Dienstag, 8. Juni 2010

Valencia's Hassliebe zu den Paisos Catalans

Spanien und seine Sprachen. Das, was bei uns spanisch heisst, ist in Spanien das "castellano", die kastilische Sprache. Daneben gibt es auch baskisch, galizisch und katalanisch. Wobei die katalanische Sprache sich wieder aufsplittert in katalanisch, das man in Katalonien spricht, die valencianische Sprache, die im Raum um Valencia, dem País Valencià, gesprochen wird und das Mallorquinische, die katalanische Sprache der balearischen Inseln.

In Spanien liegen sich die verschiedenen Volksstämme, die ihre kulturellen Wurzeln aus der Sprache herleiten, in den Haaren. Wie in Gesamtspanien so ist sich auch der katalanische Sprachraum nicht "grün". Insbesondere gibt es grosse Animositäten zwischen Valencia und Barcelona. Barcelona, die Metropole der katalanischen Kernlande. Wenn es darum geht, möglichst viele katalanisch sprechende Menschen in der Statistik zu haben, wird in Barcelona selbstverständlich auch die Dialektvariante "Valencià" dazu gezählt. Vielen Valencianos geht das gewaltig auf den Keks, von den Katalanen einfach so ihrem Zuständigkeitsbereich zugeschlagen zu werden. Auf der anderen Seite gibt es in Valencia eine konservativ-reaktionäre Rechte, die noch von einem Spanienbild des Diktators Franco träumt und denen jedes Mittel recht ist, Zwietracht zwischen den katalanischsprechenden Völkern zu säen.

In Barcelona ist dieser Tage eine Publikation mit dem Titel "Sud enllà, El País Valencià vist des de Catalunya" ("Dort im Süden, das valencianische Land gesehen von Katalonien) erschienen. In dem Buch sind die Beiträge von 21 katalanischen Autoren veröffentlicht worden. Sie lassen sich über den Zustand der Beziehungen zwischen Katalonien und Valencia aus. Da steht es nicht zum Besten. Der Schriftsteller Martí Domínguez fasst den Stand der Entwicklung in folgenden Worten zusammen: "Es besteht eine konstante und voranschreitende Entfernung, eine Distanzierung, eine Unwille, ein Gefühl, dass wir auf dem Weg sind, nach und nach die Verbindungen zu verlieren, die uns einen. Und das nicht nur, weil es Konflikte zwischen unseren Regierungen über unwichtige Sachen gibt, sondern auch wegen einer gewissen Müdigkeit von Seiten der Eliten Kataloniens. Ein valencianischer Schriftsteller bringt das Hauptproblem auf den Punkt: "Wohnhaft in Katalonien habe ich während 40 Jahren den unruhigen Eifer oder das schlecht versteckte Desineresse beobachtet, mit der die "katalanischen Weisen" auf die "Valencianos" herunterschaut haben".

Eigentlich ist man sich so nah, aber doch wieder so weit. Schaut man sich die Kommentare der Leser der Zeitung "La Vanguardia" an, dann kann man ahnen, mit welchen Ressentiments die katalanischsprachigen Schwestern und Brüder sich bekämpfen:
"Was ist mit Valencia während des Bürgerkriegs passiert? Als die Katalanen über die Grenze abhauten liessen sie die Valencianos im Stich, die Franco im Maestrazgo noch Widerstand leisteten. Wir brauchen Katalonien überhaupt nicht".
"Das valencianische Land leidet an einer Identitätsschizophrenie... Die eigene Identität wurde vom Spanischtum versklavt".
"Valencianos und Katalanen, wir sind verwandte Cousinen und Cousins".
"Die überwiegende Zahl der Valencianos empfinden sich als Valencianos und nicht als Kastillier."
"Wir haben es schon tausendmal gesagt, wir wollen nicht zu Katalonien, wir sind glücklich, Spanier zu sein".
"Die sich in Kastillier verwandelnde Valencianos bekommen das, was das Lied sagt: Sie waschen Gold, um Silber zu kaufen".

Informationsquelle: La Vanguardia, Una obra refleja el cansancio de la intelectualidad catalana por la cuestión identitaria valenciana