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Kirchenfürsten nehmen Beispiel an des Diktators Größenwahn

Vor einigen Tagen haben im Bukarest die Arbeiten für die Errichtung der größten orthodoxen Kirche in Rumänien begonnen. Sie wird den Namen "Catedrala Mântuirii Neamului" (Kathedrale der Vergebung der Nation) tragen und wird im Garten des Parlamentspalastes stehen. Der Parlamentspalast ist der neue Name für Nicolae Ceausescu's gigantomanisches Werk des "Palastes des Volkes". Die Kathedrale soll hinter dem Größenwahn des Diktators nicht zurückstehen.

Sie wird so groß sein, dass sie auf einer Seite den Palast des Parlaments verdecken wird. Mit ihren Dimensionen wird sie das Gesamtbild des Parlamentspalastes nachhaltig verändern. Sie wird im byzantinischen Stil gebaut mit einer Höhe von 100 Metern und einer Raumkapazität für 5.000 Gläubige. Sie soll ein Erdbeben von 8 Grad auf der Richter-Skala überstehen können und für mindesens 1.000 Jahre haltbar sein. Die Kathedrale wird 14 Aufzüge haben und 700 Parkplätze. Jeweils links und rechts der Kathedrale wird es Gebäude geben, die jeweils klerikale Gläubige und auf der anderen Seite für die Laien aus aller Welt vorgesehen sind. Ein weiteres Gebäude soll als sozial-medizinisches Gebäude für kranke Pilger und für Alte dienen. Es ist das größte Bauprojekt in Rumänien seit 1990.

Das Ganze wird ungefähr 200 Millionen Euro Kosten. Die rumänische Regierung wird 10 Millionen dazu beitragen. Papst Johannes Paul II soll im Namen der katholischen Gläubigen für den Bau eine Spende von 100.000 Euro locker gemacht haben. Der Rest soll mit Hilfe eines Bankkredites finanziert werden. Die Bauarbeiten werden ungefähr 4 Jahre dauern.

Ein Unwohlsein beschleicht manch einen in Rumänien, wenn die Popen des Landes mit einem solchen Projekt den Anschein eines bereits vergangen geglaubten Größenwahnes erwecken. Wer wird denn den Bankkredit letztendlich bezahlen? Die Gläubigen oder der Steuerzahler? Und das in einem Land, in dem es zwar 18.700 Kirchen gibt, aber nur 4.700 Grundschulen.

Aus diesem Grund gibt es eine Kampagne gegen eine Beteiligung des Staates am Kathedralenbau. Sie wird organisiert von der "Säkular-humanistischen Vereinigung Rumäniens" (Asociaţia Secular-Umanistă din România (ASUR)) unter der Devise "Stoppt den Kathedralenbau". In einer Presseerklärung erläutert sie ihren Widerstand: "Unter anderem kritisieren wir das Problem des Baus einer exzessiven Anzahl von neuen Krichen, oft bezahlt aus dem Staatsbudget oder dem von Gemeinden. Das Problem wird noch mehr zugespitzt, wenn es um ein ein Projekt pharaonischen Ausmaßes wie die Kathedrale in Bukarest handelt, die man mit Steuergeldern finanzieren will."

Für die orthodoxe Kirche ist sie "ein Geschenk für die Ewigkeit" an die Gläubigen.

Siehe auch:
Wer baut heute noch Kathedralen?

Informationsquelle:
Adevarul Catedrala Mântuirii Neamului va schimba definitiv aspectul centrului Bucureştiului. În bine sau nu ?

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