Direkt zum Hauptbereich

Für ein besseres Leben verbluten, für den Wohlstand töten

“Wir haben es satt, Menschen beim Versuch nationales Territorium zu betreten verblutend sterben zu sehen”. Das sagt niemand anderes als die Vereinigte Gewerkschaft der spanischen Guardia Civil. Grund dafür ist, dass in den spanischen Exklaven von Ceuta und Melilla sogenannter Natodraht mit rasiermesserscharfen Klingen installiert wird, um die verzweifelten Flüchtlinge afrikanischer Länder von Marokko aus von einem Sturm auf spanisches Hoheitsgebiet und damit die Europäische Union abzuhalten.

Rund um den Monte Gurugú vor den Toren Melillas sollen sich derzeit ca. 2.000 Afrikaner aufhalten, die bereits angekündigt haben, den Zaun, der Melilla gegen die illegalen Einwanderer schützen soll, zu stürmen. Die spanische Regierung rüstet deswegen seit einigen Wochen auf, ungeachtet der Proteste, die gegen den Rasierklingen-Zaun erhoben wird. Zuerst wurde abgewiegelt und behauptet, dass der Zaun nur zu geringfügigen Verletzungen führen. Inzwischen gibt es aber Gutachten, die das Gegenteil behaupten. Ministerpräsident Rajoy folgt seiner Politik der Auskunftverweigerung gegenüber der Öffentlichkeit und nimmt dazu nicht Stellung.

Enrique Laso aus Madrid hat deswegen eine Petition an den spanischen Innenminister gerichtet, die folgenden Wortlaut hat:
“Jetzt lässt der Innenminister, wie es bereits vor 10 Jahren geschehen ist, erneut diese schrecklichen Rasiermesserdrähte auf den Zäunen von Melilla und Ceuta installieren, um die illegalen Einwanderer abzuschrecken. Damals hat sich gezeigt, dass der Sturm auf die Zäune kaum abgenommen hat, aber das der Draht schreckliche Schnittwunden mit Infektionen und auch dem Tod einiger Menschen verursacht. Schlussendlich wurden sie 2007 wieder abgebaut. Jetzt greift unsere Regierung angesichts der Einwanderung erneut zu diesen repressiven, perversen und unmenschlichen Maßnahmen statt die Ursachen an ihrem Ursprung zu bekämpfen. Diese Menschen sind verzweifelt, weil sie Hunger leiden, unterdrückt werden und in ihren Ländern chancenlos sind. Für sie ist Europa die Rettung. Die Benutzung des Rasiermesserdrahtes ist ein Brutalität, die nur Wesen ohne Skrupel haben, ohne Empathie und ohne jedes Zeichen für ein wenig Nächstenliebe. Ich schäme mich Spanier zu sein, einer Nation, die in der Lage ist, diese mittelalterlichen Techniken anzuwenden, um andere Menschen leiden zu lassen. Ich verlange, dass dieser Draht nicht installiert wird und das derjenige, der sich bereits dort befindet, entfernt wird.”

Nach dem Bootsunglück vor Lampedusa setzt jetzt Spaniens Regierung unbekümmert zur nächsten Menschenrechtsverletzung an. Dies zeigt allzu deutlich, dass die EU in Lampedusa nur Krokodilstränen vergossen hat. Es sieht sich reichlich scheinheilig an, wenn man die demnächst verblutenden Menschen bedauernd beklagt. Das Bollwerk, das rund um Melilla aufgebaut wurde, erinnert stark an die Berliner Mauer oder die Versuche Israels sich die Palästinenser vom Leibe zu halten. Sie zeigen aber auch, dass alle diese Maßnahmen die Menschen von ihrem Sturm auf Europa nicht abhält. Nicht nur in Spanien werden sie mit solchen Maßnahmen empfangen, bereits in Marokko sind sie den Repressionsmaßnahmen der Polizei und Armee aus gesetzt. Trotzdem versuchen sie es immer wieder. Ein schlechtes Zeichen für unsere Welt, ein schlechtes Zeichen, weil das Wohlstandsgefälle zu krass ist und wir unseren Wohlstand nur noch mit immer brutaleren Mitteln verteidigen können. 

Siehe auch
Pulverfass Melilla
Wachsende Verzweiflung am Gurugú führte zum Sturm auf Melilla

Informationsquelle
Ministerio del Interior: Retiren las concertinas de las vallas de Ceuta y Melilla – Change.org
Unos 2.000 inmigrantes esperan saltar la valla fronteriza de Melilla con o sin concertinas – 20minutos.es
Asalto masivo de inmigrantes negros a la valla fronteriza de Melilla – Youtube

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…

Einen auf Blonde machen und mit Stöckelschuhen arbeiten, der neue spanische Feminismus

Cristina Cifuentes Cuencas (geboren 1964) ist eine spanische Politikerin, die der Regierungspartei PP angehört. Seit 2015 ist sie Präsidentin der autonomen Region Madrid und seit 2017 auch Präsidentin der PP-Sektion von Madrid.
Im August 2013 hatte sie einen schweren Motorradunfall, bei dem sie zwischen Leben und Tod schwebte.

Cifuentes gilt als eine Nachwuchshoffnung der von Korruptionsaffären geschüttelten Partido Popular. Deshalb genießt sie einige Aufmerksamkeit in den spanischen Medien. Vor kurzem gab  sie der Modebeilage der spanischen Zeitung "El Pais" ein Interview, das für einige Aufregung sorgte. Neben leichtem Gespräch über Mode und ihren schweren Motorradunfall mit Nah-Tod-Erfahrung ging es auch um die Gleichberechtigung der Frauen in Spanien. Dabei äußerte sie sich eher scherzhaft zu dieser Frage, stieß aber damit doch auf Empörung. Wörtlich ging es um folgendes:

El Pais: Zur Zeit sind sie jeden Tag in Versammlungen, in denen viel Macht ausgeübt wird. Ohne Stöc…