Direkt zum Hauptbereich

Putins verkehrte Welt: Von Faschisten, die angeben gegen Faschismus zu kämpfen

Wer wundert sich nicht über das Russland's Politik gegenüber der Ukraine der letzten Monate, des letzen Jahres. Mit Schaum vor dem Mund wird beschworen, dass in Kiew die Faschisten die Macht übernommen haben. Die Krim wird mir nichts dir nichts besetzt und zum eigenen Staatsgebiet erklärt. Der Osten der Ukraine wird destabilisiert und mit russisch bezahlten Söldnerhorden zu einer Russland genehmen Separatistenrepublik umgemodelt. Tausende Ukrainer verlieren in brutalen Bombardements ihr Leben. Auch wenn noch ein Restverständnis für die sich von der NATO eingekreist glaubende Putin-Oligarchie vorhanden ist, so fühlt man sich doch immer mehr von den Sprüchen und Kampfparolen aus Moskau abgestoßen. Ganz einfach, weil man ihre Unglaubwürdigkeit gar nicht mehr beweisen muss, sie entlarven sich selbst.

Ein Bewohner der geschundenen Gebiet im Donbass hat jetzt einen Brief geschrieben, der auf der Webseite EMPR (Unabhängige Bürgermedien über die Ukraine) veröffentlicht wrude. Hier ein paar Auszüge aus dem Brief:

Ich stamme aus dem Donbass. Ich bin ethnischer Russe. Ich spreche fließend Russisch und Ukrainisch. Ich denke aber, dass Russisch meine Muttersprache ist. Ich bin kein Ukraine-Hasser. Ich habe neutrale Gefühle gegenüber der Ukraine. Ich habe lange zugesehen wie Putin Russland auf den Abgrund zusteuert und schon seit langem habe ich keine Bindung zu Russland mehr gefühlt.

Ich lege hohen Wert auf Bürgerrechte, die ich als Bürger der Ukraine in all den Jahren genossen habe. Dieselben Bürgerrechte, die es in der russischen Föderation nicht gibt. … Ich habe nie eine besondere Aufregung gespürt, wenn ich die blaugelbe Flagge gesehen haben; ich habe nie einen besonderen Wert auf die Hymne gelegt und ich mochte auch nie die Nationalisten. Aber ich hatte immer ein Interesse an der ukrainischen Kultur und von Anfang an war ich gegen die Idee einer Teilung.

Und dann kam der Frühling 2014. Feindliche und extrem aggressive “Verteidiger des Donbass” erschienen wie aus dem Nichts auf den Straßen. Ihre “Aktivitäten” begannen mit gewalttätigen Attacken auf friedliche Bewohner dieses Donbass. Zuerst waren die “Beschützer” unbewaffnet (zumindest offiziell) aber sie kamen mit pseudo-antifaschistischen Slogans und belästigten und griffen die Menschen, die in friedlichen Demonstrationen die Ukraine unterstützten, an. Ich erinnere mich noch an die Sprüche, die sie online veröffentlichten: “Die Faschisten demonstrieren am 13. März. Komm, lasst uns sie treffen. Bringt Operationsbesteck mit, mit dem wir sie kurieren können”.

Ist das nicht das, was den Faschismus ausmacht? Wir sollten uns daran erinnern, dass an jenem Tag in Donezk tausende Menschen sich versammelten, um für eine einige Ukraine zu demonstrieren. Sie wurde heftig von den “Verteidigern des Donbass” attackiert. Menschen wurden zu Krüppeln zusammengeschlagen und Dmytro Cherniavskyi mit Messerstichen getötet.

Alles wurde auf den Kopf gestellt. Jeder, der sich der Teilung der Ukraine wiedersetzte wurde automatisch als Faschist, als Maidan-Perverser, Bandit, Feind des Volkes und nicht menschliches Wesen bezeichnet. Wenn man sagte, dass man sich als keiner von den Vorgenannten bezeichne, dann wurde erklärt “das gibt’s nicht”. Egal, was man sagte, man war der Feind. Es war besser nicht zu diesem hysterischen Mob zu gehen, der sich vor dem Gebäude der Staatsverwaltung versammelte. Vergiss Ideen wie ein faires Verfahren, Rechtsanwalt einschalten, Strafprozessnormen beachten. Vergiss ganz einfach die Möglichkeit gehört und auch erhört zu werden. Der Ungeist des Mobs regierte und der Mob verlangte eine faschistisches Opfer, das man misshandeln konnte und je schlimmer man es tat umso besser. Alle, die an der Euromaidan-Bewegung teilnahmen (sowohl in Kiew wie auch in Donezk) wurden zu Feinden des Volkes erklärt und auf eine Liste der Gesuchten gesetzt.

