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Spanien erinnert sich an den 23-F

Gedenktage in Spanien werden auf den Tag und den ersten Buchstaben des Monats abgekürzt. Das Jahr braucht man nicht zu erwähnen, denn auch so wissen die meisten, um welchen Gedenktag es geht.

"Ich war damals 7 Jahre alt und ich habe nicht verstanden, warum plötzlich meine Freunde nicht nach Hause kamen, warum es so lange Gesichter gab und das Telefon ohne Unterlass läutete. Kein Mensch war auf der Straße zu sehen und das einzige, was ich kapiert habe, war, dass ich heute nicht im Mittelpunkt stand". Dies berichtet ein Leser der Zeitung La Vanguardia, die ihre Leser aufgerufen hatte, zu beschreiben, wie sie den 23. Februar 1981 erlebt haben.

Der 23. Februar vor 30 Jahren, das war noch einmal ein Schrecksekunde für die langsam in Gang gesetzte Demokratisierung Spaniens. An diesem Tag überfiel eine Gruppe der paramilitärischen Guardia Civil das spanische Parlament angeführt von Oberst Tejero. Zu diesem Zeitpunkt fand die Wahl von Calvo-Sotelo zum Ministerpräsidenten statt. Die Aktion nannte sich "Operation Galaxia" und sollte per Putsch das Militär wieder zurück an die Macht bringen. "Alles auf den Boden" brüllte Tejero. Die Abgeordneten befolgten den Befehl nur der General Guitérrez Mellado und der bisherige Ministerpräsident Adolfo Suárez blieben stehen. Es war 18:25 Uhr am späten Nachmittag, Spanien hielt den Atem an. Nie war das Radio beliebter als in dieser Nacht. Die Nacht der Ungewissheit, ob den Spaniern eine neue Diktatur drohte. Erst am Morgen erschien der König im Fernsehen und erklärte, dass er den Putsch ablehne.

Damit brach dieser in sich zusammen, denn auf "König und Vaterland" wollten sich die Putschisten berufen. Der Hauptdrahtzieher der Aktion war der General Jaime Milans del Bosch. Nach jetzt freigegebenen Unterlagen schickte König Juan Carlos dem General in dieser Nacht ein Telex, in dem er diesem befahl, die Panzer aus Valencia abzuziehen und sich zu ergeben. Dieses Telex wurde einen Monat nach dem Ereignis vom damaligen Verteidigungsminister in einer geheimen Sitzung des Parlamentes vorgelesen und danach als Geheimdokument in den Archiven abgelegt. Im Telex warnte der König Milans vor den Konsequenzen seiner Tat und gab zwischen den Zeilen zu erkennen, dass er einen Bürgerkrieg wie 1936 befürchte. Er schrieb: "Ich schwöre, dass ich nicht auf die Krone verzichten, noch Spanien verlassen werde. Wer micht absetzen will, ist bereit, einen Bürgerkrieg zu provozieren und er wird dafür auch verantwortlich sein". Milans del Bosch bekam die Mitteilung kurz nach der Fernsehansprache des Königs zu Gesicht. Er musste zu seiner Überraschung feststellen, dass der König im Fernsehen dasselbe sagte, was er ihm auch per Telex mitteilte. In diesem erhielt er auch den Befehl: "Ich befehle dir, dass du Tejero aufforderst, dass er mit der Aktion aufhört. Zuerst Spanien, und dann die Krone".

Der dickliche Mann mit dem Schnäuzer, Antonio Tejero, hatte durch die mutige Reaktion des Königs ins Leere gegriffen. Gegen ihn und seine Mittäter Milans del Bosch und  Alfonso Armada wurde umgehend ein Strafverfahren eingeleitet und sie wurden zu jeweils 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Armada wurde auf Grund seines Alters auf Betreiben des Militärs 1988 begnadigt. Tejero wechselte 1993 in den erleichterten Vollzug ebenso wie Milans del Bosch im Jahr 1990, der 1997 gestorben ist, ohne seinen Umsturzversuch zu bereuen. Die Haftstrafe für Tejero wurde 1996 auf Bewährung ausgesetzt.

Der Revolverheld Tejero geniesst heute sein Leben an der Costa del Sol. Er soll nichts bereut haben, hält sich aber mit öffentlichen Erklärungen zurück. Im Gefängnis soll er das Malen als Hobby entdeckt haben.

Informationsquelle:
El Mundo, Tejero, 25 años después
El Periódico, El Congreso desclasifica nueva documentación inédita del 23-F
La Vanguardia ¿Qué hacías tú el día del intento de Golpe de Estado del 23-F?

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