Direkt zum Hauptbereich

Die Roma aus Fantanele, die angeblich Neukölln stürmten

Der Spiegel berichtete in einem ausführlichen Bericht vom 02.04.2012 vom "Paradies Neukölln". Das rumänische Dorf Fantanele, das in der Nähe von Bukarest liegt und überwiegend von Roma bewohnt ist, hatte gemäß Spiegel die Absicht komplett nach Deutschland und zwar nach Berlin-Neukölln umzuziehen. Ein paar Auszüge: " Ein rumänisches Dorf zieht nach Berlin. 700 sind schon da, viele weitere wollen folgen. Die Geschichte einer Armutswanderung in den deutschen Sozialstaat.....Ein Dorf zieht um. Gut 500 Menschen aus Fântânele leben bereits in der Harzer Straße, 200 weitere sind über Berlin verstreut. Ein Viertel der Gemeinde ist dem Lockruf bislang erlegen, und viele mehr wollen folgen. ....Die kleine Völkerwanderung von Fântânele nach Neukölln ist ein Umzug in den deutschen Sozialstaat, in eine Welt, in der Kindergeld und Hartz IV mehr einbringen als die Schweinehaltung in der Walachei."

Der Bericht ist aus deutscher Bauchnabelschau erstellt, obwohl er durchaus einige sinnvolle Informationen liefert. Trotzdem weiß der Leser nur wie die ganze Geschichte aus der Sicht des Spiegels und der Panik der Deutschen vor Einwanderung in die Sozialsysteme aussieht. Was die Betroffenen tatsächlich meinen und wie die Lebenswirklichkeit in Fantanele wirklich aussehen, das erfahren wir nicht. Dankenswerterweise hat sich die Journalistin Oana Dan von der Webseite "Romania de la Zer0" in einem Bericht vom Mai dieses Jahres die derzeitige Situation von Fantanele aus rumänischer Sicht angesehen. Sie schreibt:
"Fantanele ist unerwarteter weise berühmt geworden. Vielleicht gibt es in Rumänien noch 23 andere Orte mit demselben Namen, aber in jenen Tagen im April 2014 gab es nur ein Fantanele, das es auf die Seiten des deutschen Wochenmagazins "Der Spiegel" schaffte. Das Dorf im Kreis Dambovita befindet sich nur 35 Kilometer von Bukarest entfernt und schaffte es beim Spiegel zu internationalem Ruhm, wo mit spitzer deutscher Zunge über die Auswanderung von 700 Ortsansässigen nach Berlin berichtet wurde. Damals wurde ungerechtfertigter weise davon gesprochen, dass ein ganzes Dorf aus Rumänien in ein Viertel der deutschen Hauptstadt umgezogen sei. So war es nicht. Mehr als 2.000 Einwohner sind in Fantanele geblieben, unter anderem und auch weil sie ein konkretes Versprechen für eine besseres Leben im Dorf sahen.

Fantanele ist ein Dorf mit Roma, die der Sekte der Pfingstkirche angehören. Das "Pfingstkirchen-Abenteuer" hat dort in den 60er Jahren begonnen als Dumitru Tulica, Schneider und Lehrer in der Kirche des benachbarten Ortes Butimanu mit der orthodoxen Kirche gebrochen hatte und zur Sektenkirche gewechselt ist. Die Pfingstkirche ist heutzutage die viertgrößte Glaubensgemeinschaft in Rumänien.
Fantanele ist ein blühendes Dorf, mit schön anzusehenden Häusern, zahlreichen Autos und die Gassen voll mit Kindern. Das was die Pfingstkirche geschafft hier geschafft hat, hat kein Regierungs- oder europäisches Programm geschafft. Sie hat den Lebensstandard der Bewohner angehoben, die Armut reduziert, hat die Tradition der Verheiratung von Kindern abgeschafft und hat den Menschen gelehrt, die Kinder bis zum Ende der 8. Klasse in der Schule zu lassen".

