Direkt zum Hauptbereich

Wie Horacio Cortes beschwingt mit dem Segen des Papstes ein anderer Mensch wird

Horacio Cortes ist paraguayischer Staatpräsident. Er wurde 2013 gewählt als Vertreter der konservativen Colorado-Partei und das ein Jahr nachdem der ehemalige Bischof Fernando Lugo in einem umstrittenen Amtsenthebungsverfahren 2012 von den konservativen Kräften aus dem Amt vertrieben worden war. Cartes gehört zu den reichsten Männern Paraguay’s. Diesen Reichtum soll er, so geht das Gerücht, durch Geldwäsche, Zigaretten-Schmuggel und Drogenhandel erworben haben. Einmal reich geworden gibt es sich aber als geläutert. Seinem Volk verkündete er nach der Wahl, dass er auf das Gehalt eines Staatspräsidenten verzichten werde. Ansonsten hat er dem Volk einen “neuen Weg” und Wirtschaftswachstum für alle versprochen. “Ich bin nicht in die Politik gegangen, um Karriere zu machen oder wohlhabender zu werden”, waren seine Worte nach der Wahl. In die Regierung berief er nur Technokraten und vergrätzte damit seine Partei, die Colorados, deren Vertreter gehofft hatten, dass sie nun das Recht hätten, “wohlhabender” zu werden.

Nach außen ein populistischer Volksvater ist er aber zusammen mit seinen Technokraten ein hartgesottener Anhänger der neoliberalen Idee. So erließ er ein Gesetz über “öffentlich-private Partnerschaften”, mit dem es der privaten Industrie ermöglicht wird in die Infrastruktur Paraguay’s zu investieren. Der Staat bezahlt diese Investitionen an die Privatindustrie dann über Gebühren und Abgaben. Die beglückten Volksmassen waren damit aber gar nicht einverstanden. Im März kam es seit langer Zeit wieder zu einem Generalstreik in Paraguay. Gestreikt wurde für ein weiteres und besseres Sozialsystem, Anhebung des Mindestlohns um 25%, Stopp der Gewalt gegen die Bauern, Umsetzung der Agrarreform und Respektierung der Gewerkschaftsrechte.

Hinzu kommt, dass sich die Sicherheitslage immer mehr verschlechtert. Inzwischen gibt es eine Guerilla mit Namen “Ejercito del Pueblo Paraguayo (EPP)” (Armee des paraguayischen Volkes), zu deren Bekämpfung durch das Militär sich Cortes per Gesetz ermächtigen ließ. Das erste Jahr lief für Herrn Cortes nicht gut, die Unzufriedenheit ist in kurzer Zeit gewachsen. In einer Umfrage vom Februar dieses Jahres waren die Befragten nur zu 5,5% der Meinung, dass Cortes’ Regierungszeit die beste der letzten 25 Jahre war. Dem gestürzten Fernando Lugo attestierten in der gleichen Umfrage 42,8% ihre Zustimmung als beste Regierung der letzten 25 Jahre.

Die katholische Kirche spielt bei den paraguayischen Eliten und Mächtigen eine große Rolle. Sie ist eine zuverlässige Stütze gegen die Vorstellungen des Volkes zur Teilhabe am Wohlstand und für den Machterhalt der Eliten. Jetzt gibt es aber einen südamerikanischen Papst, der Bescheidenheit und das soziale Engagement in den Vordergrund stellt. Papst Franziskus kennt also seine südamerikanischen Pappenheimer. Natürlich eilen sie jetzt alle in den  Vatikan, um sich den Segen des auch im Volk populären Papstes zu holen, in dessen Windschatten sie dann hoffen sich beim Volk profilieren zu können. So auch Horacio Cartes, der Ende April mit einer Delegation von 10 Personen den Papst heimsuchte und nach eigenem Bekunden erfahren durfte, dass der Papst “ihm gebeichtet habe, dass er das paraguayische Volk liebt und bewundert”.”Bei mehreren Gelegenheiten sagte er, dass wir auf ihn zählen können. Und du hast das Gefühl, dass es nicht nur ein Wort ist und man sich wirklich auf ihn verlassen kann. Er zeigt ein reines Herz und reine Liebe gegenüber uns”, schwelgte Cortes nach der Audienz. Aber der Papst hat ihm noch einmal ins Gewissen geredet, indem er ihn erinnerte, dass der Kampf gegen die Armut intensiviert werden muss.

