Direkt zum Hauptbereich

Für die Rendite der Aktienbesitzer: 853 km Flussufer verseucht

Über die Katastrophe von Bento Rodrigues habe ich bereits berichtet. Sie ist noch nicht vorbei. Im Gegenteil, das Schlimmste kommt noch. Die brasilianische Webseite “Vermelho Portal” beschreibt die derzeitigen Folgen:
Seit Tagen erlebt Brasilien eine seiner größten Tragödien, die Verantwortungslosigkeit des Unternehmens Vale-Samarco kann das Ende des Rio Doce, der auf 853 km die Ufer von Minas Gerais und Espirito Santo bespült, bedeuten.

Das Bergbau-Unternehmen Vale-Samarco hieß früher “Companhia Vale do Rio Doce”. Es wurde 1940 gegründet. 1984 schrieb einer der größten Schriftsteller Brasiliens des 20. Jahrhunderts, Carlos Drummond de Andrade (1902-1987), ein Gedicht, das sich “Lira Itabirana” nennt. In Itabirana wurde das Unternehmen Vale gegründet. Sein Gedicht, das jetzt in Brasilien aus Anlass der Katastrophe von Bento Rodrigues wieder entdeckt und in den sozialen Medien verbreitet wurde, sah voraus, dass die Tätigkeit des Berbauunternehmens früher oder später in einer Katastrophe enden wird.

Das Gedicht lautet (in meiner Übersetzung) so:

I
Der Fluss? Er ist süß.
Vale? Bitter.
Ach, damals
war die Fracht leichter.
II
Zwischen Staaten
und Multis,
wie viele gabe es!
III
Die interne Schuld
die externe Schuld
die ewige Schuld
IV
Wie viele Tonnen exportieren wir
an Eisen?
Wie viele Tränen verbergen wir
ohne zu schreien?

Der giftige Schlamm hat inzwischen das Tal des Rio Doce erreicht. Im Rio Doce wurde bereits eine hohe Konzentration an Arsen, aber auch an Quecksilber, Aluminium, Eisen, Blei, Bor, Barium, und Kupfer festgestellt.  Das Gift gefährdet Menschen, Tiere und das Grundwasser. BHP Billiton und Vale als Mehrheitsaktionär von Samarco haben inzwischen sich zur Einrichtung eines Notfonds mit 260 Millionen US$ bereit erklärt. Das wird wohl nicht reichen und noch steht offen, welche strafrechtlichen Konsequenzen aus dem Desaster gezogen werden müssen.

Die Wissenschaftlerin Marcelo Rodirigues beschreibt die Folgen für die Menschen und Natur:
Die Folgen dieser Tragödie, die tausende Menschen in jener Regionen betreffen, sind noch schlimmer als bekanntgegeben. Es ist wahr, dass einige endemische Arten des atlantischen Waldes verschwinden könnten, aber noch schlimmer sieht die Lage für jene Arten aus, die überleben werden und deren einzige Lebensgrundlage der Zugang zu Ernährung und Wasseraufnahme die Region ist und die durch die Gifte ihre Sehfähigkeit einbüßen könnten. Vorerst warten wir den von den beteiligten Unternehmen angekündigten Plan ab, während wird die Verseuchung in Richtung Meer beobachten. Leider können wir den schlimmsten Teil diese Tragödie nicht mit bloßem Auge sehen.


Informationsquelle
Poema de Drummond sobre o Rio Doce, que circula em redes sociais, nunca foi publicado em livro
A vida imita a arte: o dia que Drummond previu a tragédia de Mariana
Marcela Rodrigues: Tragédia do Rio Doce – impacto que a mídia esconde

Beliebte Beiträge

Gibraltar, Ostereier und des britischen Patrioten kriegerischer Abgang aus Europa

Scheinbar hat die britische Regierung bei ihrem nun formell erklärten Abgang aus der EU Gibraltar vergessen, genauso wie sie sich bisher wenig Gedanken um Nordirland und Schottland gemacht hat. Gibraltar, der kleine Felsen in Südspanien, der stolz für die kümmerlichen Reste des britischen Reiches steht. Richard Murphy, anerkannter Finanzfachmann, schreibt auf seinem Blog “Tax Research UK”, was er von dieser seltsamen Kolonie hält:

“Gibralter ist ein Außenposten einer Zeit, die immer noch in Köpfen ähnlich denen von William Hague existiert. Es ist ein Überbleibsel aus der Zeit des Empire und des Kolonialismus, das keinen Platz in einem modernen Europa hat, in welchem das Vereinigte Königreich (UK) offensichtlich nicht Teil sein will. Es wurde geschaffen als Steueroase und ist ein Zentrum für Offshore-Wettbüros. Das Erste ist ein Versuch zur Unterminierung der globalen Wirtschaft und der legitimen Steuereinkommen demokratisch gewählter Regierungen. Das Zweite ist verbunden m…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…

WM 2014 im brasilianischen Hinterland: Der Spaß ist vorbei, der Ärger bleibt

Die FIFA WM 2014 ist Sportgeschichte. Was bleibt sind die Trümmer in finanzieller und tatsächlicher Art. Im Februar 2014 hatte ich einen Beitrag über den WM-Ort Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas, geschrieben. Unter anderem habe ich dazu ausgeführt:
Für die 4 Spiele wurde ein neues Stadion gebaut, die Arena Amazonia. Ein bereits existierendes älteres Stadion wurde abgerissen, weil es den Anforderungen der FIFA nicht genügte. Den brasilianischen Staat kostete das 600 Millionen Real (etwa 187 Millionen Euro) und keiner weiß, was man nach den 4 Spielen mit dem Stadion anfangen soll. In diesem Zusammenhang wurde auch der Flughafen ausgebaut, für den eine große unter Naturschutz stehende Fläche entwaldet und ein Fluss unterirdisch verlegt wurde.  Für den Bau des Stadions starben 4 Bauarbeiter. Gegen das ausführende Bauunternehmen läuft seit einiger Zeit ein Schadensersatzprozess. 

Die Sportausgabe der Zeitung “O Estado de São Paulo” (Estadão) hat s…