Direkt zum Hauptbereich

Madonnen küssen sich nicht in Valencia

Valencia ist wohl die bigotteste Stadt Spaniens. Zumindest macht Valencia diesen Eindruck. Hier residiert Kardinal Antonio Cañizares, bekannt für seine fremdenfeindliche Reden und Homophobie. Spanien ist gleichzeitig das Land mit den meisten Madonnen-Figuren, bei der die eine Madonna, in Spanien “virgen” “Jungfrau” genannt in verschiedene Personen aufgespalten zu sein scheint. Die einen sind Anhänger der Madonna von Montserrat, die andern der von Macarena wieder andere verehren die von der unbefleckten Empfängnis (Concepción) usw.

In Valencia hatte nun eine linke Gruppierung namens “Endavant” (Sozialistische Organisation der Nationalen Befreiung) in den Augen der guten Katholiken Valencias die bodenlose Frechheit für die “Parade des homosexuellen Stolzes” (Gay Pride) Mitte Juni ein Plakat zu veröffentlichen, auf dem sich die Madonna der Obdachlosen (Virgen de los Desamaparados) und die Madonna von Montserrat (Virgen de Montserrat) küssen. Also zwei volkstümliche Bilder dieser Madonnen. Unerhört, tobte der oberste Sittenwächter Valencias, Kardinal Cañizares. Die Hetze ging soweit, dass sich die Homosexuellen-Bewegung bemüßigt sah, sich von dem Plakat zu distanzieren: “Die Vereinigung der Homosexuellen Valencia LGTB distanziert von dem Plakat, das nicht dem offiziellen Thema der Parade unter dem Thema “Bisexuelle Menschen, verschieden und gleich” entspricht”, gab sie in einer Presseerklärung bekannt.

Cañizares ließ eine Demo zur Verteidigung der Jungfrau von Valencia (die der Obdachlosen) organisieren, weil diese mit dem Plakat nach Ansicht des Kirchenführers beleidigt wurde. Schöne Sprüche waren bei der Demonstration zu hören, der Kardinal beteuerte treuherzig, dass er schon immer für Eintracht und Frieden eingetreten sei und noch scheinheiliger erklärte er, dass es sich bei dieser Demonstration “nicht um eine ideologische Veranstaltung, ja nicht einmal eine des Protestes handle” und “wir repräsentieren hier keine Fahne und kein Wappen, diejenigen, die etwas anderes im Sinn haben, haben etwas verwechselt und entwürdigen den Akt”. Warum also der Aufruhr? Na es geht halt um die Ehre der Jungfrauen bzw. Madonnen namens Maria. Unter dem Jubel der Anwesenden verurteilte der Kardinal die Beleidigung durch dieses Plakat. “Wir kommen hier zu dieser Veranstaltung als Gläubige, die sich als Kinder der so süßen Mutter fühlen. Wir sind nur gekommen, um zu beten.” Die Valencianer Webseite “Actuall” schreibt, dass viele Personen an der Demonstrationen teilnahmen unter anderem Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Alte, die Flaggen und Plakate trugen und dem Kardinal zujubelten und schrien “Es lebe die Jungfrau von den Obdachlosen”.

Das ominöse Plakat selbst: Harmlos. Aufgeklärte Spanien und Europäer können nur den Kopf schütteln, warum nun dieser Kuss in einem Land, in dem der heidnische Madonnenkult die sonderbarsten Blüten treibt, eine Beleidigung für eine historische Figur sein soll. Aber mit der künstlich geschaffenen Empörung - wenn es um ihre lokale Virgen geht, kennen viele Spanier immer noch keinen Spaß - kann man bestens Stimmung betreiben. Dem konservativ-klerikal-reaktionären Valencia gelang es damit blendend all die Korruptionsskandale der letzten Jahre dadurch zu übertünchen. Die Folge war, dass bei den kürzlichen spanischen Parlamentswahlen die diese Kreise repräsentierende Partido Popular in Valencia sensationelle Stimmenzuwächse verzeichnete, obwohl diese Partei wegen der Verwicklung in viele Korruptionsskandale kurz vor dem Zusammenbruch stand. Die Kirchenvertreter blähten vermutlich auch wegen der Wahlen das Thema weiter auf, “denn die radikale Linke hat vor, die Stimme der Kirche verstummen zu lassen, aber auch so werden wir für sie beten”, erklärte einer ihrer Vertreter

