Sonntag, 27. Februar 2011

Wie evakuiert man seine Staatsangehörigen aus Libyen?

Vor der libyschen Küste sammeln sich Schiffe der Marine aller europäischen Länder. Militärische Transportflugzeuge stehen bereit. Sie sollen die vielen Staatsangehörigen, die in der libyschen Erdölindustrie beschäftigt sind, in Sicherheit bringen. Aber wie macht man das, denn Libyen ist ja immer noch ein souveränes Land?

Großbritannien macht es auf jeden Fall so: Die BBC berichtet, dass die RAF am Samstag Evakuierungsflüge in Gebiete gemacht habe, die als "relativ sicher" gelten, weil die Landepisten von einer Miliz und den Sicherheitskräften von Ölgesellschaften gesichert würden. Unter diesen Umständen haben zwei Transportflugzeuge des Typs Hercules 150 britische Staatsangehörige evakuiert. Die Fregatte HMS Cumberland der Royal Navy steuert zur Zeit Bengasi an, um dort Evakuierungen vorzunehmen. Das britische Außenministerium (Foreign Office) teilt dazu mit: "Die HMS Cumberland wird am Sonntag 27. Feburar in Bengasi anlegen, um die zurückgebliebenen Staatsangehörigen abzuholen. Diejenigen Staatsangehörigen, die ausreisen möchten, mögen bitte das Foreign Office anrufen." In Tripoli verlässt sich das Foreign Office auf die Ungarn: "Ungarn hat eine Charter-Flug vom Internationalen Flughafen in Tripolis für Sonntagmorgen, 27. Februar, organisiert. Es können auch britische Staatsangehörige an diesem Evakuierungsflug teilnehmen. Wenn sie diese Möglichkeit nutzen wollen, dann kommen sie bitte um 09:30 Uhr zum letzten Polizei-Chekpoint, der die Straße zum internationalen Flughafen Tripolis blockiert. Halten sie Ausschau nach einem Minibus mit eine Europaflagge und kontaktieren sie die ungarischen Offiziellen." Auch Rumänien gibt laut Verlautbarung des Foreign Office heute noch einigen Briten eine Chance zum Ausfliegen: "Die rumänische Regierung schickt für heute Nachmittag ein Flugzeug. Darin wird noch Platz für ungefähr 40 EU-Bürger sein".

Wenn man es nicht zum Flughafen oder in den Hafen schafft, was dann? Es bleibt der Landweg. Dazu gibt das Foreign Office folgende Auskunft: "Die Straße nach Tunesien ist zur Zeit offen. Britische Botschaftsangehörige befinden sich an der tunesischen Grenze, um britischen Staatsangehörigen, die auf diesem Weg ankommen, zu helfen. Wir haben Berichte über gewalttätige Zwischenfälle entlang dieser Strecke. Sie sollten deshalb diese Option nur mit größter Vorsicht nutzen und nur am Tage."

Rumänien ist bereits am Samstag mit einer Militärmaschine Hercules C 130 in Tripolis gelandet und konnte laut Auskunft des rumänischen Konsuls 41 Rumänen, 20 Bulgaren, 3 Slowenen und 3 Serben auf diese Weise evakuieren. Eine weitere Maschine des Typs C-27 J SPARTAN steht in Malta und wartet auf weitere Weisungen des rumänischen Verteidigungsministeriums. Man grübelt zur Zeit noch darüber, wie man 186 rumänische Staatsangehörige von den Ölfeldern von Ghademesch, Sarir Wellfield und Sarir Plant evakuiert. Auf jeden Fall ist das rumänische Außenministerium (MAE) aktiv: "Auf Grund der beim ohne Unterbrechung arbeitenden Krisenzentrum eingegangen Mitteilungen und Informationen werden in Realzeit Lösungen für Evakuierungen auf dem Landweg ausgearbeitet. Wir werden die Informationen in dem Moment öffentlich machen, in dem die Evakuierung der rumänischen Staatsangehörigen aus den Konfliktzonen nicht mehr in Gefahr ist."

Die Liste der evakuierenden Länder liess sich beliebig fortsetzen. Erstaunlich wieviele ausländische Staatsangehörige in diesem Land leben, das jetzt vor einem revolutionären Umbruch steht.

BBC News - Libya rescue: UK forces to continue mission
Adevarul - MAE: 41 de români evacuaţi din Libia. Se depun eforturi pentru aducerea în ţară a încă 44 de români aflaţi la Benghazi