Direkt zum Hauptbereich

Spanien hat noch nicht kapiert, was man mit Müll alles anfangen kann

Nachdem der Europäische Gerichtshof Spanien wieder einmal dazu verdonnert hat, mehr gegen illegale Müllkippen und die niedrige Recycling-Quote zu tun, ist wieder einmal klar geworden, dass das Land weiterhin die Müllproblematik als lästige Aufgabe empfindet, dem man nicht mit vollem Einsatz nachkommen muss. Zwar sind inzwischen viele Müllkippen geschlossen oder auf ökologische Müllbehandlung umgestellt worden, aber immer noch gibt es 50 Müllkippen, bei denen der Müll nur abgeladen wird. Das geringste Problembewusstsein gibt es in Andalusien, wo es noch 19 solcher wilden Müllhalden gibt. Daran schließen sich Aragón mit 5, die Kanaren mit 3, das Baskenland mit 2 und Murcia mit einer Deponie an.

Die Zeitung “Público” schreibt zur spanischen Müllsituation:

Während im Durchschnitt der Europäischen Union 31% des Müll auf Müllkippen landet, sind es in Spanien bis 60% nach den letzten Daten von Eurostat aus dem Jahre 2013. Obwohl andere Länder mehr Müll produzieren als wir (die Deutschen produzierten 617 kg pro Jahr und Person und die Dänen 747 gegenüber 449 bei den Spaniern) ist deren prozentuale Recycling- und Bearbeitungsquote erheblich höher. In Deutschland zum Beispiel, wo kein Müll auf der Müllhalde landet, werden ungefähr 47% des Müll recycelt. Weitere 17% werden zu Kompost verarbeitet und der Rest wird verbrannt. In Spanien liegt die Recycling-Quote nur bei 20%. Die Umweltschützer weisen zudem darauf hin, dass ein großer Teil des Mülls direkt auf der Müllhalde landet ohne zuvor durch eine Sortieranlage gegangen zu sein, was völlig allen gesetzlichen Regelungen zuwider laufe.
“In der Stadt Madrid wird ungefähr 40% des Mülls weggeworfen ohne behandelt zu werden. Die Situation ist gravierend”, bedauert Arribas von der Umweltgruppe Ecologistas in Acción (EA).
Im übrigen helfen die Sortieranlagen kaum dabei, das Müllproblem zu lösen. Sogar der “Staatliche Plan zur Behandlung des Mülls” warnt vor der niedrigen Effizienz der Anlagen in Spanien, weil der größte Teil des Mülls nicht vorsortiert angeliefert wird. Der Vorteil einer Kompostierung könne nur erreicht werden, wenn die Abfälle getrennt gesammelt würden, d.h. wenn sie kein Plastik und nicht organischen Materialen enthalten würden. Diese Art der Mülltrennung funktioniere momentan nur in Katalonien.
“Hier gibt es keinen Markt für Qualitätskompost. Wenn man in ein Geschäft geht um solchen zu kaufen, dann kann man erkennen, dass alles aus Deutschland kommt”, erklärt Arribas von EA.

Dabei wäre eine gezielte moderne Müllwirtschaft für Spanien mit seiner großen Arbeitslosenrate von großem Vorteil. Die Europäische Kommission hat es den Spaniern vorgerechnet: In der ganzen Union würde eine korrekte Bearbeitung des Mülls 72 Milliarden Euro einsparen helfen, für bis zu 400.000 Arbeitsplätze sorgen und den Umsatz im Müllsektor um 42 Milliarden Euro erhöhen.

Es ist schwer eine althergebrachte lasche Haltung zum Müll zu ändern. Das gilt sowohl für die Verantwortlichen wie die Konsumenten in Spanien. Aber eine konsequente Müllwirtschaft würde zu einer “Win-Win-Situation” führen, man muss die Gelegenheit nur beim Schopfe packen. Um das Bewusstsein der Bevölkerung  für das Thema zu erhöhen, wäre die Teilnahme an der EU-Woche “Let*s Clean up Europe” zu empfehlen.

Informationsquelle
España se ahoga en su basura

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Großbritannien, das zerstrittene Königreich, auf den Spuren Griechenlands

Das Vereinigte Königreich (UK) verlässt die EU. Nach dem Brexit-Referendum hatten die regierenden Konservativen  um Premierministerin May entdeckt, wie toll ein solcher Abschied vom europäischen Kontinent ausgehen könnte. Ungeahnte Möglichkeiten würden dem Land in der weiten Welt winken, die nur darauf warte, mit den Briten ins Geschäft zu kommen. Realistischerweise hat Premierministerin May schon einmal erklärt,  dass das nur funktioniere, wenn das Land zu einer Steueroase à la Panama umgebaut werde.

Die EU schien in dieser Zukunftphantasie keine Rolle zu spielen,  obwohl sie doch der größte Handelspartner des Landes ist. In einem Anflug von völliger Betriebsblindheit setzte May noch Neuwahlen an, weil man ihr eine überwältigende absolute Mehrheit prognostizierte. Das ging dann gründlich schief und jetzt steht Großbritannien ratlos vor einem Scherbenhaufen. Plötzlich kommen auch Bedenken auf, ob ein knallharter völliger Abschied von der EU tatsächlich für Großbritannien positiv sein…