Direkt zum Hauptbereich

Die Rache der vernichteten Amazonaswälder: Südbrasilien trocknet aus

Die Dürre im Süden Brasiliens hält weiter an. São Paulo zapft inzwischen anderen Regionen die letzten Tropfen ab. Die großen Flüsse São Francisco, Grande, Doce, Piracicaba, Mogi liefern kaum noch Wasser. Für Regen in Südbrasilien sorgen normalerweise die Urwälder des Amazonasgebietes. Diese Wälder zeigen inzwischen Zeichen eines Verlustes an Vitalität, nachdem ihnen in den letzten Jahrzehnten mit Rodungen im unglaublichem Umfang der Würgegriff angesetzt wurde. Roberto Malvezzi von der Webseite “Correio da Cidadania” fasst es kurz und bündig zusammen: “Ohne Amazonien, das für Regen sorgt, und ohne die Savanne, die unsere Wasserreserven füllt und sie verteilt ist es einfach zu verstehen, was zur Zeit in allen brasilianischen Quellgebieten passiert, die in diesem Moment trocken sind.”

Malvezzi sieht das Problem in der brasilianischen Zivilisation. Der “Brasilianer” sei die Frucht eines historischen Verwässerungsprozesses der Ethnien, die sich in der Praxis nicht gegenseitig unterstützen, weder bei nicht harmonische zusammenlebenden sozialen Klassen, noch durch einen Regionalismus, der respektiert wird, noch durch die Intellektuellen und Familien der Mittelklasse, die für einen Ausgleich sorgen müssten. Wenn die brasilianische Zivilisation noch eine Atempause bekommen möchte, dann müsse sie sofort ihr ausbeuterisches Entwicklungsmodell ändern. “Bereits jetzt haben wir keine Savanne mehr, sie wird nicht mehr zurückkommen und alle Flüsse, die von ihr abhängen sind schon davon betroffen. Es geht nicht darum den letzten Zeitpunkt zu wissen –wie das die Wissenschaftler, die die Biosphäre studieren nennen- , sondern zu wissen, dass dieser Kranke sich nie wieder erholen wird. Die Entscheidung über Amazonien muss jetzt oder nie fallen. Noch sind wir unsicher, ob die Wälder Amazoniens sich noch einmal erholen können, was bei der Savanne nicht mehr geschehen wird. Ohne Amazonien werden der Süden und Südosten weder zu der Wüste werden, die sie schon einmal waren.”

Malvezzi macht sich keine Illusionen, dass das tatsächlich passieren wird. Die kürzlichen Wahlen haben nach seiner Ansicht das “Schlechteste der brasilianischen Seele” hervorgekehrt. Diejenigen, die es am wenigsten verdienten und die glauben, dass das Land ihnen gehört, wurden gewählt. “Aber wenigstens schauen wir jetzt der Wirklichkeit ins Auge”, fügt er hinzu. Brasilien habe trotzdem, obwohl die Uhr auf 5 vor 12 steht, nichts anderes im Kopf wie schnelles Wirtschaftswachstum, den Märkten zu dienen und sicher zu stellen, dass es den Finanzspekulanten gut gehe.

Ein zu pessimistisches Szenario? Die spanische Zeitung “El Pais” schreibt in ihrer portugiesischen Ausgabe unter dem Titel “Wassermangel betrifft in São Paulo bereits mehr wie 15,6 Millionen Menschen”: “ Der Staat São Paulo steht heute unter einer apokalyptischen Bedrohung: Das Wasser geht aus. Es geht nicht um eine langfristig angelegte Prognose oder eine Kampagne zur Bewusstmachung, sondern darum dass es keinerlei Garantie mehr gibt, dass es im nächsten Monat noch möglich sein wird, die Stadt mit Wasser zu versorgen, genauso wie weitere 70 Gemeinden des Bundesstaates. Während man in der Stadt noch mit versteckter Drosselung der Wasserzufuhr arbeitet, sind die Orte im Innern bereits von der Wasserversorgung abgeschnitten.”

Jetzt braucht man Sündenböcke und gewiefte Volksverhetzer werden demnächst wohl Hochkonjunktur haben. Ein Pastor aus Bahia hat zu einer Gebetswoche für Regen für São Paulo aufgerufen. In einem Video verbreitete er seine Gebete und beschuldigt die Homosexuellen-Parade als Verursacher der Wassernot im gemessen an den Einwohnern größten Bundesstaat des Landes. Wörtlich: “Im Buch der Könige steht folgendes: Wenn die Himmel sich verschließen und es keinen Regen gibt, weil das Volk sich versündigt, dann spreche ich von der großen Homo-Parade, die in São Paulo stattfindet. Die größte Homo-Parade der Welt findet in São Paulo statt. Aber ist jeder Paulista ein Homo? Natürlich nicht! Dort gibt es Männer Frauen Gottes, die nicht die Sünde der Homosexualität praktizieren. Die Bibel sagt, dass wenn sich dieses Volk von seinen Sünden abwendet, wird Gott verzeihen und für Regen auf der Erde sorgen”.

Das ist zwar zu dämlich, um das ernst zu nehmen, aber gerade Leute mit diesen abstrusen Meinungen, haben bei den letzten Wahlen erheblich dazu gewonnen. Das lässt nichts Gutes für den sozialen Frieden in Brasilien in der nächsten Zeit erwarten, vor allem, wenn der Regen weiter ausbleibt.

Siehe auch
Die Wasser-Zocker von São Paulo

Informationsquelle
A encruzilhada da civilização brasileira
Deputado estadual da Bahia culpa Parada Gay por seca em São Paulo - Notícias - Política

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…

Der Fluch des Kolonialismus holt Brexit-Britannien ein

Nach dem britischen Staatsangehörigkeitsgesetz (British Nationality Act 1981) gibt es im Vereinigten Königreich (UK) 3 verschiedene Arten von Staatsangehörigkeit. Alle zusammen werden als "Staatsangehörige des Vereinten Königreiches und der Kolonien bezeichnet und mit "CUKCs" abgekürzt.  
Richtige britische Staatsangehörige (British citizens) mit allen Rechten sind nur diejenigen, die im Vereinigten Königreich geboren wurden oder von einer Person abstammen, die im UK geboren wurden. 
CUKCs mit einer engen Verbindung zu einer der vom UK abhängigen Territorien wurden zu einem "Staatsangehörigen der britischen abhängigen Territorien" (British Dependent Territories citizens). Sie bekamen die Abkürzung "BDTCs". 
Alle andern CUKCs wurden wurden zu "Britischen Übersee-Staatsangehörigen" (British Overseas citizens) erklärt. Diese letzte Gruppe hat weder ein atuomatisches Recht sich im UK niederzulassen noch zu arbeiten. Also bestenfalls eine Staat…