Vielleicht ist es ein Folge dieser Ermahnung, dass Cartes jetzt dieser Tage die Staatsbeamten Paraguay’s aufgefordert hat, dass sie dem Volk dienen und es nicht ausrauben sollten. Seine Äußerungen machte er bei der Einweihung des Programms Tekoporá für bedürftige Familien. Wörtlich erklärte der Staatspräsident: “Wir sind nur einfache Verwalter dessen, was allen gehört, die Verwirrung entsteht, wenn wir an die Macht kommen und glauben, dass das was euch gehört unser ist. Nein, es gehört euch und wir müssen dafür sorgen, dass es euch zur Verfügung steht. Dafür ist die Regierung da”. Damit gibt er zu, dass es üblich ist, dass in Paraguay diejenigen, die in Ämtern sind, das Volk ausrauben und er vertritt die Überzeugung, dass das geändert werden muss. Die Worte des Papstes, zeigen sie hier ihre Wirkung?

Siehe auch:
Vatikan hat es eilig mit der Segnung von Putschisten

Informationsquelle
Paraguay's President Horacio Cartes: A Year Later
Horacio Cartes agradeció al papa Francisco su cariño a los paraguayos
El presidente de Paraguay pide a los funcionarios públicos que no roben más

Beliebte Beiträge

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

Irland hat zu kuschen, wenn es nach Brexit-Britannien geht

Irland und Großbritannien verbindet eine schwierige Geschichte, bei der bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts Irland in der Rolle einer britischen Kolonie steckte. Einer Kolonie, die von den Okkupanten nach Strich und Faden ausgebeutet wurde. Iren hege keine Sympathie für ihre britischen Nachbarn. Letztere hingegen pflegen weiterhin gerne ihren Hochmut gegenüber dem ehemaligen Kolonialvolk. 
Beide Länder gehören der EU an und über die EU konnte auch der langjährige blutige Bürgerkrieg in Nordirland befriedet werden. Der Brexit reißt den Graben wieder auf. Da in Großbritannien, vor allem in England - in Schottland sieht die Lage anders aus - der Brexit auch die Rückkehr zum alten Hochmut der Kolonialherrschaft bedeutet, taucht sie wieder auf am Horizont: Die Feindschaft zwischen dem Herrenvolk und seinem Sklavenvolk. 
Der aus Irland berichtende britische Journalist Chris Johns beschreibt in der Zeitung Irish Times wie er die Situation empfindet:

Ich habe von Michael Collins gehört, be…

3 Jahre Dürre, Spanien entwickelt sich immer mehr zur Wüste

Der staatliche spanische Wetterdienst (AEMET) hat dieser Tage Bilder veröffentlicht, die den Stand der Niederschläge vor 3 Jahren mit denen von heute vergleicht. Es ergibt sich ein klares Bild: Spanien geht immer mehr das Wasser aus. Gab es vor 3 Jahren noch blaue Flecken mit regenreichen Gebieten im Nordwesten, so sind diese inzwischen vollständig verschwunden. Im restlichen Land nimmt die braune Fläche gravierend zu. Ein Zeichen, dass vielen spanischen Regionen das Wasser ausgeht.

Die Zeitung "La Vanguardia" zitiert den Wetterdienst wie folgt:
Technisch gesprochen zeigt das Bild die photosynthetische Aktivität. Es ist nicht so, dass dort wo es 2014 noch Bäume gab, dass es diese nicht mehr gibt, sondern dass es keine grüne Vegetration mehr existiert, weil es nicht mehr regnet. Wir sagen, dass es eine andere Form ist, um die Dürre zu erkennen.

"La Vanguardia" berichtet weiter:
Es ist sicher, dass sich die Dürre immer mehr verschärft. Seit 2015 sind die Quellen des …

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Bittere Cashew-Nüsse und schwarze Kinderhände

Im Nordosten Brasiliens werden die beliebten Cashew-Nüsse, auf deutsch auch Kaschu genannt, geerntet. “Der Cashewbaum trägt ungewöhnliche Früchte, augenscheinlich sind es sogar zweierlei verschiedene: die bunten Cashew-Äpfel und die an Bohnenkerne erinnernden Cashewnüsse, quasi als Anhängsel.  Nebenbei produziert der Cashewbaum auch noch Latex und ein technisch wertvolles Öl. Sein Holz ist sehr hart und dicht, resistent gegen Termiten und sehr widerstandsfähig gegen Verwitterung.” So beschreibt die Webseite “Biothemen” Cashew und Cashewkerne.

Die Cashew-Nuss ist schwierig zu ernten. Die Schale enthält ein ätzendes Öl. Dieses Öl verletzt die Haut, verursacht Irritationen und chemische Verbrennungen. Zudem ist das Öl leicht entzündlich und klebrig. Beim Aufbrechen der Schalen mit den Händen werden die Hände schwarz und verletzen die Papillarleisten der Finger. Das Öl breitet sich beim Brechen der Nüsse über die Finger bis zu den Spitzen aus. Die Linien auf den Fingerspitzen verschwinde…