Samstag, 30. November 2013

Brasilianische Jugend enttäuscht

Ist die brasilianische Jugend offener und vorurteilsloser wie die Generation ihrer Eltern? Es sieht nicht so aus. Die brasilianische Sozialversicherung hat zusammen mit der panamerikanischen Gesundheitsorganisation (Opas) und der Behörde für ansteckende Sexualkrankheiten und Aids (DST/Aids) eine Umfrage durchführen lassen, die leider nicht besonders positiv für die brasilianische Jugend ausgefallen ist.

Für den Leiter der Umfrage, Miguel Fontes, ein Arzt, hat die Untersuchung ergeben, dass es noch sehr viele Vorurteile unter den brasilianischen Jugendlichen zwischen 18 und 29 Jahren gibt. Davon sind besonders die männlichen Jugendlichen betroffen. Die Untersuchung ergab, dass es unter den Jugendlichen einen hohen Anteil an Unwissen gegenüber dem anderen Geschlecht und gegenüber Homosexuellen gibt. So finden 4 von 10 Jugendlichen, dass Frauen, die sich anzüglich anziehen, sich nicht beschweren können, wenn sie sexuelle Gewalt erleiden. Dazu kommen noch 10% der Befragten, die keine Meinung zu diesem Thema haben. Etwa 9 % finden es selbstverständlich, dass ein Mann eine Frau attackieren kann, wenn sie sich weigert mit ihm Geschlechtsverkehr zu haben und mehr als 11% sind der Ansicht, dass der Mann die Frau verprügeln darf, wenn sie ihn betrügt.

Von den befragten Jugendlichen studieren 30% und 56% waren bei der Schulzulassung durchgefallen. Mehr als die Hälfte waren katholisch und etwa ein Drittel evangelikal. Für die Soziologin Joluzia Batista ist für die heutige Jugend ein Rückfall in konservative Zeiten zu beobachten. Um das zu ändern, müsse an den Schulen eine nicht-sexistische Erziehung erfolgen. “Wir stellen fest, dass heute die Gewalt daraus entsteht, dass man die Frau auf das richtige Gleis stellen, sie korrigieren will. Man muss bei der Erziehung darauf achten, dass sich das ändert.”

Es ist erschreckend, dass sich noch nicht viel geändert hat. Im Blog “Blogueiras Feministas” wird die Situation beschrieben: “Zur gleichen Zeit, in der die Jugendlichen auf Grund machistischer Ansichten Gewalt gegen Frauen gut finden, sind sie selbst auch Opfer von Einstellungen, die direkt zur Verletzung ihrer Rechte führen. Die Gewalt gegen Frauen ist ein ernsthaftes Problem sowohl der Menschenrechte als auch für die öffentliche Gesundheit. Während der Verlobungszeit oder der Zeit vor der Heirat gibt es eine generelle Gewalt, genauso wie das Feminizid – die Ermodung von Frauen weil sie Frauen sind – den Frauenhandel und eine spezielle Gewalt gegen Frauen in bewaffneten Konflikten.”

Informationsquelle
Pesquisa mostra desinformação e preconceito entre jovens de 18 a 29 anos – Jornal do Brasil
Violência contra as mulheres jovens – Blogueiras Feministas