Sonntag, 24. April 2016

Spanien hat noch nicht kapiert, was man mit Müll alles anfangen kann

Nachdem der Europäische Gerichtshof Spanien wieder einmal dazu verdonnert hat, mehr gegen illegale Müllkippen und die niedrige Recycling-Quote zu tun, ist wieder einmal klar geworden, dass das Land weiterhin die Müllproblematik als lästige Aufgabe empfindet, dem man nicht mit vollem Einsatz nachkommen muss. Zwar sind inzwischen viele Müllkippen geschlossen oder auf ökologische Müllbehandlung umgestellt worden, aber immer noch gibt es 50 Müllkippen, bei denen der Müll nur abgeladen wird. Das geringste Problembewusstsein gibt es in Andalusien, wo es noch 19 solcher wilden Müllhalden gibt. Daran schließen sich Aragón mit 5, die Kanaren mit 3, das Baskenland mit 2 und Murcia mit einer Deponie an.

Die Zeitung “Público” schreibt zur spanischen Müllsituation:

Während im Durchschnitt der Europäischen Union 31% des Müll auf Müllkippen landet, sind es in Spanien bis 60% nach den letzten Daten von Eurostat aus dem Jahre 2013. Obwohl andere Länder mehr Müll produzieren als wir (die Deutschen produzierten 617 kg pro Jahr und Person und die Dänen 747 gegenüber 449 bei den Spaniern) ist deren prozentuale Recycling- und Bearbeitungsquote erheblich höher. In Deutschland zum Beispiel, wo kein Müll auf der Müllhalde landet, werden ungefähr 47% des Müll recycelt. Weitere 17% werden zu Kompost verarbeitet und der Rest wird verbrannt. In Spanien liegt die Recycling-Quote nur bei 20%. Die Umweltschützer weisen zudem darauf hin, dass ein großer Teil des Mülls direkt auf der Müllhalde landet ohne zuvor durch eine Sortieranlage gegangen zu sein, was völlig allen gesetzlichen Regelungen zuwider laufe.
“In der Stadt Madrid wird ungefähr 40% des Mülls weggeworfen ohne behandelt zu werden. Die Situation ist gravierend”, bedauert Arribas von der Umweltgruppe Ecologistas in Acción (EA).
Im übrigen helfen die Sortieranlagen kaum dabei, das Müllproblem zu lösen. Sogar der “Staatliche Plan zur Behandlung des Mülls” warnt vor der niedrigen Effizienz der Anlagen in Spanien, weil der größte Teil des Mülls nicht vorsortiert angeliefert wird. Der Vorteil einer Kompostierung könne nur erreicht werden, wenn die Abfälle getrennt gesammelt würden, d.h. wenn sie kein Plastik und nicht organischen Materialen enthalten würden. Diese Art der Mülltrennung funktioniere momentan nur in Katalonien.
“Hier gibt es keinen Markt für Qualitätskompost. Wenn man in ein Geschäft geht um solchen zu kaufen, dann kann man erkennen, dass alles aus Deutschland kommt”, erklärt Arribas von EA.

Dabei wäre eine gezielte moderne Müllwirtschaft für Spanien mit seiner großen Arbeitslosenrate von großem Vorteil. Die Europäische Kommission hat es den Spaniern vorgerechnet: In der ganzen Union würde eine korrekte Bearbeitung des Mülls 72 Milliarden Euro einsparen helfen, für bis zu 400.000 Arbeitsplätze sorgen und den Umsatz im Müllsektor um 42 Milliarden Euro erhöhen.

Es ist schwer eine althergebrachte lasche Haltung zum Müll zu ändern. Das gilt sowohl für die Verantwortlichen wie die Konsumenten in Spanien. Aber eine konsequente Müllwirtschaft würde zu einer “Win-Win-Situation” führen, man muss die Gelegenheit nur beim Schopfe packen. Um das Bewusstsein der Bevölkerung  für das Thema zu erhöhen, wäre die Teilnahme an der EU-Woche “Let*s Clean up Europe” zu empfehlen.

Informationsquelle
España se ahoga en su basura