Direkt zum Hauptbereich

Wie die Bärtigen sich über die Toten von Bukarest freuen, aber sich vielleicht damit selbst das Grab schaufeln

In Bukarest sind vor kurzem bei einem Brand in einem Nachtclub 31 Menschen ums Leben gekommen. Die Tragödie hat Schockwellen in die rumänische Gesellschaft gesandt und zu heftigen politischen Protesten geführt, in deren Gefolge der derzeitige Ministerpräsident Ponta samt seiner Regierung zurück getreten ist. Erstaunlich, wenn man weiß mit welcher Hartnäckigkeit gerade Ponta am Sessel klebte, obwohl strafrechtliche Ermittlungen wegen Korruption gegen ihn laufen. Einer, der bei den Protesten dabei war, Blogger Teo, schreibt: “Die Mitarbeiter des Ministerpräsidenten, die gestern auf den Boulevards von Bukarest die Proteste gesehen haben, wissen genau, dass dies kein politische Manöver war. Sie haben gesehen, dass es Wut war, authentische Wut. Aber sie sind nicht bereit, dies in der Öffentlichkeit zuzugeben. Einer von ihnen warnte, dass es sich um Wut und Hass handle. Ich war da, es war Frust und ein Kampfschrei. Aber kein Hass. Die Menschen von gestern Abend wollen Recht und keine Rache”.

Zum Ziel der Kritik wurde auch die Orthodoxe Kirche Rumäniens (BOR), repräsentiert durch Priester mit langen Bärten, die sich für die Gralshüter des Rumänentums halten und von den Regierenden – auch der kommunistischen Diktatur – bisher gehätschelt wurden. Ihre Führer haben auch das Bonzentum der korrupten kommunistischen und nachkommunistischen Eliten bestens kultiviert. Die Gläubigen haben ihnen zu dienen und nicht umgekehrt. So hat die BOR auch die Toten von Bukarest erst einmal ignoriert, denn die waren ja bei einem sündigen Vergnügen gestorben. “Die Menschen, die an den Ort der Tragödie beim Club Colectiv gekommen waren, beschuldigten die BOR, die Opfer ignoriert zu haben. Die Priester wären in den ersten Tagen danach  nicht zum Ort des Geschehens gekommen, um die Jugendlichen, die dort gestorben waren, zu ehren. Auch wurden keine Gedenkgottesdienste für die Verstorbenen abgehalten. Während die Orthodoxe Kirche es nicht für richtig hielt, für die Verstorbenen in der Kirche zu beten, sind die Repräsentanten der römisch-katholischen Kirche mit Kerzen zum Unglücksort gegangen und haben dort für die Opfer gebetet”, berichtete die Webseite “stiripesurse.ro”.

Patriarch Daniel, der oberste Führer der BOR ließ sich zu dem verächtlichen Spruch herab: “Es kommt Licht in die Kirche, nicht in den Club. Dort sind sie gestorben, aber wir beten in der Kirche”. Der Priester Filotheu Bălan wird noch etwas deutlicher: “Die Tatsache, dass viele Jugendliche beim Hören von makabrer Musik (um nicht zu sagen satanischer Musik) gestorben sind, kann als Strafe Gottes angesehen werden, denn oft straft Gott auf diese Art und Weise. Leider sind die Umstände, unter denen sie gestorben sind, in jenem Holocaust, zweifelhaft und nach der Lehre der Kirche ist es sehr schwer, dass man ihrer im Gottesdienst gedenken kann.”

Dorin Tudoran schreibt dazu im Blog “VoxPublica”: “ Das Motiv dafür, dass viele Jugendliche lieber in den Club als in die Kirche gehen, ist nicht die Hauptsorge des Patriarchen. Seine Hauptsorge ist die, dass die Eltern jener Kinder exakt in jener Zeit von der Kirche im Stich gelassen wurden als diese sie am nötigsten brauchten: Das war damals als sie selbst Jugendliche waren und ihre Eltern Tag und Nacht vor dem Schatten des kommunistischen Terrors zitterten. In der Zeit, in der die Führer der BOR ihre Botschaften an das Volk aus einem Mercedes titanischer Größe an die Gläubigen richten, fährt das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Fiat wie ein einfacher Musikinteressierter zur Vorstellung eines Albums mit progressiver Rock-Musik. Die Vorstellungen im Colectiv waren nicht vom Teufel organisiert und es endete nicht in einer Tragödie, weil Gott sich entschlossen hatte, diejenigen zu bestrafen die dort waren. Gott und den Teufel hier mit reinzuziehen, ist im besten Fall eine Dummheit. Der Teufel ist kein Zündler, Gott ist kein Feuerwehrmann”.