Die Pfingstkirche ist von ihrem Erfolg so beflügelt, dass sie in weiteren Roma-Dörfern missionieren will und ihre Erfahrungen von Fantanele für eine bessere Integration der Roma einbringen will. Oana Dan berichtet von einem Film, der die beiden Lebenswirklichkeiten der Roma in Rumänien vorstellt. Der Film trägt den Titel "Eine Erzählung über zwei Dörfer" (“Poveste despre doua sate”). Es geht um zwei Familien, die eine aus Fantanele und die andere aus dem Nachbardorf Alunisu, die nicht weit auseinander wohnen, aber bezüglich der Lebensqualität Lichtjahre auseinander sind: "Familie Dumitrache hat ein geregeltes Einkommen, schickt die Kinder in die Schule und lebt nach den Regeln der Pfingstkirche. Familie Manea lebt von heute auf morgen, die älteste Tochter hat auf den Schulbesuch verzichtet, damit sie einige Monate im Hause ihrer Schwiegermutter leben konnte. Der Vater ihres Kleinkindes ist Alkoholiker und mit einer Vorgeschichte wegen Gewalttätigkeit, er hat die Familie verlassen. Die Mutter der Kinder arbeitet tagsüber um Geld für das Essen zu bekommen. Das Beispiel der Familie Dumitrache macht ihr Hoffnung: Sie setzt ihre ganze Hoffnung in den Übertritt zur Glaubensgemeinschaft der Pfingstkirche".
Was schafft die Pfingstkirche, was die staatlichen Programme zur Integration der Roma nicht schaffen? Der Menschenrechtsaktivist Ciprian Necula erklärt das damit, dass die Pfingstkirche ganz unten anfängt, in den Familien im Gegensatz zu den staatlichen Hilfen, die zwar den Bildungsbereich fördern, aber die grundlegenden sozialen Probleme in den Familien nicht ändert.

Informationsquelle
Poveste despre doua sate

Beliebte Beiträge

Großbritannien, das zerstrittene Königreich, auf den Spuren Griechenlands

Das Vereinigte Königreich (UK) verlässt die EU. Nach dem Brexit-Referendum hatten die regierenden Konservativen  um Premierministerin May entdeckt, wie toll ein solcher Abschied vom europäischen Kontinent ausgehen könnte. Ungeahnte Möglichkeiten würden dem Land in der weiten Welt winken, die nur darauf warte, mit den Briten ins Geschäft zu kommen. Realistischerweise hat Premierministerin May schon einmal erklärt,  dass das nur funktioniere, wenn das Land zu einer Steueroase à la Panama umgebaut werde.

Die EU schien in dieser Zukunftphantasie keine Rolle zu spielen,  obwohl sie doch der größte Handelspartner des Landes ist. In einem Anflug von völliger Betriebsblindheit setzte May noch Neuwahlen an, weil man ihr eine überwältigende absolute Mehrheit prognostizierte. Das ging dann gründlich schief und jetzt steht Großbritannien ratlos vor einem Scherbenhaufen. Plötzlich kommen auch Bedenken auf, ob ein knallharter völliger Abschied von der EU tatsächlich für Großbritannien positiv sein…

Wale an Menschen: Lasst uns in Ruhe!

Vor allem an der französischen Mittelmeerküste hat der Kommerz ein neues Vermarktungspotential entdeckt. Mit Delfinen oder Walen schwimmen. Das läuft so ab: Ein Flugzeug sucht im Tieflug die Tiere und danach werden entsprechende Interessenten an den Ort gebracht, um mit den Tieren schwimmen zu können. Hört sich schrecklich tierlieb an, ist aber nur wieder einmal eine der schrecklichen Geschmacksverirrungen, zu denen der Mensch in der Lage ist.
Die französische Umweltorganisation "France Nature Environment " beschreibt die Folgen:
Die Meeressäugetiere, insbesondere die Wale, sind es nicht gewöhnt in der Nähe von Menschen zu sein.  Die Tatsache, direkt mit der Anwesenheit des Menschen konfrontiert zu werden führt zu einer nicht widerrufbaren Änderung im Verhalten der Tiere. Die Delfine und Wale werden durch die Anwesenheit von Menschen verwirrt und gestresst.  Wenn Sie mit dem Flugzeug verfolgt werden,  erschöpfen sie sich. Sie werden von ihren normalen Aktivitäten abgehalten …