Der Stein des Anstoßes, die Organisation Endavant nimmt zu der Erregung unter dem Titel “Die Nebelkerzen des Cañizares” wie folgt Stellung:
Die religiöse Veranstaltung von heute ist keine Antwort auf eine vermutete Attacke gegen religiöse Überzeugungen, sondern es sind Nebelkerzen des diskreditierten und abgewirtschafteten Kardinals Cañizares. Vor allem will er davon ablenken, dass die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet hat wegen seiner homophoben Äußerungen.
Es ist scheinheilig bis zum geht nicht mehr, wenn sich Cañizares zum Verteidiger der valencianischen Identität aufschwingt, wenn die katholische Hierarchie, die er vertritt, die Institution ist, die am meisten dazu beigetagen hat, die Identität des valencianischen Volkes zu ruinieren und der Volkstümelei anheim zu geben. Die kulturelle und religiöse Identität der Valencianer und Valencianerinnen,  eingeschlossen die Verehrung von Madonnen,  überschreitet weit die rückständigen Grenzen, die die katholische Hierarchie setzen möchte.
Von Monat zu Monat hetzt der Erzbischof von Valencia immer mehr die integristischen Kreise der katholischen Kirche Valencias, die schon seit Jahren Teil der gewalttätigen extremen Rechten sind, auf, mit dem Resultat, dass er damit das Feuer des religiösen Fundamentalismus in unserer Gesellschaft am brennen halten kann.
Letztendlich hat dieses Plakat die Grenzen der Meinungsfreiheit aufgezeigt. “Konservative” und sogenannte “progressive Kreise” sind interessiert eine versteinerte öffentliche Meinung zu fördern, die nicht die bestehenden Machtverhältnisse in Frage stellt.

Siehe auch
Wie sich ein Erzbischof in christlicher Nächstenliebe gegen Flüchtlinge sorgt
Päderasten in Granada unter dem Schutz ihres aufklärungsunwilligen Erzbischofs
Die Anarchisten bemächtigen sich der Karwoche und der spanische Staat zeigt seine Parteilichkeit
Unbefleckte Empfängnis wird zur ewigen Bürgermeisterin ernannt

Informationsquelle
La cortina de fum de Cañizares
Un cartel del orgullo gay en Valencia muestra a dos vírgenes besándose
Miles de personas salen a la calle para defender a la Virgen de los Desamparados y a Cañizares

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Pulverfass Brasilien

Im Juni 2013 wurde Brasilien von heftigen und gewalttätigen Demonstrationen erschüttert. Ausgangspunkt waren Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr. Die Situation verschärfte sich derart, dass die damalige Präsidentin Dilma Rousseff ihr Kabinett zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen musste. Der Gewaltausbruch war unerwartet und verbreitete sich in ganz Brasilien in kürzester Zeit. Es wurde versuch,t Amtsgebäude zu stürmen und es gab viele Akte des Vandalismus. Die Polizei wurde nur mühsam Herr der Lage.

