Direkt zum Hauptbereich

Rumänische Donaufischer zwischen Resignation und Galgenhumor

Dieses Jahr ist wieder einmal ein schlechtes Jahr für die Donaufischer. Da wo die Donau die Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien bildet und in der Nähe der rumänischen Stadt Giurgiu und gegenüberliegend das bulgarische Russe, leben Fischer, die der Zeitung Evenimentul Zilei erzählten, wie das bei ihnen so läuft.

Marin Gheondea, auch bekannt als “Macaroane”, ist 51 Jahre alt und  besitzt ein Boot, mit dem er seit 30 Jahren den Fischen in der Donau nachstellt. Seine Einkünfte aus dem Fischfang sind im Laufe der Jahre erheblich gesunken. Dieses Jahr ist seiner Ansicht nach das schlechteste, das er erlebt hat. Er fängt Brassen, Wels und Karpfen. 3 Kilo Brassen konnte er an diesem Tag fangen. Dafür bekommt er 3 Lei das Kilo (70 Cent). In Bukarest auf dem Markt wird derselbe Fisch für 12 Lei das Kilo verkauft. Er verkauft einen Teil, einen anderen isst er selbst. Er macht sich eine Borş (gesäuerte Fischsuppe) und eine “Plachie” (Brasse mit viel Zwiebel und Pflanzenöl im Ofen gebacken). Macaroane ist ein Nostalgiker. Er trauert den kommunistischen Zeiten des Nicolae Ceausescu nach. Damals hatte er eine Anstellung bei der Fischereigenossenschaft. Den Fang verkauften sie an die LPG. Er bekam ein Basisgehalt, 200 Liter Benzin monatlich und ein Stück Land, auf dem er Mais anbauen konnte. Dann kommt er wieder auf heute zu sprechen. Er hebt eine leere Reuse und meint, dass er, wenn er in den nächsten 2 bis 3 Tage keine Fische fange, er kein Geld mehr für Benzin haben werde. Benzin sei sehr teuer und sein Einkommen gering. Er hat Probleme mit den Augen. Er hat sich mit Regenwasser vom Dach seines Hauses das Gesicht gewaschen. Das ist mit Asbestplatten belegt. Jetzt schmerzen und tränen ihm die Augen.

Clanu’ Bilcu ist 73 Jahre alt. Vor einem halben Jahr hat er die gewerbsmäßige Fischerei aufgegeben. Er lebt in Gostinu, km 479 der Donau, in der Nähe von Giurgiu. Unter Bäumen hat er einen Unterstand, wo er über offenem Feuer seine “ciorba de peşte” (Fischsuppe) macht. Clanu verfügt noch über 4 Zähne und hat 2 Söhne, Augustin und Petre, die er Spiţă und Cotoi nennt. Er fängt immer noch nebenbei seine Fische, denn er meint, dass er die Feuchtigkeit des Flusses braucht, sonst trocknet er aus. Mit seinen 4 Zähnen ist er noch zufrieden, da die Fische ja weich zu essen seien. Er brauche keinen Zahnarzt. Seine Zähne habe er verloren als er in jungen Jahren einen Stier bändigen wollte, den er auf eine Donauinsel bringen sollte. Der hat ihn mit dem Horn erwischt und die Zähne ausgeschlagen. Dabei habe er alle ausgeschlagenen Zähne verschluckt. Er zeigt dem Journalisten eine größere Reuse. Die überwache sein Sohn Cotoiu, der ein "ceauşel" wäre. Unter “ceauşel” dürfen wir verstehen, dass er in der Ceausescu-Zeit geboren wurde.

Der uralte Bilcu rudert noch wie ein Junger. Er ist der älteste Fischer in der Region Giurgiu. Er mag die Motoren nicht, denn dann kann er das Auftauchen der Fische nicht hören. Bis vor 1 bis 2 Jahren hat er noch das Donauwasser getrunken. Das geht jetzt nicht mehr, weil auch er der Meinung ist, dass es zu sehr verschmutzt ist. Er riecht, dass das Wasser nicht mehr in Ordnung ist. In der Nacht hat er 10 Kilo Ukeleien gefangen. Die sind nicht für den Verkauf. Er filetiert, salzt sie und wickelt sie in Tücher ein. Dann legt er sie zwischen Pfirsichblätter in Kisten. Das isst er dann im Winter, wenn kein Fischfang möglich ist. Mit einer Flasche Wein dazu ist das für ihn ein Feinschmeckermahl. Sein größter Fang war ein Stör von 220 kg, den er in den Jahren 1975-76 gefangen hat. Vor vier Jahren hat er noch einen mit 82 kg gefangen. Auf die bulgarischen Nachbarn ist er nicht gut zu sprechen. Die würden eine in Rumänien verbotene Fangmethode benutzen. Damit würden sie die Hechte fangen und für die rumänischen Fischer bliebe nichts davon übrig. Bilcu hat eine Rente in Höhe von 350 Lei (ca. 90 Euro). Davon muss er monatlich 80 Lei für die Bootsmiete und 50 Lei für das Material bezahlen. Er schwärmt von Zeiten vor 15 bis 20 Jahren, wo man den Fisch noch massenweise aus dem Fluss holen konnte. Dabei zieht er eine magere Beute aus dem Fluss und meint, das reiche für eine Fischsuppe. Auf der nächstgelegenen Landstelle bereitet er sie mit Geschick zu. Mit viel Pflaumenschnaps wird sie gegessen und der Reporter wird noch jahrelang von ihrer Qualität schwärmen……

