Sonntag, 10. Juli 2011

Rumänische Donaufischer zwischen Resignation und Galgenhumor

Dieses Jahr ist wieder einmal ein schlechtes Jahr für die Donaufischer. Da wo die Donau die Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien bildet und in der Nähe der rumänischen Stadt Giurgiu und gegenüberliegend das bulgarische Russe, leben Fischer, die der Zeitung Evenimentul Zilei erzählten, wie das bei ihnen so läuft.

Marin Gheondea, auch bekannt als “Macaroane”, ist 51 Jahre alt und  besitzt ein Boot, mit dem er seit 30 Jahren den Fischen in der Donau nachstellt. Seine Einkünfte aus dem Fischfang sind im Laufe der Jahre erheblich gesunken. Dieses Jahr ist seiner Ansicht nach das schlechteste, das er erlebt hat. Er fängt Brassen, Wels und Karpfen. 3 Kilo Brassen konnte er an diesem Tag fangen. Dafür bekommt er 3 Lei das Kilo (70 Cent). In Bukarest auf dem Markt wird derselbe Fisch für 12 Lei das Kilo verkauft. Er verkauft einen Teil, einen anderen isst er selbst. Er macht sich eine Borş (gesäuerte Fischsuppe) und eine “Plachie” (Brasse mit viel Zwiebel und Pflanzenöl im Ofen gebacken). Macaroane ist ein Nostalgiker. Er trauert den kommunistischen Zeiten des Nicolae Ceausescu nach. Damals hatte er eine Anstellung bei der Fischereigenossenschaft. Den Fang verkauften sie an die LPG. Er bekam ein Basisgehalt, 200 Liter Benzin monatlich und ein Stück Land, auf dem er Mais anbauen konnte. Dann kommt er wieder auf heute zu sprechen. Er hebt eine leere Reuse und meint, dass er, wenn er in den nächsten 2 bis 3 Tage keine Fische fange, er kein Geld mehr für Benzin haben werde. Benzin sei sehr teuer und sein Einkommen gering. Er hat Probleme mit den Augen. Er hat sich mit Regenwasser vom Dach seines Hauses das Gesicht gewaschen. Das ist mit Asbestplatten belegt. Jetzt schmerzen und tränen ihm die Augen.

Clanu’ Bilcu ist 73 Jahre alt. Vor einem halben Jahr hat er die gewerbsmäßige Fischerei aufgegeben. Er lebt in Gostinu, km 479 der Donau, in der Nähe von Giurgiu. Unter Bäumen hat er einen Unterstand, wo er über offenem Feuer seine “ciorba de peşte” (Fischsuppe) macht. Clanu verfügt noch über 4 Zähne und hat 2 Söhne, Augustin und Petre, die er Spiţă und Cotoi nennt. Er fängt immer noch nebenbei seine Fische, denn er meint, dass er die Feuchtigkeit des Flusses braucht, sonst trocknet er aus. Mit seinen 4 Zähnen ist er noch zufrieden, da die Fische ja weich zu essen seien. Er brauche keinen Zahnarzt. Seine Zähne habe er verloren als er in jungen Jahren einen Stier bändigen wollte, den er auf eine Donauinsel bringen sollte. Der hat ihn mit dem Horn erwischt und die Zähne ausgeschlagen. Dabei habe er alle ausgeschlagenen Zähne verschluckt. Er zeigt dem Journalisten eine größere Reuse. Die überwache sein Sohn Cotoiu, der ein "ceauşel" wäre. Unter “ceauşel” dürfen wir verstehen, dass er in der Ceausescu-Zeit geboren wurde.

Der uralte Bilcu rudert noch wie ein Junger. Er ist der älteste Fischer in der Region Giurgiu. Er mag die Motoren nicht, denn dann kann er das Auftauchen der Fische nicht hören. Bis vor 1 bis 2 Jahren hat er noch das Donauwasser getrunken. Das geht jetzt nicht mehr, weil auch er der Meinung ist, dass es zu sehr verschmutzt ist. Er riecht, dass das Wasser nicht mehr in Ordnung ist. In der Nacht hat er 10 Kilo Ukeleien gefangen. Die sind nicht für den Verkauf. Er filetiert, salzt sie und wickelt sie in Tücher ein. Dann legt er sie zwischen Pfirsichblätter in Kisten. Das isst er dann im Winter, wenn kein Fischfang möglich ist. Mit einer Flasche Wein dazu ist das für ihn ein Feinschmeckermahl. Sein größter Fang war ein Stör von 220 kg, den er in den Jahren 1975-76 gefangen hat. Vor vier Jahren hat er noch einen mit 82 kg gefangen. Auf die bulgarischen Nachbarn ist er nicht gut zu sprechen. Die würden eine in Rumänien verbotene Fangmethode benutzen. Damit würden sie die Hechte fangen und für die rumänischen Fischer bliebe nichts davon übrig. Bilcu hat eine Rente in Höhe von 350 Lei (ca. 90 Euro). Davon muss er monatlich 80 Lei für die Bootsmiete und 50 Lei für das Material bezahlen. Er schwärmt von Zeiten vor 15 bis 20 Jahren, wo man den Fisch noch massenweise aus dem Fluss holen konnte. Dabei zieht er eine magere Beute aus dem Fluss und meint, das reiche für eine Fischsuppe. Auf der nächstgelegenen Landstelle bereitet er sie mit Geschick zu. Mit viel Pflaumenschnaps wird sie gegessen und der Reporter wird noch jahrelang von ihrer Qualität schwärmen……

Informationsquelle:
Povestea peştelui istorisită de nea Bilcu, Spiţă şi Macaroane  - EVZ