Samstag, 23. Juli 2011

USE–es ist Zeit für die Briten sich abzusetzen

Iain Martin von der Online Ausgabe der britischen Zeitung Daily Mail kreiert eine neue Abkürzung. USE, das sind für ihn die “United States of Eurozone”, die “Vereinigten Staaten der Eurozone”. Der neueste Griechenland-Pakt der EU hat ihn in höllische Aufregung versetzt. Zwar anerkennt er, dass die Griechenlandunterstützung dringend erforderlich war, da sonst eine gewaltige Rezession in den EU-Ländern zu befürchten gewesen wäre, aber so wie es nun ablief vermutet er deutsch-französischen Unrat.

Für ihn ist es klar, dass jetzt die Länder der Eurozone politisch mehr zusammenrücken werden. Für Mr. Martin bedeutet das, dass Deutschland und Frankreich nun den andern Ländern ihre Wirtschaftspolitik aufdrücken werden im Ausgleich dafür, dass sie die ärmeren Staaten Südeuropas unterstützen. Dafür müssten diese dann nach deutschen Regeln leben, mit harten Einschränkungen bei den Ausgaben. “Das ist eine Wende von historischer Bedeutung, dies ist der Weg, den die beiden mächtigsten Führer in Europa, Nicolas Sarkozy und Angela Merkel, gewählt haben. Die Deutschen zahlen den Musiker, dafür müssen die andern dann nach deren Melodie tanzen”, ist seine Ansicht. Wundert es noch, wenn im “The Telegraph” ein anderer Kämpe für Britanniens alte Größe titelt: “Die Eurokrise wird Deutschland das Reich geben, von dem es immer geträumt hat”.

Also Schreck lass nach, die Briten sind wieder einmal auf dem Weg zu imperialer Größe nicht dabei. Daraus zieht Mr. Martin nun denn Schluss, dass Großbritannien einen Weg aus der Europäischen Union suchen sollte. Diese Gelegenheit ist für ihn fast ein Ereignis wie die Sonnenfinsternis, man hat diese Chance nur einmal in einer Generation. Großbritannien kann endlich Souveränitätsrechte von der EU zurückholen, wenn die eigenen Minister nicht zu sehr die Weicheier spielen. Der ganze Brüsseler Regulationskram kann man mit einem Schlag los werden. Die Wiederherstellung der vollen Kontrolle über die eigenen Grenzen ist eine Pflicht.

Das Zauberwort heißt “renegotiation”, die “Wiederverhandlung” der Verträge mit der EU. Angeblich spekulieren auch Tory-Hinterbänkler mit diesem großartigen Gedanken. Diese meinen, dass es eine günstige Gelegenheit wäre, abgegebene Rechte von der EU zurückzuholen. Dass die Regierung scheinbar nicht solchen Träumen nachhängt und der Schatzkanzler George Osborne sogar dafür ist, dass sein Land sich noch mehr in die EU integrieren sollte, treibt Mr. Martin den Schaum vor dem Mund. Die “Tories”, da ist er sich sicher, würden gerne wieder nur für sich selber zuständig sein, aber der Koalitionspartner “LibDem”, diese fanatischen Pro-Europäer, wehren sich mit Händen und Füßen dagegen.

Der ganze Abhörskandal bei der Murdoch-Presse und die Verwicklungen in der britischen Politik ist für Mr. Martin ein Ablenkungsmanöver. Seine klare Schlussfolgerung: “Diese Gelegenheit verlangt nach einer kühlen, visionären Antwort wert eines Churchill oder einer Thatcher. Aber man sieht nicht, dass unsere Führer diese Gelegenheit ergreifen – gefesselt durch die Koalition und beschäftigt mit der Abhöraffäre und der Maßregelung der freien Presse.”

Ein Teil der Briten und vor allem die Journalisten der Tabloid-Meute möchte zurück zu ihrem Empire. Damals hatten sie genüsslich mehrere Jahrhunderte anderen Ländern ihre Souveränität gestohlen, sie versklavt und ausgebeutet und alle mussten nach ihrer Musik tanzen. Damals war die Welt für sie noch einfach und man brauchte sich bisher auch nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, was man damals getan hat. Es wäre gut, wenn dieser Teil der Briten einmal über ihre Geschichte nachdenken würden, begreifen, dass alles vorbei ist und die alte Herrlichkeit nicht mehr zurückkommen wird. Das wäre ein guter Start für eine neue Einstellung, die vielleicht dazu führt, dass man in der EU nicht nur einen Selbstbedienungsladen sieht, sondern ein Projekt, bei dem man aktiv mitmachen kann. Aber eben nur als einer unter vielen.

Informationsquelle:
Britain has a once-in-a-generation chance to break free from Europe – Mail Online