Informationsquelle:
Povestea peştelui istorisită de nea Bilcu, Spiţă şi Macaroane  - EVZ

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Frankreich ekelt sich vor seinen Schlachthöfen und empört sich über Tierquälerei

Massentierhaltung in Frankreich: 83% der Hühner werden in geschlossenen Ställen aufgezogen, 68% der Hennen und 99% der Kaninchen werden in Käfigen gehalten. 95% der Schweine fristen ihr kurzes Leben in geschlossenen Ställen auf Gitterrosten. Die Tiere werden nur als Handelsware gesehen, man verstümmelt sie (Kastration ohne Betäubung, Abschneiden der Schwänze oder der Schnäbel). Ihre Sterblichkeitsrate ist sehr groß, zum Beispiel sterben 20% der Schweine vor ihrer Schlachtung.

Industrielle Massentierhaltung wie in Deutschland auch. Das Tier wird nicht als Lebewesen gesehen, sondern nur als Handelsprodukt. Während in Deutschland die Konsumenten seit einiger Zeit ins Grübeln geraten sind und sich eine Bewegung gegen Massentierhaltung gebildet hat, hat man in Frankreich, das wir als Schlemmerland kennen, bisher beide Augen zugedrückt beziehungsweise die Verbraucher wollten nicht so genau wissen wie das Fleisch auf ihrem Teller gelandet ist. Zwar hat sich seit einiger Zeit ein…

Frankreich erfindet den Zahnarzt–Aldi

Die Großzügigkeit der französischen Krankenkassen bei Erstattung von Zahnarztkosten hält sich in Grenzen. In der Regel können Versicherte mit etwa 70% erstatteter Kosten rechnen, d.h. 30% muss selbst getragen werden. Die Zahnärzte sind jedoch oft mit den Tarif-Honoraren nicht zufrieden. Sie verlangen Aufschläge, die ebenfalls an den Versicherten hängen bleiben. Gerade dieser Aufschlag scheint in letzter Zeit bei den Zahnärzten in Frankreich sehr beliebt geworden zu sein. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Franzosen mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen, verursacht der Gang zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen den Betroffenen zusätzlich noch Bauchschmerzen wegen der finanziellen Belastung.

Frankreich hat zwar den Lebensmittel-Discounter nicht erfunden, darin sind die Deutschen wohl Weltmeister, aber in anderen Bereichen haben die Franzosen durchaus den Ehrgeiz zur durchgreifenden Rationalisierung, um die Preise zu senken. Besonders offensichtlich ist das…

Der Generalkonsul mit Nazi-Vergangenheit, dessen Sohn mit internationalem Haftbefehl gesucht wird

Hans Hoffmann, mit Spitznamen “Juanito” oder “Don Juan”, war Generalkonsul in Málaga. Kein echter Berufskonsul, sondern ehrenhalber. Nicht nur Honorarkonsul, sondern Honorargeneralkonsul, wobei er gegen schwere Bedenken des Auswärtigen Amtes darauf bestand nur “Generalkonsul” genannt zu werden. Ganz früher war er zur Nazizeit an der deutschen Botschaft in Madrid tätig. Er kannte sich bestens im Land des Diktators Franco aus und war mit einigen Größen des Francoregimes befreundet. Spanische Medien haben inzwischen herausgefunden, dass Hoffmann an der Botschaft als Gestapo-Agent tätig war. Er soll auch bei Treffen zwischen Hitler und Franco gedolmetscht haben.Er ist 1998 gestorben.

Nach dem Krieg zog er an die Costa del Sol, wo er deutschen Nazis als Fluchthelfer gedient haben soll. In den 50er Jahren machte er die Bekanntschaft von Franz-Josef Strauß, der in Deutschland eine steile Politikerkarriere hinlegte. Strauß sorgte dafür, dass Hofmann sogenannter Wahlkonsul in Algec…