugendlichen, die auf den Sofas einer Madrider Pension sitzt, ist Hakim, 24 Jahre alt. Er stand 2 Jahre vor dem Abschluss eines Zahnarzt-Studiums in Damaskus als er den Einberufungsbefehl erhielt. Da er nicht in die blutrünstige Armee des Diktators Asad eintreten wollte, desertierte er. Der nächste Schritt war seine Flucht. Alles Geld, das er hatte investierte er in eine Reise nach Marokko. Von Castillejos, einer marokkanischen Stadt in der Nähe von Tanger, schwamm er bis Ceuta. Seine Frau bezahlte 2.000 Euros, damit er versteckt in einem Auto nach Sevilla gebracht werden konnte.Danach wurde er in einem Zentrum für Flüchtlinge aufgenommen, wo er monatlich 50 Euro Taschengeld erhielt.Nach 6 Monaten musste er das Zentrum entsprechend der spanischen Gesetzgebung verlassen und stand auf der Straße. Seine Familie schickt ihm ein wenig Geld, mit dem er mehr schlecht als recht über die Runden kommt. “ich habe nichts, nicht einmal Geld zum bezahlen der Pension. Warum hilft Spanien den Flüchtlingen nicht?, fragt Hakim. Er hat klare Pläne für seine Zukunft: “Nach Deutschland, so Gott will”.

Nach Angaben von Organisationen, die mit den Flüchtlingen arbeiten, ist das spanische System der Flüchtlingsaufnahme völlig überfordert. Statt dass bei steigenden Flüchtlingszahlen und angesichts des Krieges in Syrien die Mittel aufgestockt wurden, sind sie gekürzt worden. In diesem Jahr sollen bereits 6.202 Asylanträge gestellt worden sein mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Die Flüchtlingsagentur der UNO stellt fest, dass sowohl die spanischen Hilfsprogramme als auch die Infrastruktur der Dienste keine angemessene Antwort auf die Situation geben und dass damit viele Menschen eine Risikosituation und Marginalisierung ausgesetzt werden.

Der Interesselosigkeit der Regierung wollen jetzt die beiden neuen Oberbürgermeisterinnen von Madrid, Manuela Carmena, und Barcelona, Ada Colau, ein Zeichen entgegensetzen. Sie wollen im Rahmen ihrer Möglichkeiten sowohl bei der Unterbringung der Flüchtlinge als auch ihrer materiellen Unterstützung Hilfe anbieten. Carmena bestätigte nach einem Treffen mit Colau: “Wir sind interessiert, weil wir große Städte sind, zwar unterschiedlich, aber mit einer Willkommenskultur. Wir arbeiten Pläne aus für Wohnungen und die Unterbringung für eine mögliche Quote von Flüchtlingen, die wir zur übernehmen haben.” Diese Quote müsse die Regierung den Städten mitteilen. Der Oberbürgermeister von Valencia will sich dieser Aktion auch anschließen und schlägt die Schaffung eines Netzes von “ciudades-refugio” (Zufluchts-Städte) vor. Aber erst wolle man wissen, was die Regierung vorhabe.

Die Bereitschaft zu helfen ist auch in Spanien vorhanden, nur scheint die Regierung, deren Politik bisher in erster Linie darin bestand, zu verhindern, dass Flüchtlinge nach Spanien kamen, selbst nicht zu wissen, was sie jetzt tun soll.

Informationsquelle
Madrid y Barcelona se movilizan para acoger a refugiados
España, una etapa en el camino hacia Alemania
Viaje del presidente del Gobierno a la República Federal de Alemania

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…