Mittwoch, 27. November 2013

Für ein besseres Leben verbluten, für den Wohlstand töten

“Wir haben es satt, Menschen beim Versuch nationales Territorium zu betreten verblutend sterben zu sehen”. Das sagt niemand anderes als die Vereinigte Gewerkschaft der spanischen Guardia Civil. Grund dafür ist, dass in den spanischen Exklaven von Ceuta und Melilla sogenannter Natodraht mit rasiermesserscharfen Klingen installiert wird, um die verzweifelten Flüchtlinge afrikanischer Länder von Marokko aus von einem Sturm auf spanisches Hoheitsgebiet und damit die Europäische Union abzuhalten.

Rund um den Monte Gurugú vor den Toren Melillas sollen sich derzeit ca. 2.000 Afrikaner aufhalten, die bereits angekündigt haben, den Zaun, der Melilla gegen die illegalen Einwanderer schützen soll, zu stürmen. Die spanische Regierung rüstet deswegen seit einigen Wochen auf, ungeachtet der Proteste, die gegen den Rasierklingen-Zaun erhoben wird. Zuerst wurde abgewiegelt und behauptet, dass der Zaun nur zu geringfügigen Verletzungen führen. Inzwischen gibt es aber Gutachten, die das Gegenteil behaupten. Ministerpräsident Rajoy folgt seiner Politik der Auskunftverweigerung gegenüber der Öffentlichkeit und nimmt dazu nicht Stellung.

Enrique Laso aus Madrid hat deswegen eine Petition an den spanischen Innenminister gerichtet, die folgenden Wortlaut hat:
“Jetzt lässt der Innenminister, wie es bereits vor 10 Jahren geschehen ist, erneut diese schrecklichen Rasiermesserdrähte auf den Zäunen von Melilla und Ceuta installieren, um die illegalen Einwanderer abzuschrecken. Damals hat sich gezeigt, dass der Sturm auf die Zäune kaum abgenommen hat, aber das der Draht schreckliche Schnittwunden mit Infektionen und auch dem Tod einiger Menschen verursacht. Schlussendlich wurden sie 2007 wieder abgebaut. Jetzt greift unsere Regierung angesichts der Einwanderung erneut zu diesen repressiven, perversen und unmenschlichen Maßnahmen statt die Ursachen an ihrem Ursprung zu bekämpfen. Diese Menschen sind verzweifelt, weil sie Hunger leiden, unterdrückt werden und in ihren Ländern chancenlos sind. Für sie ist Europa die Rettung. Die Benutzung des Rasiermesserdrahtes ist ein Brutalität, die nur Wesen ohne Skrupel haben, ohne Empathie und ohne jedes Zeichen für ein wenig Nächstenliebe. Ich schäme mich Spanier zu sein, einer Nation, die in der Lage ist, diese mittelalterlichen Techniken anzuwenden, um andere Menschen leiden zu lassen. Ich verlange, dass dieser Draht nicht installiert wird und das derjenige, der sich bereits dort befindet, entfernt wird.”

Nach dem Bootsunglück vor Lampedusa setzt jetzt Spaniens Regierung unbekümmert zur nächsten Menschenrechtsverletzung an. Dies zeigt allzu deutlich, dass die EU in Lampedusa nur Krokodilstränen vergossen hat. Es sieht sich reichlich scheinheilig an, wenn man die demnächst verblutenden Menschen bedauernd beklagt. Das Bollwerk, das rund um Melilla aufgebaut wurde, erinnert stark an die Berliner Mauer oder die Versuche Israels sich die Palästinenser vom Leibe zu halten. Sie zeigen aber auch, dass alle diese Maßnahmen die Menschen von ihrem Sturm auf Europa nicht abhält. Nicht nur in Spanien werden sie mit solchen Maßnahmen empfangen, bereits in Marokko sind sie den Repressionsmaßnahmen der Polizei und Armee aus gesetzt. Trotzdem versuchen sie es immer wieder. Ein schlechtes Zeichen für unsere Welt, ein schlechtes Zeichen, weil das Wohlstandsgefälle zu krass ist und wir unseren Wohlstand nur noch mit immer brutaleren Mitteln verteidigen können. 

Siehe auch
Pulverfass Melilla
Wachsende Verzweiflung am Gurugú führte zum Sturm auf Melilla

Informationsquelle
Ministerio del Interior: Retiren las concertinas de las vallas de Ceuta y Melilla – Change.org
Unos 2.000 inmigrantes esperan saltar la valla fronteriza de Melilla con o sin concertinas – 20minutos.es
Asalto masivo de inmigrantes negros a la valla fronteriza de Melilla – Youtube