Donnerstag, 6. November 2014

Die Rache der vernichteten Amazonaswälder: Südbrasilien trocknet aus

Die Dürre im Süden Brasiliens hält weiter an. São Paulo zapft inzwischen anderen Regionen die letzten Tropfen ab. Die großen Flüsse São Francisco, Grande, Doce, Piracicaba, Mogi liefern kaum noch Wasser. Für Regen in Südbrasilien sorgen normalerweise die Urwälder des Amazonasgebietes. Diese Wälder zeigen inzwischen Zeichen eines Verlustes an Vitalität, nachdem ihnen in den letzten Jahrzehnten mit Rodungen im unglaublichem Umfang der Würgegriff angesetzt wurde. Roberto Malvezzi von der Webseite “Correio da Cidadania” fasst es kurz und bündig zusammen: “Ohne Amazonien, das für Regen sorgt, und ohne die Savanne, die unsere Wasserreserven füllt und sie verteilt ist es einfach zu verstehen, was zur Zeit in allen brasilianischen Quellgebieten passiert, die in diesem Moment trocken sind.”

Malvezzi sieht das Problem in der brasilianischen Zivilisation. Der “Brasilianer” sei die Frucht eines historischen Verwässerungsprozesses der Ethnien, die sich in der Praxis nicht gegenseitig unterstützen, weder bei nicht harmonische zusammenlebenden sozialen Klassen, noch durch einen Regionalismus, der respektiert wird, noch durch die Intellektuellen und Familien der Mittelklasse, die für einen Ausgleich sorgen müssten. Wenn die brasilianische Zivilisation noch eine Atempause bekommen möchte, dann müsse sie sofort ihr ausbeuterisches Entwicklungsmodell ändern. “Bereits jetzt haben wir keine Savanne mehr, sie wird nicht mehr zurückkommen und alle Flüsse, die von ihr abhängen sind schon davon betroffen. Es geht nicht darum den letzten Zeitpunkt zu wissen –wie das die Wissenschaftler, die die Biosphäre studieren nennen- , sondern zu wissen, dass dieser Kranke sich nie wieder erholen wird. Die Entscheidung über Amazonien muss jetzt oder nie fallen. Noch sind wir unsicher, ob die Wälder Amazoniens sich noch einmal erholen können, was bei der Savanne nicht mehr geschehen wird. Ohne Amazonien werden der Süden und Südosten weder zu der Wüste werden, die sie schon einmal waren.”

Malvezzi macht sich keine Illusionen, dass das tatsächlich passieren wird. Die kürzlichen Wahlen haben nach seiner Ansicht das “Schlechteste der brasilianischen Seele” hervorgekehrt. Diejenigen, die es am wenigsten verdienten und die glauben, dass das Land ihnen gehört, wurden gewählt. “Aber wenigstens schauen wir jetzt der Wirklichkeit ins Auge”, fügt er hinzu. Brasilien habe trotzdem, obwohl die Uhr auf 5 vor 12 steht, nichts anderes im Kopf wie schnelles Wirtschaftswachstum, den Märkten zu dienen und sicher zu stellen, dass es den Finanzspekulanten gut gehe.

Ein zu pessimistisches Szenario? Die spanische Zeitung “El Pais” schreibt in ihrer portugiesischen Ausgabe unter dem Titel “Wassermangel betrifft in São Paulo bereits mehr wie 15,6 Millionen Menschen”: “ Der Staat São Paulo steht heute unter einer apokalyptischen Bedrohung: Das Wasser geht aus. Es geht nicht um eine langfristig angelegte Prognose oder eine Kampagne zur Bewusstmachung, sondern darum dass es keinerlei Garantie mehr gibt, dass es im nächsten Monat noch möglich sein wird, die Stadt mit Wasser zu versorgen, genauso wie weitere 70 Gemeinden des Bundesstaates. Während man in der Stadt noch mit versteckter Drosselung der Wasserzufuhr arbeitet, sind die Orte im Innern bereits von der Wasserversorgung abgeschnitten.”

Jetzt braucht man Sündenböcke und gewiefte Volksverhetzer werden demnächst wohl Hochkonjunktur haben. Ein Pastor aus Bahia hat zu einer Gebetswoche für Regen für São Paulo aufgerufen. In einem Video verbreitete er seine Gebete und beschuldigt die Homosexuellen-Parade als Verursacher der Wassernot im gemessen an den Einwohnern größten Bundesstaat des Landes. Wörtlich: “Im Buch der Könige steht folgendes: Wenn die Himmel sich verschließen und es keinen Regen gibt, weil das Volk sich versündigt, dann spreche ich von der großen Homo-Parade, die in São Paulo stattfindet. Die größte Homo-Parade der Welt findet in São Paulo statt. Aber ist jeder Paulista ein Homo? Natürlich nicht! Dort gibt es Männer Frauen Gottes, die nicht die Sünde der Homosexualität praktizieren. Die Bibel sagt, dass wenn sich dieses Volk von seinen Sünden abwendet, wird Gott verzeihen und für Regen auf der Erde sorgen”.

Das ist zwar zu dämlich, um das ernst zu nehmen, aber gerade Leute mit diesen abstrusen Meinungen, haben bei den letzten Wahlen erheblich dazu gewonnen. Das lässt nichts Gutes für den sozialen Frieden in Brasilien in der nächsten Zeit erwarten, vor allem, wenn der Regen weiter ausbleibt.

Siehe auch
Die Wasser-Zocker von São Paulo

Informationsquelle
A encruzilhada da civilização brasileira
Deputado estadual da Bahia culpa Parada Gay por seca em São Paulo - Notícias - Política