Donnerstag, 19. November 2015

Der britischen Regierung ist für Atomwaffen kein Geld zu schade

Seit 1969 gleiten mit Atomwaffen bestückte britische U-Boote durch die Weltmeere. Sie wollen damit Gegner abschrecken, Großbritannien nuklear anzugreifen. Auch wenn das Land in Schutt und Asche liegt, soll der Angreifer noch bestraft werden können. Gegenseitig zugesicherte Vernichtung nennt man so etwas. Der Normalbürger wird das kaum noch verstehen, denn ein Atomkrieg, in dem sich die Länder gegenseitig mit Atomraketen beschießen, wird unserem Planeten ohnehin den Garaus machen, sowohl für Angreifer als auch Verteidiger.

Die britischen U-Boote sind seit 1990 mit jeweils 16 Trident-Atomraketen bestückt. Sie wurden 1980 unter der damaligen Premierministerin Thatcher als Ersatz für amerikanische Polaris-Raketen beschafft. Da diese nicht ewig halten, soll die Trident-Generation der U-Boote ab 2020 erneuert werden. Schlappe 117 Milliarden Euro soll das Erneuerungsprogramm kosten. Argumente für die Erneuerung ist die Abschreckung gegenüber bösartigen Staaten, gegen Terroristen, aber auch der Verlust von Großmachtansprüche des Vereinigten Königreichs. Zudem ist die nukleare Verteidigungsindustrie ein wichtiger Arbeitgeber im Land.

Die Konservativen wollen unbedingt die Erneuerung der Atomraketen und U-Boote. Labour ist seit der Wahl von Jeremy Corbyn zum Parteiführer zerrissen in dieser Frage. Corbyn selbst ist Gegner der Atombewaffnung. Heftiger Gegner ist die Schottische Nationalpartei (SNP), denn Schottland hat die größte Gefährdungslast zu tragen, da die U-Boote überwiegend in Schottland ihre Heimathäfen haben. Die SNP hat deswegen im Parlament einen Antrag gegen die Erneuerung gestellt: “Die Entscheidung 117 Milliarden Euro in die Erneuerung der Trident zu stecken, ist eine obszöne Verschwendung von Geld. Die Trident ist eine nutzloses Waffenarsenal aus dem kalten Krieg und sollt die Geschichtsbücher verbannt werden”, erklärte der Fraktionsführer der SNP im britischen Parlament. Hinzu kommt, dass das Trident-System nur mit Unterstützung der USA funktioniert.

Vor allem im Zeitalter extremer Kürzungen im Sozialbudget ist die Bereitschaft zur Bereitstellung von Milliardensummen für ein zweifelhaftes Waffensystem ein Affront gegen viele Menschen in Großbritannien. Die SNP wirft der Regierung vor, dass sie vor dem Unabhängigkeitsreferendum großspurig versprochen habe, dass beim Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich Arbeitsplätze gesichert würden. Jetzt verkündet die Regierung in London, dass in Schottland 17 Finanzämter geschlossen und 2.000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Deshalb besteht auch kein Verständnis dafür, dass für Atomwaffen, die Schottland nicht will, kein Preis zu hoch ist.

Siehe auch
Die Krim der Briten heißt Faslane
Ein unabhängiges Schottland bedeutet auch ein atomwaffenfreies Schottland

Informationsquelle
A guide to Trident and the debate about its replacement
Jeremy Corbyn facing revolt as backbench MPs ready to back Trident