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Was Barcelona Stuttgart voraus hat

Morgen wird der Tunnel, in dem der Hochgeschwindigkeitszug AVE Barcelona queren wird, auf seiner letzten Stelle durchbrochen. Der Tunnel führt durch die Stadt und wird Barcelona an das französische Hochgeschwindigkeitsnetz anschließen. Er ist 5,6 km lang und hat “nur” 179,3 Millionen Euro gekostet.

Dabei war er nicht unumstritten. Er führte zum Beispiel unter Gebäuden von Weltruhm wie die Kathedrale “Sagrada Familia” durch. Es gab einigen Protest in Barcelona und auch Versuche, das Projekt über die Gerichte zu stoppen. Um so verwunderlicher das Triumphgeheul der Journalistin Cristina Buesa von der Lokalzeitung El Periódico. Ihr Bericht klingt wie vom ausführenden Unternehmen bezahlt. Sie stellt fest: “Die Katastrophen-Weissagungen der Anwohner und was noch schlimmer ist, von verantwortlichen Politikern und kirchlichen Würdenträgern wurden endgültig von der Realität widerlegt: Der Tunnel für den AVE unterhalb des Stadtteils Eixample wurde in weniger als einem Jahr gebohrt ohne das geringste Sicherheitsproblem”.

Kein einziges Gebäude sei auch nur ein einziger Millimeter abgesenkt worden. Alles sei unter vollständiger Kontrolle. Vielleicht kann man auch sagen, noch hat sich kein Loch aufgetan. Die Geschichte der Schnellbahnstrecke auf ihrer südwestlichen Zufahrt auf den Hauptbahnhof Sants war schließlich auch eine Geschichte von Pannen. Im Oktober 2007 stürzte eine Mauer beim Bau der AVE-Strecke ein. Der Zwischenfall führte zu einer erheblichen Störung des Zugverkehrs in Barcelona. In demselben Monat gab es im Stadtteil Bellvitge mehrere Absenkungen und Erdrutsche in der Baustelle, die den Bahnverkehr erneut erheblich durcheinander brachte.  Laut dem ausführenden Bauunternehmen war der Regen schuld. Dann beklagte sich eine Hauseigentümerin über Risse in ihrem an der Strecke liegenden Gebäude. Das ausführende Unternehmen stritt ab, dass das was mit der Bautätigkeit zu tun habe, erklärte sich aber bereit, die Risse zu beseitigen.

Insofern sind die Ängste von Bürgern zu verstehen. Schließlich wird unter ihren Füssen im dichtbesiedelten Stadtzentrum ein Hohlraum entstehen, der sicher nicht so risikolos ist wie unsere Journalistin das glauben machen möchte. Sie schüttelt den Kopf, dass man “bewährten Ingenieuren” das Leben so schwer gemacht habe. Sie glaubt der ausführenden Firma Adif, dass man “keinerlei Risiko” bei der Bohrung eingegangen sei. Sie schwärmt, dass es eine “absolute Kontrolle” gebe. Die Stänkerer und Kritiker würden nun gnadenlos widerlegt. Sie sollen sich schämen, wenn sie morgen beim Signal für den letzten Durchbruch, den der Minister für öffentliche Arbeiten geben werden, innerhalb des Ehrenkomitees zuschauen würden. Und sie sollten sich mal überlegen, was ihre Behinderungsversuche der öffentlichen Kasse gekostet habe.

Noch ist das Ganze ja noch nicht fertig. Die Probe aufs Exempel steht noch bevor. Manche Leser der Zeitung können sich den Jubelarien auch nicht anschließen. Ein Leser berichtet von Wassereinbrüchen im Stadtteil Carmel. Leser Santiago mahnt: “Alles benötigt seine Zeit. Wer kann uns garantieren, dass im Laufe der Jahre keine Schäden auftreten. Eine Sache sind die Tests und ein andere ist die Erprobung durch die Praxis. Alles unterliegt der Abnutzung, das kann man nicht vermeiden”.

Informationsquelle:
Al final del túnel – El Periódico

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