Direkt zum Hauptbereich

Spanische Akademiker schreiben fleißig ab und haben nichts zu befürchten

Spanien hat auch einen Plagiatsskandal. Der Rektor der Universität Rey Juan Carlos in Madrid, Fernando Suárez Bilbao, hat einen Beitrag in einer renommierten juristischen Zeitschrift veröffentlicht und dabei 70% des Textes aus einem Buch kopiert, ohne den Autor zu zitieren. Damit wirft die spanische Öffentlichkeit ein Auge auf eine Praxis, die im Land bisher für wenig Aufregung gesorgt hat, aber in weitem Umfang gängige Übung war. Der Rektor selbst versucht die Tat mit dem Kommentar “er sei auch ein Mensch” abzutun. Für ihn ist das kein Plagiat und er hält eine eigenwillige Interpretation des Plagiats bereit: “Es gebe verschiedene Methoden und Bräuche die Autoren zu zitieren, deren Arbeiten man sich bediene”. Falls man damit kein Geld verdiene, sei das auch völlig egal,ob man abgeschrieben habe. Soviel zum Verständnis eines spanischen Professors zum wissenschaftlichen Arbeiten. Im übrigen fühle er sich der Öffentlichkeit zu keiner Erklärung schuldig, nur seine Universität könne von ihm Auskunft verlangen.

Carlos Bernuy, Professor an der Universität von Trondheim, beschreibt in einem Meinungskommentar für die Internet-Zeitung “Eldiario.es” die Situation in Spanien:
Der wissenschaftliche Betrug ist kein exklusives Problem von Spanien, aber unser Land ist im größeren Umfang ein Opfer dieser Betrügereien als bei unsern Nachbarländern. Dies ist auf die großen strukturellen Probleme, die unser akademisches System und die Forschung haben, zurückzuführen. Ein gutes Beispiel dafür ist der bereits zitierte Plagiats-Rektor, der sich an seinen Posten mit der Unterstützung der für dieses System verantwortlichen Institutionen klammert.

Bernuy erklärt auch, dass die Plagiate bisher selten ans Tageslicht gekommen seien, man aber diese Art der Korruption scharf bekämpfen müsse. Normalerweise müsste das Eingeständnis eines Plagiats zu einem Rücktritt führen.

“Eldiario.es” beschreibt dann ein paar Fälle, in denen das Aufdecken von Plagiaten zur Rücktritten geführt haben. An vorderster Front werden als beispielhaft die Fälle in Deutschland mit Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan geschildert, die jeweils zu Rücktritten geführt hatten.
Ein Leserkommentar dazu:
Tatsächlich ist es so, dass Spanien ein Land ist, wo man Korruption belohnt. Wenn welche zurücktreten oder zurücktreten müssen, dann tun sie es erst sehr spät und außerdem sucht man ihnen ein Pöstchen, in der Regel einen der besser dotiert ist als ihr bisheriger. So wird Treue und Schweigen erkauft. Für diesen Rektor, falls er zurücktreten sollte, was ich bezweifle, ist bereits bestens vorgesorgt, er wird anderswo ein Amt bekommen.

Informationsquelle
El plagio se castiga en Europa con el cese o la dimisión, pero España es diferente

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…

Der Fluch des Kolonialismus holt Brexit-Britannien ein

Nach dem britischen Staatsangehörigkeitsgesetz (British Nationality Act 1981) gibt es im Vereinigten Königreich (UK) 3 verschiedene Arten von Staatsangehörigkeit. Alle zusammen werden als "Staatsangehörige des Vereinten Königreiches und der Kolonien bezeichnet und mit "CUKCs" abgekürzt.  
Richtige britische Staatsangehörige (British citizens) mit allen Rechten sind nur diejenigen, die im Vereinigten Königreich geboren wurden oder von einer Person abstammen, die im UK geboren wurden. 
CUKCs mit einer engen Verbindung zu einer der vom UK abhängigen Territorien wurden zu einem "Staatsangehörigen der britischen abhängigen Territorien" (British Dependent Territories citizens). Sie bekamen die Abkürzung "BDTCs". 
Alle andern CUKCs wurden wurden zu "Britischen Übersee-Staatsangehörigen" (British Overseas citizens) erklärt. Diese letzte Gruppe hat weder ein atuomatisches Recht sich im UK niederzulassen noch zu arbeiten. Also bestenfalls eine Staat…