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Abitur-Desaster in Rumänien

Seit Tagen berichten die rumänischen Medien über den Ablauf des “Bac”, das unserem Abitur entspricht. Das Abitur ist in Rumänien zentralisiert, alle Abiturienten schreiben die gleichen Arbeiten, zum gleichen Zeitpunkt und haben denselben Prüfungsstoff. Für das BAC 2011 wurden 2.600 Polizisten eingesetzt, die an den Gymnasien, wo die Prüfungsarbeiten abgelegt wurden, für Ruhe und Ordnung sorgten. Scharfe Maßnahmen gab es zur Verhinderung von Betrügereien, teilweise wurden in den Prüfungsräumen Videokameras eingesetzt.

Jetzt ist alles vorbei und Rumänien guckt fassungslos auf seine Abiturienten. In manchen Kreisen sind 60% der Schüler durchgefallen! Schlimm ist, dass diese Entwicklung seit Jahren nach unten geht. Auch diesmal heißt es wieder: Es war das schlechteste Abitur der Geschichte! In zwei Schulen in Bukarest hat kein einziger Schüler die Abiturprüfungen bestanden. “Der Gipfel der Schande”, titeln die rumänischen Medien, die jetzt eine Rumänien-Karte veröffentlichen, wo große Teile Rumäniens rot gefärbt sind. Das heißt, dass in diesen Regionen weniger als 50% das Abitur geschafft haben.

Was ist der Grund dafür, fragen sich ratlos Eltern, Medien und Politiker. Letztere stehen jetzt als die Hauptschuldigen am Pranger. Rumänien hat seit 1990 vierzehn Erziehungsminister erlebt. Nach Meinung der rumänischen Bevölkerung haben diese weitgehend versagt. Der derzeitige Erziehungsminister, Daniel Funeriu, hatte die schwere Aufgabe jetzt zu dem Desaster Stellung zu nehmen. In einer Presseerklärung sagt er dazu: “Die Prüfungsresultate zeigen uns, dass Rumänien an einer Weggabelung steht. Wir müssen uns jetzt entscheiden, ob wir auf die Seite der Ehrlichen gehen oder uns weiterhin für die Gaunereien und Betrügereien entscheiden. Als Erziehungsminister habe ich mich entschieden, dass ich bei denen bin, die Rumänien ändern wollen, die ein Rumänien mit hocherhobenem Kopf haben wollen und nicht ein Rumänien der Mutlosen.”

Der Hintergrund ist also das landestypische “es auf ungeraden Wegen schaffen”, d.h. abschreiben, betrügen, bestechen? Weil erstmals so scharfe Kontrollen gefasst haben, ist auch gleich der überwiegende Teil durchgefallen?

Der auf rumänische Erziehungs- und Bildungspolitik spezialisierte Journalist der Zeitung “Adevarul”, Eugen Chelemen, erklärt das Desaster wie folgt: “Als Journalist, der sich jahrelang mit dem Bereich der Erziehung befasst hat, habe ich des Öfteren von den massiven Betrügereien in den Gymnasien berichtet.  Ich habe journalistische Beweise gegen diejenigen gehabt. die es zugelassen haben, dass rekordverdächtig abgeschrieben wurde. In diesem Jahr hat das Erziehungsministerium entschieden, dass die Regeln für die Organisation der Prüfungen verschärft wurden und dadurch hat sich die Zahl derjenigen, die die Prüfungen bestanden haben gegenüber dem Vorjahr fast halbiert. Dieses Abitur ist dasjenige mit den schlechtesten Resultaten der Geschichte! Die Generation der Drogenkonsumenten, die Generation “cool”, die Generation der Impertinenz zeigt ihren Wert. Die Zukunft Rumäniens hängt davon ab, dass ein paar erfolglose Versager das Abitur bestehen. Wie sollen diese jene Mediziner, Ingenieure, Wirtschaftsfachleute werden, die wir suchen, damit sie unser Land aus der Armut holen? Es reicht nicht, dass wir von mal zu mal ärmer werden, jetzt werden wir auch von mal zu mal dümmer. Statt dass der junge Erziehungsminister sich jetzt in Wahlkampfparolen verausgabt, sollte er ich einmal fragen, ob es noch jemanden gibt, von dem diese Kinder lernen können. Die guten Lehrer fliehen von den Schulen wie der Teufel vor dem Weihwasser, weil sie im privaten Bereich nach ihrem Wert bezahlt werden. Die Haushaltsmittel für den Lehrkörper sind in den letzten Jahren so drastisch zusammengestrichen worden, dass die Kinder jetzt nur noch von Leuten unterrichtet werden, die das Abitur selbst nicht geschafft haben. Die Investition in Erziehung und Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Alle Politiker reden davon, aber bisher waren es alles leere Worte. Leider steht uns wegen der Unterfinanzierung des Erziehungswesens eine düstere Zukunft bevor.”

Informationsquelle:
Bacalaureat 2011: Sinistrul din spatele dezastrului – Adevarul
Webseite Bacalaureat 2011

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