Donnerstag, 5. März 2015

Die WM-Stadt in Recife: Außer Spesen nichts gewesen

Die “Cidade da Copa”, die Stadt  der (Fußball-)Weltmeisterschaft in Recife, sollte laut Wikipedia portugiesisch die erste “intelligente” Stadt Lateinamerikas werden. Mit High-Tech sollten Sicherheit, Nachhaltigkeit und Transport auf höchstem Niveau geboten. Hörte sich doch toll an. Der Ausbau der WM-Stadt rund um das WM-Stadion im Vorort von Recife, in São Lourenço da Mata sollte in mehreren Etappen ausgebaut werden mit dem Endziel, dass die neue Stadt bis 2025 fertig ist.

Wie sich immer mehr herausstellt, entpuppt sich das als schöne Reißbrett-Träume . “JConlineblogs” berichtete vor kurzem aus Recife wie es tatsächlich in der “Cidade da Copa” aussieht. Hier der Bericht:

Nautico, Santa Cruz und Sport können nicht verhindern, dass der Publikumszulauf zum WM-Stadion rapide abnimmt. Leere Kassen und laufende Verluste machen das Stadion zum weißen Elefanten, wo es doch eigentlich der Ankerpunkt für die Cidade da Copa, einem Immobilien-Projekt, das sich auf 1,6 Mrd R$ (ca. 500 Millionen Euro) beläuft, ist. Was ein Stadtviertel sogar mit einer Universität werden sollte, wird ein Traum, von dem sich die Regierung bereits verabschiedet hat. Das Projekt, das der Staat (Pernambuco) als Spielort der WM 2014 in der Ära des Gouverneurs Eduardo Campos verkaufte, ist heute undurchführbar.

Die vorgesehenen Ladengeschäfte des Stadions haben sich bereits von Beginn der Ausschreibung an als Phatnom herausgestellt. Im Juni 2010 verpflichtete sich die Regierung, dem Stadion bis 2043 mindestens 60 Spieleder 3 Recifenser Clubs (Nautico, Santa Cruz und Sport) pro Jahr zu vermitteln. Ohne diese Spiele hätte es keinen Baubeginn gegeben. Da das nicht praktikabel war, fing der Staat im Dezember 2010 an, für die Spiele zu bezahlen. Die geschätzten Einnahmen für das Stadion wurden mit 110 Millionen R$ (ca. 34 Mio Euro) berechnet. Immer wenn die Einnahmen zu 50% unter dieser Schätzung liegen sollten, dann sollte der Steuerzahler die Rechnung bezahlen. Das Problem ist, dass nach dem Rechnungshof, eine viel zu hohe Schätzung vorlag. Die Einnahmen liegen bis jetzt um 81% unter den Erwartungen und die Entschädigungszahlungen werden Routine.

Es hat große Wirkung auf die weitere Entwicklung, dass es die geplante WM-Stadt noch nicht gibt. Sie würde Leute anziehen, die dort leben und im Umfeld arbeiten und damit für ein potentielles Publikum sorgen würden für Spiele und Veranstaltungen. Aber es gibt keine Stadt oder ein Viertel wegen eines Fehlers im Vertrag, der Fristen für die einzelnen Bauetappen vorsah – zum Beispiel sollte bis 2015 ein Drittel der Gebäude errichtet worden sein. Es geht um alles oder nicht. Die Regierung kündigte bereits eine Revision der Vereinbarungen an, eingeschlossen das Fallenlassen des Immobilienprojekts.

Das Resultat werden wir noch sehen. Aber man sollte den Gesamtzusammenhang sehen. Es gibt eine nationale Krise, der Markt ist zusammengebrochen und wegen des Korruptionsskandals Lava Jato geben die Banken keine Kredite mehr. Abgesehen davon, die einzig vorgesehene Vertragsstrafe für den Fall, dass die Cidade da Copa nicht gebaut wurde, war die, dass die Regierung das Stadion übernimmt und (das Bauunternehmen) Odebrecht entschädigt wird. So schlimm das aussieht, es könnte immer noch die billigste Lösung sein. Für den Gouverneur Paulo Câmara bleibt nur noch die Verlegenheitslösung, etwas zu stoppen, was nie gestartet war.

Die FIFA ist weg, der Jubel verrauscht, die WM für die Brasilianer verloren und wieder einmal kommt dann die nachträgliche Rechnung eines sportlichen Großspektakels. Pernambuco gehört zu den ärmsten Regionen Brasiliens und der Steuerzahler muss nun die Folgekosten bezahlen. Letztendlich bleibt dann nur noch die Lösung, das WM-Stadion der schnellen Arbeit des Tropen-Klimas zu überlassen. All dies Geschwätz um Nachhaltigkeit, wenn es um Olympiade oder ein sonstiges Großspektakel geht, sollte man aber schnell vergessen. Kassiert haben einige wenige wie die Bauunternehmen, der Rest buckelt für die nächsten Jahre die Schulden.

Informationsquelle
O adeus à Cidade da Copa