 Der Philosoph Vladimir Safatle von der Universität hat jetzt in einem Beitrag zur Zeitung "Folha", dere auch im Blog "Combate Racismo Ambiental" veröffentlicht wurde, seine Befürchtung geäußert, dass diese Ereignisse sich bald in verstärkter Form wiederholen werden und hat die Gründe dafür benannt. Seine Ausführungen gebe ich nachstehend wieder:

Eine der offensichtlichen Züge des oligarchischen Gedankens ist die Form wie das Volk und die Mas…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Die 70 gefährlichsten Straßenkilometer in Spanien lassen die Verantwortlichen kalt

Nach einem Bericht der Zeitung "El Pais" ist die Nationalstraße N-I auf einer Strecke von 70 km zwischen der Stadt Burgos und Miranda die gefährlichste Straße Spaniens. Täglich passieren 10.000 Fahrzeuge, die Hälfte davon Lastwagen, die Straße. Wie kam es dazu? El Pais schreibt:

1974 hat der Staat die Autobahn AP-1 eingeweiht, die von Burgos aus ins Baskenland führt und parallel zur N-I verläuft. Die Nutzung wurde privat geregelt, aber der Staat verpflichtete sich, die Autobahn in 5 Jahren freizugeben. Nach Ablauf dieses Zeitraum und aufgrund der Verzögerung bei den Einnahmen der Maut wurde die private Verwaltung bis 1999 verlängert. Nur 3 Jahre nach dieser Verlängerung wurde diese bis 2003 erweitert. Danach erfolgte eine weitere Verlängerung bis 2017 und jetzt soll sie erst 2018 mautfrei gemacht werden.

Der Autobahnbetreiber ist das Unternehmen Europistas, das eine Maut von 11,85 € für die Strecke von Burgos bis Ameyugo, einem Dorf 20 km vor Miranda del Ebro erhebt. Dies is…

Trump setzt auf die Hilfe Gottes beim Schutz seiner Luxus-Immobilien und findet willige Helfer

Präsident Trump liegt sein heiß geliebtes Luxus-Golf-Resort Mar-a-Lago in Florida sehr am Herzen. Schliesslich hält er sich auch jede freie Minute da auf. Monster-Hurrican Irma bedrohte nun seine Glückseligkeitsinsel und um Schaden abzuwenden griff er auf die Hilfe des Allerhöchsten zurück. Allerdings nicht dahingehend, dass an seinem Resort keine Schäden angerichtet werden, sondern dafür, dass evakuierte Amerikaner nicht seine schöne Anlage stürmen und dort die Einrichtung versauen.

Blogger Allan Ishac beschreibt das Ansinnen von Trump an "God":

Präsident Donald Trump wandte sich am Samstag (9. September) an den spirituellen Berater des Weißen Hauses und bat ihn darum, für Mar-O-Lago, seinen Immobilienbesitz an der Küste in Palm Springs zu beten. Das Resort lag auf dem Weg von Hurrikan Irma.

"Ich fragte Joel (Osteen), ein toller Kerl, für Gottes Hilfe zu beten, um die Bewohner in Florida zurückzuhalten in mein Winter-Weißes-Haus zu marschieren und es zu ihrer persönliche…

Spanien muss sich seiner Geschichte stellen, dann kann auch Katalonien seinen Platz finden

Spanien hatte mal einen blutigen Diktator, der als Sieger aus dem Bürgerkrieg (1936-1939) dank der Hilfe von Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien hervorging. Francisco Franco terrorisierte das Land im Verbund mit seinen Generälen und den spanischen Faschisten mit seiner Herrschaft bis zu seinem Tod im Jahre 1975.

"Ursachen für den Ausbruch des Krieges sind in den extremen sozialpolitischen und kulturellen Verwerfungen in der spanischen Gesellschaft sowie in regionalen Autonomiebestrebungen zu finden, etwa im Baskenland und in Katalonien", ist in Wikipedia zu lesen. Vor seinem Tod setzte Franco den König wieder als Staatsoberhaupt ein. Ein König der in den faschistischen Militärakademien ausgebildet wurde. Das Volk wurde zur Wiedereinführung der Monarchie nicht befragt. Spanien gab sich dann eine Verfassung, die im Rahmen der "Transition" keinen radikalen Schnitt mit der Vergangenheit machte. Die Generäle drohten im Hintergrund, jede ihnen nicht passende…