Dienstag, 27. November 2012

Locker vergiftet die Brasilianer mit geldwertem Schweigen der Behörden

“Wir informieren sie, dass am 17. Oktober 2012 im offiziellen Gesetzblatt der Union die zeitweilige Suspendierung unseres Fungizid-Produktes “Locker” verfügt wurde. Überwachungen und Prüfungen der Prozesse sind Routine bei den verantwortlichen Bundesbehörden für den Agrarsektor, Gesundheit und Umwelt und die Firma FMC ist sich sicher, dass seine Produkte in Kürze wieder freigegeben werden, damit Locker weiterhin zum Wohle der nationalen Landwirtschaft eingesetzt werden kann.” So informiert die brasilianische Chemiefirma FMC auf ihrer Webseite ihre Kunden. Die Firma preist das Fungizid "Locker" als die perfekte Lösung zur Bekämpfung von Schäden durch Pilze und Unkraut.

Auch in Brasilien ist es erforderlich, dass die Behörden ein solches Fungizid nach entsprechender Überprüfung freigeben oder bei Bedenken die Vermarktung verbieten. Daran hat sich FMC scheinbar nicht gehalten. Ein hoher Beamter des Innenministeriums des Bundesdistrikts Brasilia erklärt, dass “das Fungizid für die Soja-Pflanze bereits im ersten Halbjahr auf den Markt kam, ohne dass eine Bewertung der Risiken erfolgte und dass das Mittel bei der derzeitigen Aussaat bereits ausgebracht wurde.” Nach Angaben der Nationalen Agentur für Gesundheitsüberwachung (Anivsa), wurde das Mittel nicht auf Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit geprüft bevor es in den Handel kam. Deshalb wurde der Verkauf des Fungizides zusammen mit dem Fungizid “Diamante BR” der Firma Ourofino Agronegocios vorläufig untersagt.  Die Firma FMC hat mitteilen lassen, dass sie sich durch diese Maßnahme “verletzt” fühle.

Vor ein paar Tagen hat Anvisa den Generaldirektor für Toxikologie, Luiz Cláudio Meirelles, entlassen. Meirelles hatte die Unregelmäßigkeiten bei der Zulassung der Pflanzenschutzmittel an die Öffentlichkeit gebracht und den Verdacht auf Korruption geäußert. Er erklärte, dass seine Unterschriften in den Dokumenten von Anvisa gefälscht wurden. Seinen Verdacht hatte er der Leitung von Anvisa bereits im September angezeigt, nachdem er im August den Betrug bemerkt und das Verkaufsverbot für diese Pflanzenschutzmittel verfügt hatte. Laut Meirelles lief das so ab: “Dank einer Mannschaft, die mit Entschlossenheit handelte, haben wir entdeckt, was da ablief. Die Angelegenheit ist sehr gut dokumentiert, ich schickte sie zu einer internen Untersuchung, damit der Vorfall weiter geprüft werden sollte. Ich verlangte Vorsichtsmaßnahmen und erklärte die falschen Dokumente mit der die Pflanzenschutzmittel freigegeben wurden, für ungültig. Aber ich erhielt  dazu keinerlei weitere Weisungen durch die Direktion.” Die Entlassung erfolgte dann nach einer Intervention des Landwirtschaftsministeriums unter dem Vorwurf “dass kein vorhergehender Dialog in der Sache erfolgt sei”.

Die brasilianischen Medien berichten jetzt, dass “das Gift bereits in unseren Häusern ist”. Das Fungizid wurde überwiegend bei Soja-Anpflanzungen verwendet. Brasilien ist einer der größten Soja-Exporteure weltweit und wenn die Brasilianer das Gift in ihren Häusern haben, dann wird es nicht lange dauern und auch wir werden “Locker” auf unserem Tisch haben.

Siehe auch:
Der perverse Erfolg der genmanipulierten Pflanzen in Brasilien
Der Alles-Vernichter soll jetzt auch Maniok nicht verkrauten lassen
Brasilianischer Tabak macht arm und krank
Informationsquelle
Anvisa demite gerente que revelou irregularidades com agrotóxicos – O Globo
Agrotóxico 'já está na nossa casa', afirma procurador – Comissao Pastoral da Terra