Mittwoch, 18. März 2015

Die euroskeptischen Engländer bedrohen Schottlands Platz in Europa

Humza Yousef, geboren 1985, Sohn einer kenianischen Mutter und eines pakistanischen Vaters, die in den 60er Jahren nach Großbritannien einwanderten, ist schottischer Minister für Europa und Internationale Entwicklung. Humza Yousef hat in Glasgow studiert und war in verschiedenen Projekten der Sozialarbeit tätig. 2011 wurde er – mit 25 Jahren der jüngste Abgeordnete - in das schottische Parlament gewählt. Seinen Diensteid leistete er in Englisch und Urdu, der Sprache seines Vaters. Im November wurde er in der Funktion eines Staatsministers zum Minister für Europa und Internationale Angelegenheiten ernannt. Er ist der erste muslimische Minister im schottischen Kabinett.

Humza Yousef ist auch überzeugter Europäer. Er sprach vor kurzem seine Überzeugung aus, dass der euroskeptische Kurs des britischen Parlaments die Stellung Schottlands in Europa gefährde. Ein britisches Referendum über den Austritt aus der EU bezeichnet er als große Gefahr für Schottland. In einer Debatte im schottischen Parlament gestern erklärte er, wo sich Schottland in der Europadebatte sieht:

Ich beantrage, dass das schottische Parlament Schottlands Platz in der Europäischen Union und seine Rolle als ein konstruktives Mitglied unterstützt ; dass es die Bedeutung des EU-Binnenmarktes, der Schottland den Zugang zu einem Markt von 550 Millionen Menschen und 22 Millionen Geschäftsbereichen ermöglicht, anerkennt. Zudem anerkennt es die zusätzlichen kulturellen und bildungsfördenden Vorteile einer EU-Mitgliedschaft und hebt die Bedeutung der Tatsache hervor, dass Schottland so einen Beitrag zur EU-Politik erbringen kann, insbesondere im Hinblick auf die Empfehlungen der Smith-Kommission, in Hinblick auf Unterstützung der Arbeit der schottischen Regierung für eine nachhaltige Entwicklung, das Angehen seit langem bestehender Ungleichheiten und Eintritt für den Schutz des öffentlichen Dienstes Schottlands. Es soll die Bedeutung von Schottlands EU-Mitgliedschaft anerkennen und schützen. Es begrüßt den Vorschlag der schottischen Regierung über eine doppelte Mehrheit, die verhindern würde, dass Schottland aus der EU austritt gegen den Willen seines Volkes.

Die anschließende Diskussion im schottischen Parlament zeigte: Die schottischen Abgeordneten sind weit überwiegend für einen Verbleib Großbritanniens oder wenn andere Landesteile sich für einen Austritt entscheiden, dann einen Verbleib Schottlands in der EU. Deshalb wird die doppelte Mehrheit von der schottischen Regierung für ein gegebenenfalls stattfindendes Referendum über den EU-Austritt Großbritanniens vorgeschlagen . Der Vorschlag ist Dynamit für das Vereinigte Königreich, denn er würde bedeuten, dass sich Schottland erneut die Unabhängigkeitsfrage stellen wird, falls die Briten sich für einen EU-Austritt entscheiden, aber eine Mehrheit der schottischen Bevölkerung sich gegen einen Austritt entscheidet.


Informationsquelle
Meeting of the Parliament 17 March 2015
‘Eurosceptic’ Westminster threatens Scots EU place