Freitag, 22. Juli 2016

Blau leuchtet das Mittelmeer, aber …….

Die andalusische Mittelmeerküste und die atlantische Küste der Meerenge von Gibraltar sowohl auf der marokkanischen wie auch auf der spanischen Seite bieten prächtige Ausblicke auf das blau schimmernde Meer. Das Blau suggeriert eine saubere Meereswelt, die es leider nicht gibt. Diese Region ist ein Hotspot der Umweltverschmutzung. Das Meer ist voll von Plastik und Müll. Jede Stunde gehen dort nach einem Bericht der spanischen Umweltschutzorganisation “Ecologistas en acción” (EA) 675.000 Tonnen Müll in die Gewässer. 60% bis 70% davon sind Plastikmüll, ein Stoff, der der Region Jahrhunderte erhalten bleibt.

Zum Kampf gegen den Plastikmüll gehört auch, dass die Menschen aufgeklärt werden. Dass sie sich bewusst werden, wie nachhaltig sie damit ihre Lebensgrundlagen zerstören. Dieser Aufgabe hat “Ecologistas en acción” zum Start der spanischen Sommerferien auf sich genommen. Diese Woche startete das Segelschiff “Diosa Maat” mit der Kampagne “Dunkles Blau, fast aus Plastik” (Azul oscuro, casi plástico) zu einer Tour in der betroffenen Region. Das Segelschiff ist mit 36 Aktivisten besetzt und wird bis Oktober in den Häfen Andalusiens anlegen, um mit Seminaren, Vorträgen und Vermittlung von Information auf die im Meer schlummernde stille Gefahr hinzuweisen. “Wir suchen die bewusste Beteiligung der Gemeinden an der Küste und aller Menschen, die als Verbraucher mit einbezogen sind, um auf das gravierende Umweltproblem, das die Vermehrung von Abfällen im Mittelmeer und in allen Ozeanen bedeutet, hinzuweisen”, erklärt der Sprecher von EA.

Gerade in Andalusien ist das Bewusstsein für dieses Umweltproblem noch wenig entwickelt. Typisch dafür die Gemeinde Sanlucar de Barrameda an der Atlantikküste der Provinz Cádiz. Sanlúcar hat von den lokalen Umweltschützern auch dieses Jahr – es ist das siebte Mal in Folge - wieder die “Schwarze Fahne” für seine verschmutzten Strandgewässer bekommen. Mit 24 Wasserproben wurde nachgewiesen, dass die Hälfte davon die Grenzwerte für die Verschmutzung überschritten hatten. 8 davon überschritten die erlaubten Grenzwerte um das Doppelte. Die Gesundheitsbehörde hatte den Strand trotzdem als “geeignet zum Baden” erklärt. Grundlage für diese Entscheidung waren die Badesaison des vergangenen Jahres. Dabei wurden die Gewässer auch nur auf 2 Bakterien untersucht, obwohl es noch viel mehr Faktoren für die Verschmutzung der Gewässer gibt. Die Gemeinde hat auf Vorhaltungen der Umweltschützer zugegeben, dass im Jahr 2014 50-mal die Abwasser ungeklärt ins Meer geleitet wurden. Und wie sieht es mit dem Willen der Behörden zu einer transparenten Informationspolitik aus? “Es gibt keine Transparenz und der Wille zu Zusammenarbeit von Seiten der Behörden fehlt. Wir mussten 18 Monate warten, bis auf ein Antrag auf Analysen und verschieden technische Fragen über den Zustand der Aufbereitung und des Trinkwassers geantwortet wurde und sie haben auch erst geantwortet, nachdem der Petitionsausschuss des andalusischen Parlaments sich eingeschaltet hat”, erklärt ein Vertreter der Bürgerinitiative “Agua clara” (Sauberes Wasser).

Die Provinz Cádiz scheint ohnehin ein Schwerpunkt für Umweltsünden zu sein. Der Provinz wurden 14 schwarze Flaggen verliehen und 12 schwarze Punkte benannt. Die Kläranlagen in dieser Region funktionieren nur schlecht und verstoßen ständig gegen die gesetzlichen Auflagen. Das Surfer-Paradies Tarifa leitet seine Abwässer ungeklärt ins Meer. Die Probleme mit den Kläranlagen sind schon lange bekannt. Laut EA werden neue Kläranlagen nicht ausreichend gewartet und funktionieren schon bald nicht mehr so wie vorgesehen und manche sind dann überhaupt nicht mehr im Betrieb. Der Strand von Caños de Meca wird von EA als trauriges Beispiel beschrieben: “Caños de Meca” ist das traurige Beispiel einer Küste mit einer illegaler Bebauung, mit Gebäuden im öffentlichen (geschützten) Teil des Strandes, ohne Bearbeitung des Abwassers, ohne Versorgung mit Trinkwasser, ohne Kanalisation, wo die Abwasser einfach ins Grundwasser oder ins Meere versickern. Das küstennahe Grundwasser ist vergiftet und wird unkontrolliert entnommen. Es ist sehr bedauerliche, dass ein bei den Bewohnern von Cádiz sehr beliebter Strand sich heute in dieser verwahrlosen Situation befindet.”

Die Webseite Telepolis berichtete 2014: “Mit viel Geld aus der EU wurde über Jahre in Spanien schon versucht, die Wasserqualität zu verbessern. Weil seit mehr als einem Jahrzehnt die Brüsseler Vorgaben nicht umgesetzt worden waren, wurde das Land im Jahr 2011 vom Europäischen Gerichtshof in Luxemburg auf Klage der EU-Kommission verurteilt, weil in 38 Städten mit mehr als 15.000 Einwohnern nicht korrekt geklärt wurde. …..Die EU hat die Entwicklung in Spanien ohnehin verschlafen, denn die entsprechenden Kanalisationen und Kläranlagen sollten eigentlich schon seit 1998 in Betrieb sein. Doch bis heute werden die Gesundheit von Menschen, die Binnengewässer und die Meeresumwelt gefährdet. Und die Umweltschutzorganisation WWF zeigt mit erschütternden Bildern auf, dass noch immer Abwässer ungeklärt auch in Naturschutzgebieten wie den Nationalpark Coto de Doñana fließen, ein Weltkulturerbe”.

Siehe auch
Still schaukelt das Meer die Fäkalien an die Sonnenküste
Clorgas und eine Posphorschlamm-Müllkippe als Zeitbombe an Spaniens Strand
Die Bucht von Algeciras wird zur Kloake
Informationsquelle
El velero Diosa Maat limpia el Mediterráneo con su campaña Azul oscuro, casi plástico
Izada de Bandera Negra en Los Caños de Meca
Spaniens trübe Klärgeschäfte