Mittwoch, 18. November 2015

Für die Rendite der Aktienbesitzer: 853 km Flussufer verseucht

Über die Katastrophe von Bento Rodrigues habe ich bereits berichtet. Sie ist noch nicht vorbei. Im Gegenteil, das Schlimmste kommt noch. Die brasilianische Webseite “Vermelho Portal” beschreibt die derzeitigen Folgen:
Seit Tagen erlebt Brasilien eine seiner größten Tragödien, die Verantwortungslosigkeit des Unternehmens Vale-Samarco kann das Ende des Rio Doce, der auf 853 km die Ufer von Minas Gerais und Espirito Santo bespült, bedeuten.

Das Bergbau-Unternehmen Vale-Samarco hieß früher “Companhia Vale do Rio Doce”. Es wurde 1940 gegründet. 1984 schrieb einer der größten Schriftsteller Brasiliens des 20. Jahrhunderts, Carlos Drummond de Andrade (1902-1987), ein Gedicht, das sich “Lira Itabirana” nennt. In Itabirana wurde das Unternehmen Vale gegründet. Sein Gedicht, das jetzt in Brasilien aus Anlass der Katastrophe von Bento Rodrigues wieder entdeckt und in den sozialen Medien verbreitet wurde, sah voraus, dass die Tätigkeit des Berbauunternehmens früher oder später in einer Katastrophe enden wird.

Das Gedicht lautet (in meiner Übersetzung) so:

I
Der Fluss? Er ist süß.
Vale? Bitter.
Ach, damals
war die Fracht leichter.
II
Zwischen Staaten
und Multis,
wie viele gabe es!
III
Die interne Schuld
die externe Schuld
die ewige Schuld
IV
Wie viele Tonnen exportieren wir
an Eisen?
Wie viele Tränen verbergen wir
ohne zu schreien?

Der giftige Schlamm hat inzwischen das Tal des Rio Doce erreicht. Im Rio Doce wurde bereits eine hohe Konzentration an Arsen, aber auch an Quecksilber, Aluminium, Eisen, Blei, Bor, Barium, und Kupfer festgestellt.  Das Gift gefährdet Menschen, Tiere und das Grundwasser. BHP Billiton und Vale als Mehrheitsaktionär von Samarco haben inzwischen sich zur Einrichtung eines Notfonds mit 260 Millionen US$ bereit erklärt. Das wird wohl nicht reichen und noch steht offen, welche strafrechtlichen Konsequenzen aus dem Desaster gezogen werden müssen.

Die Wissenschaftlerin Marcelo Rodirigues beschreibt die Folgen für die Menschen und Natur:
Die Folgen dieser Tragödie, die tausende Menschen in jener Regionen betreffen, sind noch schlimmer als bekanntgegeben. Es ist wahr, dass einige endemische Arten des atlantischen Waldes verschwinden könnten, aber noch schlimmer sieht die Lage für jene Arten aus, die überleben werden und deren einzige Lebensgrundlage der Zugang zu Ernährung und Wasseraufnahme die Region ist und die durch die Gifte ihre Sehfähigkeit einbüßen könnten. Vorerst warten wir den von den beteiligten Unternehmen angekündigten Plan ab, während wird die Verseuchung in Richtung Meer beobachten. Leider können wir den schlimmsten Teil diese Tragödie nicht mit bloßem Auge sehen.


Informationsquelle
Poema de Drummond sobre o Rio Doce, que circula em redes sociais, nunca foi publicado em livro
A vida imita a arte: o dia que Drummond previu a tragédia de Mariana
Marcela Rodrigues: Tragédia do Rio Doce – impacto que a mídia esconde