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Für was sich ein brasilianischer Präsident nicht alles hergibt

Am Montag hat der Generalstaatsanwalt der Republik, Rodrigo Janot, Anklage gegen den derzeitigen brasilianischen Präsidenten Michel Temer erhoben. Temer soll vom Schlachthof-Industriellen Joesley Batista, Besitzer des weltweit größten Fleisch-Verpackungskonzerns JBS, über den ehmaligen Abgeordneten und Sonderberater im Präsidentenbüro Rodrigo Rocha Loures 500.000 R$ verlangt und erhalten haben. Die Beweislage dazu ist laut Angaben des Generalstaatsanwalt erdrückend. "Es muss festgestellt werden, dass die von den Angeklagten rechtswidrigen Handlungen schwerwiegend sind. Die Untersuchungsberichte bezeugen, dass die Beschuldigten mit absoluter Verachtung und Respektlosigkeit gegenüber ihrer Funktion als Präsident der Republik und als Bundesabgeordneter, Funktionen, die Michel Temer und Rodrio Loures ausüben, handelten. Damit haben sie der öffentlichen Sache  und den republikanischen Werten geschadet", erklärte Janot.


Ein Präsident, der wegen Korruption angeklagt wird, ist noch…

So soll Großbritannien vom Joch der EU-Gesetzgebung befreit werden

Die britische Premierministerin Theresa legte vor kurzem dem Parlament das "Great Repeal Bill"  zur Abstimmung vor. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem das EU-Recht im Vereinigten Königreich für ungültig erklärt werden soll. Offiziell nennt sich das Gesetz "European Union (Withdrawal) Bill", also EU-Rücknahme-Gesetz.


Mit dem Gesetz sollen die rechtlichten Wirkungen des Vertrages von 1972 über den Beitritt des UK zu EU aufgehoben werden. Damit würde wieder nur das Recht des Vereinigten Königreichs gelten und die Rechtssprechungsbefugnis des Europäischen Gerichtshofs für Großbritannien beendet. Dazu soll die bisherige in EU-Gesetzgebung in nationales Recht überführt werden, so dass am Tag des erfolgten Austritts aus der EU kein Chaos entsteht.

Alle EU-Regeln sollen in nationales Recht übernommen werden. Anschließend kann das Parlament diese Regeln "ändern, ergänzen oder verbessern". Damit soll die Geschäftswelt und Bürger und Bürgerinnen beruhigt …

Stierkampf subventionieren, aber kein Geld für Opfer häuslicher Gewalt

"Wir halten weiterhin an der Unterstützung der Stierkämpfe fest, wir verbessern den Haushaltsansatz im Vergleich zum letzten Jahr und wir reduzieren nicht die Hilfe", erklärte die Präsidentin der Comunidad de Madrid, Cristina Cifuentes, und erhöhte für dieses Jahr die Subventionen für die Stierkämpfe in der Region Madrid um satte 40%. Cifuentes ist Mitglied der Partido Popular, der derzeitigen Regierungspartei in Spanien. Unterstützt wird sie dabei von den Neokonservativen-Partei "Ciudadanos".

Ruth Toledano, spanische Journalistin und Tierschützerin, hat dazu diese Meinung:
Es ist ganz klar, dass die Entscheidung von Cifuentes, die Ausgaben für Gewalt gegen Tiere zu erhöhen, aber nicht dasselbe Geld zu nutzen im Kampf gegen die häusliche Gewalt, eine politische Entscheidung ist, sowohl von einem ethischen, wirtschaftlichen oder sozialen Standpunkt.... Diese Präsidentin der verrotteten Moral müsste wissen, um dem Niveau zu entsprechen, der ihrem Amt entspricht, dass…