Montag, 10. November 2014

Gamonal, Burgos hat nichts dazu gelernt

Über die plötzlich entstandene Bürgerbewegung in Gamonal, einem Stadtteil der nordspanischen Stadt Burgos, habe ich in meinem Bericht“"Bürgerzorn entlädt sich in der kastilischen Provinz” berichtet. Berichtet habe ich auch, dass ein vorbestrafter Bauunternehmer, der in der Stadt nur “el jefe” genannt wird, die Stadtverwaltung und die lokalen Politiker bestens im Griff und zudem über eine Tageszeitung ein Medienmonopol hat. Die Bürger haben damals ihre Wut über die Baupläne der Stadt und die damit verbundene Korruption in Demonstrationen und der Bildung einer Bürgerbewegung Ausdruck gegeben.

Scheinbar hat die Stadt Burgos nichts dazu gelernt oder es ist die so beliebte Arroganz der spanischen “Kaste”, die die Stimme des Volkes eigentlich nie interessiert hat. Die Bürger sind nämlich jetzt wieder auf der Barrikade. Die Stadt hatte dem korrupten Bauunternehmer Méndez Pozo und seiner Immobiliengesellschaft die Durchführung der Renovierung der lokalen Stierkampf-Arena zugesprochen. Es geht um ein Auftragsvolumen von 6 Millionen Euro. Nach Bekanntwerden des Auftrags hat sich eine Bürgerplattform “Versammlung gegen die Spekulation” (Asamblea contra la Especulación) gebildet mit dem Ziel der Verhinderung des Neubaus der Stierkampf-Arena.

Die Bürgerbewegung baut auf dem auf, was sich nach den Protesten von Anfang des Jahres bereits an ziviler Kampfbereitschaft für Bürgerrechte entwickelt hat. Ihr Kampf geht gegen Geldverschwendung, Immobilienspekulation und dagegen, dass hier wieder einmal einem korrupten Kriminellen unter völlig irregulären Umständen öffentliche Gelder zugeschanzt werden. Das Angebot der Immobiliengesellschaft des Pozo soll das zweitteuerste von 6 gewesen sein und trotzdem wurde ihm der Bauauftrag zugesprochen. Die Stadtverantwortlichen reagieren mit dem üblichen Machtgehabe: Starke Polizeikräfte gehen gegen Demonstranten vor und viele Aktivisten/ Aktivistinnen werden verprügelt und verhaftet.

Die Bürgerbewegung will auf keinen Fall aufgeben. Sie ist inzwischen sehr gut organisiert und den Herrschenden aus der Clique der Partido Popular, der auch der Bürgermeister angehört, steht das Wasser bis zum Hals. Mit “Podemos” entwickelt sich inzwischen eine neue Partei aus den Protestformen der letzten Jahre, die auf umfassende Bürgerbeteiligung setzt und nach neuesten Umfragen in den nächsten Wahlen stärkste Partei in Spanien werden könnte. Trotzdem lernen die Konservativen nichts daraus und sie werden vermutlich das Gorbatschow-Motto “wer zu spät kommt, den bestraft das Leben” schmerzhaft erfahren müssen.

Informationsquelle
Gamonal vuelve a movilizarse por una nueva adjudicación a Méndez Pozo | Periódico Diagonal