Sonntag, 8. März 2015

Die Betonfraktion in Sevilla will dem Guadalquivir an den Kragen und die Justiz stellt sich dagegen

Sevilla, besser gesagt interessierte Kreise in Sevilla um den Oberbürgermeister Zoido, möchte gerne ein große Hafenstadt werden. Nun liegt Sevilla nicht am Meer, sondern am Fluss Guadalquivir und sein derzeitiger Hafen kann derzeit nur mit kleineren Schiffen angesteuert werden. Das passt nicht in das gigantomanische Weltbild des Oberbürgermeisters und der mit ihm verbundenen und auf Aufträge hoffenden Bauindustrie. Deshalb hatte die Stadt beschlossen, den Hafen auszubauen und dafür den schiffbaren Teil des Guadalquivir zu vertiefen. Das ganze wurde kleingeredet und als eine sogenannte “begleitende Maßnahme” deklariert.

Nun gibt es in Spanien auch schon Umweltschutzorganisationen, die ein aufmerksames Auge auf die Pläne der Politiker werfen. Das Mündungsgebiet des Guadalquivir und der mit ihm verbundene Nationalpark der Coto de Donaña sind Spaniens wichtigstes Freuchtgebiet. Er ist ist ein wichtiges Rastgebiet für europäische Zugvögel, die hier auf ihrer Reise nach Afrika Station machen. Über die Hälfte aller europäischen Vogelarten wurde im Park nachgewiesen. Das Gebiet gehört zum Netz “Natura 2000”. Natura 2000 ist offizielle Bezeichnung für ein kohärentes Netz von Schutzgebieten, das innerhalb der Europäischen Union nach den Maßgaben Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (kurz FFH-Richtlinie). Die von den Konservativen geführte spanische Regierung hat während ihrer bisherigen Regierungszeit ständig versucht, die Umweltschutzregeln einzuschränken. Der Oberbürgermeister gehört ebenfalls der Partei der PP, die eng in das Korruptionsnetz der spanischen Baulöwen verwickelt ist, an.

Nun hat der oberste spanische Gerichtshof vor ein paar Tagen auf Klage von Umweltschutzverbänden den Beschluss zur Vertiefung des Guadalquivir ab Sevilla für null und nichtig erklärt. Das Gericht stützte sich auf wissenschaftliche Gutachten und stellte die Erhaltung der Wasserqualität, die in diesem Bereich ohnehin sehr delikat ist und durch die Vertiefung noch mehr gelitten hätte, über die Wünsche Sevillas nach einem Großhafen.

Esteban de Manuel Jerez, Blogger und Sprecher der grünen Partei EQUO, zieht aus dem Urteil in seinem Blog “Letras Emergentes” folgende Schlußfolgerung:

Die Vertiefung des Guadalquivir  zusammen mit dem Bau einer neuen Schleuse ist ein Entwicklungsmodell, dass auf Megaprojekte setzt mit der Illusion, dass dadurch - gegen alle bisherige Erfahrungen – neue Arbeitsplätze entstehen. Es ist sicher, dass die großen Bauunternehmen prächtige Verträge erhalten und dass Arbeit in der Bauindustrie geschaffen wird. Spanien ist voll von Autobahnen ohne Autos und Flughäfen ohne Flugzeuge, die mit denselben Argumenten durch diejenigen gerechtfertigt wurden, die auch die neue Schleuse ohne Schiffe bauen ließen, die uns 160 Millionen Euros – nur 106 Millionen Euros mehr als der Kostenvoranschlag – gekostet hat. Wir sehen hier eine skandalöse Verschleuderung öffentlicher Gelder in ein Projekt, das wenn es fortgeführt würde die Lebensgrundlagen unumkehrbar schädigen und in Andalusien tausende von Arbeitsplätzen zerstören würde. Der Oberbürgermeister, der dieses Projekt als eine Zauberlösung für neue Arbeitsplätze angepriesen hat, steht nun da wie der König ohne Kleider.

Aus diesem Fall können wir mehrere Lektionen ziehen. Die erste und wichtigste ist, dass wir dem einstimmigen Chor, der auf Projekte setzt, die versprechen tausende von Arbeitsplätzen zu schaffen, indem die Grundlagen des Lebens geschädigt werden, nicht trauen sollten. Auf diesem Weg zerstören wir mehr Arbeitsplätze als wir neu schaffen und wir beschädigen unsere lebensnotwendigen Ressourcen. Die Zweite Lektion ist, dass man über einen anderen Weg nachdenken sollte. Wenn uns der ausgelaugte Weg der Entwicklung nicht aus der massiven Arbeitslosigkeit geholfen hat, dann sollten wir einen anderen Weg nehmen. Die Wissenschaft gibt uns dafür die Werkzeuge. Wir müssen das herrliche natürliche Gut, das der Guadalquivir für uns ist, als ein Schlüsselelement, das unsere Ernährung sichert und der uns mit Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und im Fischfang versorgt, sehen. Und wir müssen von Ländern lernen, die eine Industrie des Fluss-Tourismus entwickelt haben, mit Schiffen, die an den Fluss angepasst wurden und nicht umgekehrt. Das Mündungsgebiet des Guadalquivir bietet ein enormes Potential, der Auswirkung auf die Beschäftigung und Lebensqualität aller seiner Anwohner und unserer Besucher hat. Statt mit den Häfen von Cádiz und Huelva in einen Wettstreit zu treten, sollte Sevilla eine positive andalusische Führung für ein alternatives Projekt übernehmen. Ein anderes Modell ist möglich, wenn wir es wollen.


Informationsquelle
El supremo pone las cosas en su sitio respecto al dragado del Guadalquivir: otro modelo de desarrollo es posible
El TS anula el dragado del canal del puerto en el Guadalquivir