Freitag, 30. November 2012

Am Beispiel Brasilien: Erdöl ist Gift für das menschliche Zusammenleben

Unzählige Kriege sind im Verteilungskampf um das Öl losgetreten worden. Die Gier nach dem Treibstoff für unsere Zivilisation macht die Menschheit blind, im Kampf um die Verteilungshoheit wird das Zusammenleben innerhalb der menschlichen Gemeinschaft zerstört. Diese Erfahrung bahnt sich inzwischen auch in Brasilien an. Zwar gibt es in diesem Land auch bisher genügend Mord und Totschlag im Kampf um die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Landes, aber jetzt beginnt ein Kampf, der die Solidarität der Brasilianer untereinander einer noch stärkeren Belastungsprobe aussetzt.

Vor der Küste Brasiliens wurde eine erhebliche Menge Erdöl gefunden. Zwar in großen Tiefen, aber mit den technischen Mitteln von heute meint man diesen Schatz heben zu können. Der größte Teil der Ölfelder liegt vor der Küste des Bundesstaates Rio de Janeiro. Die Ölförderung ist noch nicht richtig angelaufen und schon beginnt in Brasilien ein heftiger Streit um die Verteilung der “royalties”, der Einkünfte aus der Förderung. Rio de Janeiro sieht sich als Förderstaat besonders benachteiligt bei der Verteilung dieser Einkünfte. Am 26. November fand eine große Demonstration mit 200.000 Teilnehmern in Rio statt. Diese Demonstration stand unter dem Thema “Veta Dilma”, womit die Staatspräsidentin Dilma Rousseff aufgefordert wurde gegen den zur Zeit im Parlament vorliegenden Gesetzesentwurf zur Verteilung der “royalties” das Veto einzulegen.

Die Emotionen schlagen derart hoch, dass auch schon eine Abtrennung Rio de Janeiro’s vom brasilianischen Bundesstaat gefordert wird. In der Zeitung “Jornal do Brasil” wurde ein offener Brief von Felipe Pena, einem Journalisten, Schriftsteller und Professor an der Bundesuniversität Fluminense veröffentlich. Hier ein paar Auszüge aus seinen Ausführungen: “Stellen sie sich einmal vor, wie es wäre, wenn man dem Bundesstaat Rio Grande do Sul die Einnahmen aus der Erdölförderung kürzen würde. Ich zweifle nicht, dass innerhalb weniger Minuten die “Gauchos” (Spitzname der Bewohner dieses Bundesstaates) eine Revolution organisieren und ihre Unabhängigkeit erklären würden. …. Wenn das in Rio Grande passieren würden, würde es Kämpfe geben. Aber leider, hier verliert nur das kleine Rio, Rio de Janeiro. Rio wurde klein gemacht in den 60er Jahren als man die Hauptstadt nach Brasilia verlegte und seitdem hat sich die Situation ständig verschlechtert. Wir haben in der Politik verloren, im Wirtschaftsbereich, bei der Sicherheit, wir verloren in jeder Beziehung. Ach ja wir gelten jetzt noch als kulturelle Hauptstadt des Landes, aber sie entziehen uns diese Erdöl-Einkünfte mit Gewalt und dabei wird immer noch in schulmeisterlicher Art von Außen in unseren Wunden gerührt. Wir brauchen gar nicht an unsere weiteren großen Probleme wie das Fehlen der Abwasseraufbereitung, an ein veraltetes Gesundheits- und völlig unzureichendes System der öffentlichen Transporte zu denken. …. Wir sollten nicht warten. Wenn Dilma kein Veto einlegt sollten wir aus dem Bundesstaat aussteigen. ……Unabhängigkeit jetzt! Wir wollen ein Rio de Janeiro außerhalb Brasiliens! …… Und wenn sie glauben, dass das alles nur ein Scherz ist, dann warten sie bis ihre Rente gekürzt wird, ihre Kinder keine Arbeit mehr haben und ihre Stadt sich in einem ständigen Ausnahmezustand befinden wird. ,,, Leider meine Freunde, das ist ein konkreter Fall von Unabhängigkeit oder Tod”.

Die sonst so lebenslustigen Cariocas werden plötzlich verbissen, wenn es ums Geld geht. Eigentlich hat die Stadt zwei Großveranstaltungen vor sich: Die Fußball-WM und die olympischen Spiele und trotzdem spitzt sich der Ärger auch im Umfeld der Großereignisse immer mehr zu. Unglückliches Rio!

Siehe auch:
Chevron sorgt für öliges Gewässer und macht Brasilianer nachdenklich
Lula dreht im Park der Wale den Ölhahn auf

Informationsquelle
Os royalties e o Rio de Janeiro fora do Brasil –Jornal do Brasil
Manifestação em defesa dos royalties do petróleo reúne 200 mil no Rio, diz PM