Direkt zum Hauptbereich

Wie Barcelona dem Erstickungstod entgehen will

Ein metereologisches Hoch schenkt Barcelona in diesen Tagen neben schönem Wetter auch eine Luftverschmutzung in Rekordhöhe. Alle Werte liegen zur Zeit weit über den von der EU vorgegebenen Grenzwerten. Das Hoch wird sicher auch wieder mal verschwinden, doch das grundsätzliche Problem bleibt. Barcelona ist eine hochgradig luftverschmutzte Stadt. Und die Experten sind der Ansicht, dass die lokale Verwaltung unfähig für eine grundlegende Änderung in der Politik zur Reinhaltung der Luft ist. Bestes Beispiel ist die Rücknahme der Geschwindigkeitsbeschränkung von 80 h/km auf allen innerstädtischen Schnellstrassen des Großraums Barcelona. Die neue Landesregierung hat der Autofahrerlobby dieses populistische Geschenk  zu Lasten der Umwelt gemacht. Schliesslich hatte man im Wahlkampf vollmundig gegen die von der Vorgängerregierung eingeführte Regelung gewettert. Und dies, obwohl die Landesregierung (Generalitat) wissenschaftliche Berichte vorliegen, dass die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu einer spürbaren Verbesserung der Luftqualität in der Stadt geführt hatten.

Der Normalbürger, der dafür mit Atemwegserkrankungen die Krankenhäuser füllt, hat diese Lobby nicht. Die neue Regierung setzt in ihrer "Weitschtigkeit" noch eins drauf: Der Direktor des katalanischen metereologischen Dienstes wurde entlassen, weil er mit der Aufhebung der Geschwindigkeitsbeschränkung nicht einverstanden war und dies auch öffentlich kundgetan hat.

Diese Kopflosigkeit angesichts der Herausforderungen entsetzt die Fachleute. Nach Ansicht von Professor José María Baldasano von der polytechnischen Universität Kataloniens wird das Fehlen einer energischen Antwort durch die Regierung dazu führen, dass die Politik in nicht allzu weiter Zukunft zu noch viel drastischeren Massnahmen werde greifen müssen als eine einfache Reduzierung der Geschwindigkeit. In den europäischen Kapitalen wie Berlin, London und Stockholm gäbe es bereits Zonen, wo die Durchfahrt für Fahrzeuge verboten sei. Bald müsse sich Barcelona für ähnliche Massnahmen entscheiden."

Die Stadtverwaltung von Barcelona bereitet nun einen ganz neuen Plan vor, mit dem sie für bessere Luft sorgen will. Er nennt sich Plan für Energie, Klimawechsel und Luftqualität 2011-2020 (Plan de Energía, Cambio Climático y Calidad Ambiental 2011-2020). Die neuen Massnahmen sehen wie folgt aus: Es sollen mehr Taxi-Standplätze geschaffen werden, damit die Taxis nicht immer leer auf der Suche nach freien Plätzen in der Stadt herumirren. Im Hafen soll die Schadstoff-Emissionen der Schiffe gesenkt werden. Diese liegen nämlich im Hafen und betreiben während der Liegezeit Generatoren zur Stromerzeugung mit ihrem dreckigen Dieselöl. Fahrzeuge, die Waren in die Stadt bringen, sollen nur noch Elektrofahrzeuge sein.

Kein Wort zur Einschränkung des Strassenverkehrs, des mit Abstand größten Luftverschmutzers. Kein Wort zum innerstädtischen Müllverbrennungsungeheuer am nördlichen Stadtstrand. Diese Müllverbrennungsfabrik ist für das Stadtbild genauso dominierend wie die Katedrale "Sagrada Familia". Und weil das so praktisch ist und man den Müll nicht in Griff bekommt, plant man eine neue Müllverbrennungsanlage im Süden der Stadt, wobei man sich für eine Billigversion entschieden hat. Greenpeace und die spanische Umweltbewegung haben mehrfach auf die hohe toxische Emmission der derzeitigen Anlage hingewiesen.

Ob so Zukunft nachhaltig gestaltet wird?

Siehe auch:
Dicke Luft in Madrid und Barcelona
"Maldita Diagonal!" oder wie macht man Barcelona lebenswerter
Geschwindigkeitsbeschränkung halbiert Zahl der Todesfälle in Barcelona

Contaminación sin freno · ELPAÍS.com

Beliebte Beiträge

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…

WM 2014 im brasilianischen Hinterland: Der Spaß ist vorbei, der Ärger bleibt

Die FIFA WM 2014 ist Sportgeschichte. Was bleibt sind die Trümmer in finanzieller und tatsächlicher Art. Im Februar 2014 hatte ich einen Beitrag über den WM-Ort Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas, geschrieben. Unter anderem habe ich dazu ausgeführt:
Für die 4 Spiele wurde ein neues Stadion gebaut, die Arena Amazonia. Ein bereits existierendes älteres Stadion wurde abgerissen, weil es den Anforderungen der FIFA nicht genügte. Den brasilianischen Staat kostete das 600 Millionen Real (etwa 187 Millionen Euro) und keiner weiß, was man nach den 4 Spielen mit dem Stadion anfangen soll. In diesem Zusammenhang wurde auch der Flughafen ausgebaut, für den eine große unter Naturschutz stehende Fläche entwaldet und ein Fluss unterirdisch verlegt wurde.  Für den Bau des Stadions starben 4 Bauarbeiter. Gegen das ausführende Bauunternehmen läuft seit einiger Zeit ein Schadensersatzprozess. 

Die Sportausgabe der Zeitung “O Estado de São Paulo” (Estadão) hat s…

Wie weit darf Orban in der Flüchtlingspolitik noch gehen?

Der Pester LLoyd berichtet unter dem Titel “Konzentrationslager in der EU: Ungarn will alle Flüchtlinge internieren”:
Orbáns Kabinettschef János Lázár verkündete die automatische Internierung aller Asylsuchenden und "Eindringlinge" in Lager am Donnerstag auf der ersten Regierungspressekonferenz des Jahres. Sein Chef, der Premier, verteidigte zur gleichen Zeit einige Hundert neue "Grenzjäger" und erklärte wiederum sämtliche Flüchtlinge als Gewaltverbrecher und Terroristen. Die KZ´s kehren in die EU ein. Wird diese etwas dagegen unternehmen?

Ungarn ist EU-Mitglied und Mitglied des Europarats. Es hat sich in der Europäischen Menschenrechtscharta verpflichtet, die Menschenrechte zu respektieren. Diese werden von der Rechtsregierung in Ungarn schon länger mit den Füßen getreten, allerdings immer hart an der Linie, bei der die Zauderer in der EU meinen, dass es schon nicht so schlimm kommen werde. Und das obwohl die ungarische Regierung inzwischen schon all…