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Beängstigende Dürre im Nordosten Brasiliens

Der brasilianische Nordosten ist es gewöhnt mit Dürreperioden zu leben. Die Halbwüste des Sertão erlebt immer wieder extreme Trockenperioden. Im Gegensatz dazu die Waldzone (zona de mata), die sich von der Küste etwa 50-100 km ins Hinterland erstreckt und bisher zum grünen Gürtel zählte. Das scheint jetzt alles anders sein. Der Blog “Combate racismo ambiental” berichtet, dass eine seit 5 Jahren andauernde historische Dürre auch den Küstengürtel des Nordostens in eine Sertão verwandelt habe. Die Dürre soll die Schlimmste in den letzten Jahren seit den systematischen Wetteraufzeichnungen sein.

Der Blog schildert ein Beispiel:
União dos Palmares, in der Region des Küstenwaldes von Alagoas, ist gekennzeichnet durch starke Regenfälle, aber die Situation dort erinnert jetzt mehr an die Steppe der Sertão. Obwohl der Ort nur 60 km von Küste entfernt liegt, erlebte die Stadt in diesem Jahr eine Dürreperiode, die die Vegetation völlig veränderte. Selbst der Fluss Mundaú, der 2010 noch für eine der schlimmsten Überschwemmungen, bei dem viele Häuser zerstört wurden, verantwortlich war, hat praktisch aufgehört zu fließen und ist jetzt trocken mit einigen Wasserpfützen.  “Ich lebe seit 72 Jahren hier, nie habe ich den Fluss in einem solchen Zustand gesehen. Ich habe ihn mal voller, manchmal mit weniger Wasser gesehen, aber jetzt ist das alles viel schlimmer. Es läuft kein Wasser mehr und auch Fischen ist heute so gut wie unmöglich. Meine Tier sind nicht gestorben, weil Gott ihr Beschützer ist, er hat sie gelernt auch Trockenes zu fressen”, erzählt der 72-jährige Antonio Aposentado, Viehzüchter an den Ufern des Flusses.

Um seine Kühe zu ernähren, holt er Zuckerrohr von einer nahen Plantage. Selbst so sind die Kühe von Antonio sehr mager. “Wer hätte gedacht, dass wir nach den Überschwemmungen von 2010 so etwas erleben werden. In jener Zeit verlor ich 15 Hütten, die ich in der Nähe besaß. Das Wasser hat sie alle mitgerissen. Jetzt gibt es nicht einmal Wasser, um die Stadt zu versorgen” fügte er hinzu.

Die Situation in União dos Palmares ist ähnlich der in anderen Städten in Küstennähe. Nach dem Meteorologen Professor Humberto Barbosa von der Bundesuniversität von Alagoas ist ie aktuelle Dürre die Größte bis heute seit der wissenschaftlichen Wetterbeobachtung. “Die Dürre hat auch die Küstenregionen des Nordostens erreicht, aber weniger stark wie im semiariden Nordosten. Zum jetzigen Zeitpunkt zeigen die Satellitenbilder, dass diese fast den ganzen Nordosten erreicht”, erklärte er. Entsprechend der von ihm erstellten Karte gibt es in der ganzen Küstenregion des Nordosten mit Ausnahme von Bahia und Maranhão, erhebliche Schäden in der Vegetation. “Innerhalb der Auswirkungen dieser Dürre, sie sich jetzt schon in das sechste Jahr hineinzieht, sind erhebliche Änderungen in der Beschaffenheit der Böden zu beobachten, mit einer Oberflächenerosion, Fehlen von Vegetation, niedrige Fruchtbarkeit und davon ausgehend eine Intensivierung der Wüstenbildung”, beschreibt Barbosa die Situation.

Und wie sind die Aussichten: Laut Professor Barbosa besteht die Gefahr, dass die Dürre sich durch den Klimawandel verstetigt. Optimisten hoffen, dass es im Januar / Februar wieder endlich flächendeckend regnet. In der Zwischenzeit stehen viele große Orte vor erheblichen Problemen, die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen. In vielen Orten ist der Tankwagen mit Trinkwasser die einzige Hoffnung, die der Bevölkerung noch geblieben ist.

Informationsquelle
Seca histórica dá “cara de sertão” à zona da mata e ao litoral no Nordeste

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