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Rumänen beschäftigen sich mit Nichtigkeiten und ignorieren die eigentlichen Probleme

“In der Zeit, in der wir uns heftig um die Aufnahme in die Europäische Union bemüht haben, wurden in anderen Ländern intensive öffentliche Debatten über die Vorteile und Risiken der Integration geführt, über die “Europäische Identität” in einzelnen, über den schwierigen Balance-Akt zwischen nationaler Souveränität und gemeinschaftlicher Zukunft. Auch damals gab es schon radikale Europäer, Euroskeptiker und Anti-Europäer. In Rumänien gab es nichts davon. Alle (mit vernachlässigbaren Ausnahmen, die dem Nationalen den Vorrang einräumten) waren einverstanden, dass die “Integration” eine gute Sache sei. Wir würden dann besser leben, wir würden reisen ohne Visum, wir wären Teil des Westens.. Sowohl Regierung wie auch die Bürger gingen ohne darüber nachzudenken in diese Richtung”.

Wer dies schreibt ist Andrei Pleșu in seinem Blog auf dem Internet-Portal der Zeitung “Adevarul”. Andrei Pleșu ist ein rumänischer Philosoph, Kunsthistoriker und Politiker. Von 1997 bis 1999 war er parteiloser Außenminister Rumäniens. Pleșu berichtet, dass ihm der österreichische Kanzler Schüssel damals amüsiert darüber gesprochen habe, wie dienstfertig die Rumänen damals alles ausgeführt oder versichert hätten, dass sie es ausführen, was von ihnen im Zusammenhang mit dem Beitritt verlangt wurde. Im Gegensatz zu anderen Kandidaten, wo der Beitritt nicht ohne Zögern und Diskussionen erfolgte.

Er meint, dass sich an dieser Mentalität bisher nicht viel geändert hat. Pleșu schreibt: “Ich erzähle das, weil die Atmosphäre provinzieller Oberflächlichkeit, von lächerlichem Getöse sowohl von Seiten der Politiker wie auch der Medien noch heute aufrecht erhalten wird. Es besteht ein generelle Neigung die öffentlichen Debatten von derzeitigen wesentlichen Problemen und der kontinentalen und Weltpolitik, von tatsächlichen Neuigkeiten und von den  akuten nationalen Bedürfnissen weg zu lenken auf Personen, die eine Skandal verursacht haben, Partei-Zwistigkeiten, private Streitereien. Man beschäftigt sich entweder bewusst oder unbewusst mit einem Cocktail an Geschmacklosigkeiten und vergifteten Affären und übergeht die wahren Themen, die Themen mit höchster Dringlichkeit sind. Wir bewegen uns, tänzerisch oder pathetisch, wie auf dem Dorf, dem Krämerladen und der Bar. Wir sind ein Land wie ein Stadtviertel, in dem man von Tratsch, Gerüchten, Verleumdungen und wüstem Gehabe lebt.”

Pleșu stellt also einem großen Teil seiner Landsleute ein schlechtes Zeugnis aus. Er fragt sich, ob das Land nicht andere Probleme wie das nicht zuletzt auch nach westlichem Vorbild in Rumänien erfolgreiche Medientheater um Nichtigkeiten hat. Und er ist sich sicher, dass Rumänien Probleme hat, die es erforderlich machen, dass die Öffentlichkeit darüber diskutiert und er zählt sie auf: “Wir haben keine Themen? Da kann ich sofort einiges vorschlagen: Die systematische (und diskrete) Zerstörung des nationalen kulturellen Erbes durch Zerstörung oder Verwahrlosung herausragender Gebäude in den Städten des Landes, das Verschwinden des traditionellen Handwerks, die Dezimierung der heimischen Wälder, die mehr als zweifelhafte Qualität unserer Schulbücher, das Sozialwesen, aber auch das Internet als “ein Instrument der Kultur” und der Sozialisierung, die galoppierende Verschlechterung der rumänischen Sprache und viele andere Themen, die interessanter sind als die täglich angebotenen “breaking news”.”

Informationsquelle
O  ţară de cartier

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