Und es waren die Bewohner des Donbass (eingeschlossen ethnischen Russen und die russisch sprechenden Bewohner), denen die Freiheit von diesen “Beschützern” (mit der Einrichtung von Checkpoints) genommen wurde und deren Recht auf Privateigentum verletzt wurde (Wohngebiete wurden durchsucht und Autos wurden beschlagnahmt und an Checkpoints durchsucht). Es waren die Bewohner des Donbass, die zum “Klo” geschleppt wurden, die summarisch hingerichtet und aller ihrer Bürgerrechte beraubt wurden, ohne Ausnahme: Redefreiheit, Gewissens- und Religionsfreiheit (für diese wurde zum Beispiel eine Repressionspolitik gegen Protestanten und die Orthodoxen von Kiew in den Separatistengebieten eingeführt).

Postbüros und Banken sind geschlossen wegen der “Beschützer”. Die “Beschützer” stellen in den Schulen und Gymnasien irgendwelche Dokument statt eines Zeugnisses oder Diplom aus. Und letztendlich gibt es wegen den “Beschützern” keinen gesetzlichen und legalen Schutz der Bürger und Pensionen und Sozialhilfezahlungen werden nicht ausgezahlt. Und um es zu wiederholen, wegen der “Beschützer” sind wir gezwungen in einer von der Welt nicht anerkannten “Donezker Volksrepublik”, die in Wahrheit weder Donezk noch die Menschen repräsentiert geschweige denn eine Republik ist, zu leben.

Ich glaube, ich kenne noch einen anderen Grund weswegen Putin sich nicht entscheiden kann, ob er nun Donezk mit Russland “vereinigen” soll, obwohl alles für ihn in die Richtung zeigt, dass eine Vereinigung sowohl unausweichlich als auch notwendig sein wird. Putin hat Angst, dass, nachdem Donezk befreit ist, große Massen von Menschen auf den Zentralplatz kommen werden und unter einer blauen und gelben Flagge demonstrieren werden, daß sie die grenzenlose Unmenschlickeit von Putin und seiner Schergen überlebt haben. Er hat Angst davor, etwas so Mächtiges zu sehen. Das wird am Ende der letzte Nagel sein, der in den Sarg seiner doppelten Standards, seiner Heuchelei, seiner Betrügereien und seiner Propaganda getrieben wird.

Informationsquelle
A letter from occupied Donetsk: reality Putin does not want to see

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Tolhaus Madrid oder wie verhindere ich die Wahl eines demokratisch gewählten Politikers zum Präsidenten

Die katalanische Krise geht weiter. Nachdem die Wahlen zum katalanischen Parlament, die von der Zentralregierung in Madrid nach dem Unabhängigkeitsreferendum angeordnet worden waren, für dieselbe mit einem Schuss ins Knie endete und die Parteien, die für die Unabhängigkeit oder zumindest einer Änderung der spanischen Verfassung hinsichtlich der Organisation des Staates eintraten, die überwiegende Mehrheit erhalten hatten und die Partei Partido Popular des Ministerpräsidenten Rajoy nur noch mit einem unter der Fraktionsgrenze liegenden Grüppchen im katalanischen Parlament vertreten ist, hätte man denken können, dass diese Situation vielleicht zur Lösung des Konflikt über Gespräche der Konfliktparteien hätte führen können.

Puigdemont, der katalanische Präsident, der sich seiner Verhaftung entzogen und nach Brüssel abgesetzt hatte, hat auf jeden Fall seine Gesprächbereitschaft zu erkennen gegeben. Aber in Spanien sind die Kräfte des Zentralismus noch viel zu stark, um an eine andere Lösu…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Wer braucht in den USA einen Psychiater? Die Waffenlobby oder kriminelle Täter?

Die Medien berichten: Ein 19-Jähriger schießt am Valentinstag an einer High School in Florida um sich. 17 Menschen sterben. Schüler berichten von Momenten der Verzweiflung. Viele Schüler lieferten verzweifelte Berichte ab, schilderten wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten.

US-Präsident Trump betet wie immer, wenn solche "Schicksalsschläge" kommen, und sein Hauptproblem ist der Täter,  von dem er die Opfer tröstend twittert, dass der 19-jährige Schütze offensichtlich „mental gestört“ und aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden sei – und wie wichtig es sei, solche Verhaltensauffälligkeiten den Behörden zu melden. Hallo Herr Präsident, gibt's da noch etwas anderes? Warum läuft ein 19-jähriger mit einem halbautomoatischen Gewehr rum? Könnte es sein, dass der von der Waffenlobby geschürte amerikanische Waffenwahn der Grund für die viele…