Mittwoch, 16. Juni 2010

Unterirdisches Wunderwerk dank des Diktators Wahnvorstellungen

"Ich war zweimal im Wasserkraftwerk. Es ist ungeheuer beeindruckend. Abgesehen von den ernormen Kosten ist das Kraftwerk wichtig für Transsilvanien". Dies erklärt der beigeordnete Regionalkommissar für Umwelt der Region Cluj / Klausenburg. Es geht um das Wasserkraftwerk Mărişel im Apuseni-Gebirge, das von Nicolae Ceausescu in seiner megalomanen Phase mit den Selbstversorgungswahnvorstellungen vor 34 Jahren unterirdisch in die Höhlen des Berges bei Mărişel gebaut wurde.

Dieses Kraftwerk sollte im Falle von kriegerischen Auseindandersetzungen die Fabriken in Transilvanien mit Strom versorgen. Es liegt in einer künstlich geschaffenen Höhle eingepasst in das Felsgestein des Berges. Damit auch gar nichts schief geht, falls böse Feinde zum Bombardement Rumäniens übergehen, wurde das Wasserkraftwerk als strategisches Geheimnis gehütet und der Öffentlichkeit bis heute der Zutritt verwehrt. Jetzt durften es erstmals Reporter der Zeitung "Romania Libera" besuchen.

Das unterirdische Kraftwerk ist in der Lage eine Leistung von 220 Megawatte zu erbringen. Die produzierte Menge an elektrischer Energie reicht, um 10 Stalhlwerke zu versorgen oder man könnte damit auch ohne Probleme alle Städte Nord-Transilvaniens mit Licht versorgen. Das Kraftwerk nutzt das Wasser des Sees von Beliş, das in unterirdischen Kanälen zu den Turbinen geleitet wird. Die Anlage hat die Höhe eines zehnstöckigen Gebäudes. Der Zugang ist schwierig. Besucher müssen einen Tunnel von 1 km Länge bis zur Anlage passieren.

Da das Kraftwerk weiterhin vom Staat als ein strategisches Objekt betrachtet wird, ist es sehr schwierig eine Besuchsgenehmigung zu bekommen. Diejenigen, die es aber gesehen haben, sind äusserst beeindruckt. Ein gewisser Stolz ist auch dabei, denn die Anlage wurde nur von rumänischen Ingenieuren und Arbeitern konstruiert und gebaut. Da könnte man doch etwas daraus machen, meint der Bürgermeister von Mărişel. Er spricht sich für eine Öffnung aus, sieht aber auch die problematische Seite einer Öffnung: "Auf der einen Seite verstehe ich, dass die Menschen gerne dieses Wunderwerk der Ingenieurskunst sehen möchten, auf der anderen Seite gibt es ein grosses Risiko. Stellen sie sich vor, was passieren würde, wenn irgendein Verrrückter mit einer Bombe kommen würde, erklärte er.

Das Kraftwerk produziert inzwischen auch Elektrizität für das europäische Stromnetz. "Deswegen sind wir verpflichtet, die Leistung bei 70 Megawatt zu halten und das Kraftwerk zu unterhalten", erklärt der Leiter des Kraftwerks.

Informationsquelle: Romania Libera, Hidrocentrala de taină a lui Ceauşescu