Unter dem Hashtag #COLECTIV organisiert sich inzwischen in Rumänien eine politische Gruppe mit dem Ziel des Aufbaus einer Agenda für eine Politik des sozialen Ausgleichs. Sie hat dafür einen Forderungskatalog erstellt. Punkt 7 fordert, die sofortige Einstellung der Finanzierung der BOR durch den Staat. Das wird so begründet: “Obwohl sie aus öffentliche Mitteln finanziert wird, hat sich die BOR im Gefolge des Unfalls im Colectiv und in den Tagen der nationalen Trauer ohne Mitgefühl gezeigt. Wir verlangen die Untersuchung der intransparenten Finanzierung der BOR, das Einstellen der Subventionen für den Bau der großen Kathedrale von Bukarest und der Kirchen generell und die Rückführung dieser Gelder in die öffentlichen und sozialen Dienstleistungen. Desgleichen verlangen wir als alternatives Schulfach statt Religion die Einführung eines Kurses zur Vermeidung von Bränden und solcher in erster Hilfe.”

Vermutlich ist die Orthodoxe Kirche unfähig, sich zu reformieren. Ähnlich den postkommunistischen Regierungen hat sie bisher gegenüber ihren Gläubigen ein arrogantes Verhalten an den Tag gelegt, während die Patriarchen, Äbte und Popen sich mit dem Staatsgeld, mit dem ihr Wohlverhalten gegenüber den Herrschenden gekauft worden war, vergnügten.

Siehe auch
Der Erzbischof belieben zu exkommunizieren, aber die Gläubigen sind nicht mehr das, was sie einmal waren
Was machen, wenn ein Lutheraner als Staatspräsident den Segen der Orthodoxen braucht?
Wie die Popen in Rumäniens Politik mitmischen
Rumänen fallen immer mehr vom Glauben ab
Kirchenfürsten nehmen Beispiel an des Diktators Größenwahn
Informationsquelle
Tragedia, politica și biserica
Viitorul are autor #COLECTIV. Revendicările stângii

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Frankreich ekelt sich vor seinen Schlachthöfen und empört sich über Tierquälerei

Massentierhaltung in Frankreich: 83% der Hühner werden in geschlossenen Ställen aufgezogen, 68% der Hennen und 99% der Kaninchen werden in Käfigen gehalten. 95% der Schweine fristen ihr kurzes Leben in geschlossenen Ställen auf Gitterrosten. Die Tiere werden nur als Handelsware gesehen, man verstümmelt sie (Kastration ohne Betäubung, Abschneiden der Schwänze oder der Schnäbel). Ihre Sterblichkeitsrate ist sehr groß, zum Beispiel sterben 20% der Schweine vor ihrer Schlachtung.

Industrielle Massentierhaltung wie in Deutschland auch. Das Tier wird nicht als Lebewesen gesehen, sondern nur als Handelsprodukt. Während in Deutschland die Konsumenten seit einiger Zeit ins Grübeln geraten sind und sich eine Bewegung gegen Massentierhaltung gebildet hat, hat man in Frankreich, das wir als Schlemmerland kennen, bisher beide Augen zugedrückt beziehungsweise die Verbraucher wollten nicht so genau wissen wie das Fleisch auf ihrem Teller gelandet ist. Zwar hat sich seit einiger Zeit ein…

Frankreich erfindet den Zahnarzt–Aldi

Die Großzügigkeit der französischen Krankenkassen bei Erstattung von Zahnarztkosten hält sich in Grenzen. In der Regel können Versicherte mit etwa 70% erstatteter Kosten rechnen, d.h. 30% muss selbst getragen werden. Die Zahnärzte sind jedoch oft mit den Tarif-Honoraren nicht zufrieden. Sie verlangen Aufschläge, die ebenfalls an den Versicherten hängen bleiben. Gerade dieser Aufschlag scheint in letzter Zeit bei den Zahnärzten in Frankreich sehr beliebt geworden zu sein. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Franzosen mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen, verursacht der Gang zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen den Betroffenen zusätzlich noch Bauchschmerzen wegen der finanziellen Belastung.

Frankreich hat zwar den Lebensmittel-Discounter nicht erfunden, darin sind die Deutschen wohl Weltmeister, aber in anderen Bereichen haben die Franzosen durchaus den Ehrgeiz zur durchgreifenden Rationalisierung, um die Preise zu senken. Besonders offensichtlich ist das…

Was kostet das Sterben in Spanien?

In Spanien sind 2011 knapp 400.000 Personen gestorben. Da gibt es für Bestattungsunternehmen zu tun. Der Generaldirektor der Bestattungsdienste “Mémora” hat gegenüber den Medien auf ein paar Zahlen im Zusammenhang mit der Beerdingungspraxis in Spanien verwiesen. Danach kostet die durchschnittliche Bestattung in Spanien 3.700 Euro. In Nordspanien sind die Bestattungen etwas teurer und im Süden etwas billiger. Er führt dies darauf zurück, dass man in Nordspanien auf eine bessere Qualität des Sarges achte und zudem die Überführungen über größere Distanzen erfolgen.

Die Billigversion einer Beerdigung wäre noch für 1.000 Euro zu haben. Aber auch die Spanier wollen es etwas gediegener, das heißt sie beauftragen ein Beerdigungsunternehmen und benutzen eine Aussegnungshalle. Bei internationalen Überführungen kommen in der Regel noch einmal 700 Euro dazu. Die Beerdigungsdienste von Mémora bieten auch eine Finanzierung der Beerdigung an. Dafür gibt es Kredite von bis zu 5.000 Euro, die man in…