Direkt zum Hauptbereich

Auch Rumänen wollen nicht vergiftet werden: Hau ab Kronospan!

Kronospan ist ein Unternehmen der holzverarbeitenden Industrie in Rumänien, das österreichischen Eigentümern gehört. 2004 kaufte der Konzern der italienischen Gruppe MD Fratti ein Produktionsstätte im rumänischen Sebeș (Mühlbach) ab. In Sebeș betreibt Kronospan auch eine Fabrik zur Produktion von Formaldehyd, wo zur Zeit jährlich 30.000 Tonnen dieses Stoffs hergestellt werden. Das reicht Kronospan nicht, das Unternehmen will jetzt eine Formaldehyd-Fabrik bauen mit einer Produktionskapazität von 60.000 Tonnen.

Die Wiener Zeitung schrieb im vergangenen Jahr über die Eigentümer: Sie zählt zu den reichsten Familien Österreichs, die Salzburger Industriellen-Dynastie Kaindl. Unter diesem Namen werden Parkett- und Laminat-Böden verkauft. Hinter Kaindl steckt aber auch noch Kronospan, der größte Spanplatten-Erzeuger Europas mit einem Umsatz von zirka zwei Milliarden Euro und weltweit insgesamt 14.000 Mitarbeitern. Die über den Globus verstreuten 40 Werke werden überaus autonom geführt, sie sind bloß eingebettet in eine komplexe Struktur von kaum einsehbaren Holdings in Steueroasen wie Zypern und den Kanalinseln.

Auf seiner rumänischen Webseite schreibt Kronospan unter der Rubrik “Politik der sozialen Verantwortung”: Als weltweiter Marktführer der holzverarbeitenden Industrie legt Kronospan täglich Wert darauf, ein Beispiel an Verantwortung gegenüber der Umwelt und den Menschen zu sein. Deswegen haben wir die Stiftung Kronospan gegründet, über die wir Programme und Projekte zur sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung für die lokalen Gemeinschaften anbieten, wo wir aktiv werden zur Erhaltung eines ausgeglichenen Ökosystems und und zum Umweltschutz.

Toll könnte man sagen, ein Unternehmen, das seiner ethischen Verantwortung in höchstem Masse gerecht wird. Wenn da nur nicht diese Proteste am Produktionsstandort Sebeș wären. Sie nehmen immer mehr zu und bekommen immer größeren Zulauf. Eine Online-Petition erklärt warum:
Bezüglich der Umweltverschmutzung ist inzwischen Sebes schlechter dran als Zlatna oder Copsa Mica. Und das nicht seit ein paar Tagen, sondern bereits seit 5 Jahren. Ich habe mich an den europäischen Kommissar für die Umwelt gewandt. Ich bin am Ende meiner Geduld. Die Bewohner von Sebes haben die Hoffnung verloren, dass jemand ihnen das verfassungsmäßige Recht, in einer sauberen Umwelt  zu leben, garantiert. In Sebes hat der Verschmutzer Kronospan das Recht, uns täglich krank zu machen und umzubringen. Die Behörden haben davor Angst einzuschreiten und krebserzeugende Verschmutzung in Sebes zu stoppen. Bis wann noch? Täglich werden 36.000.000 mc giftiger Gase in die Umwelt abgelassen, das kumuliert sich aufs Jahr auf 436.000.000 mc giftiger Gase, die in barbarischer Weise die Luft verschmutzen. So erklärt sich der milchige Nebel der Kronospan, der die Zone Sebes-Alba Iulia bedeckt.
Auf diese Weise wurden in Sebes wurden innerhalb von 5 Jahren mehr als 218.000.000 mc giftiger Gase akkumuliert. Zusammen mit den Gasen wird auch Feinstaub ausgestoßen mit einem Durchmesser von 10 Mikrometer, bekannt als kanzerogenes PM10, mit einer Menge von mindestens 1.000 kg bis 5.400 kg täglich.  Ein Wert von 1.800 kg ist der gesetzliche Grenzwert. In Sebes wurden in den 5 Jahren 1.600.000 kg von dem Krebs auslösenden Feinstaub in die Umwelt ausgestoßen!
Bei der Verarbeitung der Holzplatten MDF wird Harnstoff-Formaldehyd hergestellt, der krebserregendes Formalhydrid enthält. Die Weltgesundheitsorganisation hat in einer Pressemitteilung erklärt, dass Formaldehyd für den Menschen krebserregend ist und hat das Gas in Gruppe I der krebserregenden Stoffe eingestuft.

Dieser Alarmruf wurde bereits im Jahre 2008 an das rumänischen Umweltministerium gerichtet. Es scheint sich aber bisher nichts geändert zu haben. Die Behörden wiegeln ab und ziehen den Zorn ihrer Bürger auf sich. Die Angst, einen internationalen Konzern zu verprellen, ist zu groß. Die Menschen in Sebes und Umgebung lassen sich das aber nicht mehr gefallen. Bereits zu Beginn des Jahres begannen in verstärktem Umfang die Demonstrationen gegen den Umweltverschmutzer Kronospan. 1.500 Menschen zogen mit Protestplakaten mit dem Text “Stoppt die Verschmutzung! Formaldehyd = Krebs” durch die Straßen von Sebes. Die Protestierenden haben großen Zulauf und ihr Protest wird inzwischen im ganzen Land zur Kenntnis genommen. Inzwischen wird die Stimmung auch aggressiver gegenüber Kronospan: “Kronospan hau ab!” ist inzwischen zu hören. Das ist für einen rumänischen Ort, der sehr auf einen Konzern mit Arbeitsangebot angewiesen ist, sehr unüblich und lässt darauf schließen, dass die verursachte Umweltverschmutzung für die Menschen inzwischen tatsächlich unerträglich geworden ist. Kronospan hat deshalb seine Beschäftigten auf die Straße geschickt. Sie protestierten gegen die Proteste

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…

Großbritannien, das zerstrittene Königreich, auf den Spuren Griechenlands

Das Vereinigte Königreich (UK) verlässt die EU. Nach dem Brexit-Referendum hatten die regierenden Konservativen  um Premierministerin May entdeckt, wie toll ein solcher Abschied vom europäischen Kontinent ausgehen könnte. Ungeahnte Möglichkeiten würden dem Land in der weiten Welt winken, die nur darauf warte, mit den Briten ins Geschäft zu kommen. Realistischerweise hat Premierministerin May schon einmal erklärt,  dass das nur funktioniere, wenn das Land zu einer Steueroase à la Panama umgebaut werde.

Die EU schien in dieser Zukunftphantasie keine Rolle zu spielen,  obwohl sie doch der größte Handelspartner des Landes ist. In einem Anflug von völliger Betriebsblindheit setzte May noch Neuwahlen an, weil man ihr eine überwältigende absolute Mehrheit prognostizierte. Das ging dann gründlich schief und jetzt steht Großbritannien ratlos vor einem Scherbenhaufen. Plötzlich kommen auch Bedenken auf, ob ein knallharter völliger Abschied von der EU tatsächlich für Großbritannien positiv sein…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…