Freitag, 23. November 2012

Die Schweiz und die Steuerhinterzieher

Der deutsche Bundesrat hat heute mit seiner Oppositionsmehrheit das Steuerabkommen mit Schweiz abgelehnt. Finanzminister Schäuble hatte flehentlich darum gebeten, dass man doch die Großzügigkeit der Schweiz anerkennen solle, die bereit war dem deutschen Staat besteuertes Schwarzgeld von Deutschen in der Schweiz über eine anonyme Abgeltungssteuer zukommen zu lassen. Die Ablehnung hat in der Schweiz für erheblichen Wirbel gesorgt. “Es gibt ein Leben nach dem Nein” titelt die Neue Zürcher Zeitung, das Blatt der Schweizer Finanzwelt und hofft, dass das auch so eintrifft.

Wer wissen will, warum man in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern, so allergisch auf das Verhalten der Schweiz und ihrer Banken reagiert, braucht nur im Internet ein paar Stichwort zum Thema Bankkonto in der Schweiz eingeben, um zu wissen, dass es wirklich nur darum geht die Steuergerechtigkeit in den europäischen Nachbarländern der Schweiz zu unterhöhlen, um dafür einer lange vom schweizerischen Staat gehegten weltweit schmarotzende Finanzmafia, auch die Gnome von Zürich genannt,  reichhaltige Pfründe zu schaffen.

Ein paar Beispiele dieser Ratschläge; “Um ein anonymes Konto eröffnen zu können, muss nicht nur die richtige Bank, sondern vor allem auch das entsprechende Land gefunden werden, in dem dies möglich ist. In wenigen Ländern wie etwa in Liechtenstein, Schweiz und Zypern ist dies heute noch möglich. Das Bankgesetz in diesen Ländern erlaubt es, anonyme Konten zu führen. Selbstverständlich können auch Ausländer ein anonymes Konto eröffnen und somit von dieser Anonymität profitieren. Die Gelder scheinen nicht auf und können somit problemlos verdeckt gehalten werden.”

Ein weiterer Rat: “Ein Schweizer Konto ist legal und sicher. Es erfolgt keine Meldung bzw. Abfrage an eine deutsche oder ausländischen Behörden bzw. Staatlichen Stellen oder beispielsweise die Schufa. Die Schweiz hat eines der strengsten Bankgeheimnisse (Bankkundengeheimnis) weltweit. Nummernkonten sind Konten die nur aus einer Nummer ohne Namenszuordnung bestehen. Der Name oder die Adresse des Kontoinhabers wird innerhalb der Bank sicherer als ein normales Schweizer Bankkonto gehalten. Ein Schweizer Nummernkonto ist nur sehr wenigen Mitarbeitern innerhalb der Schweizer Bank zur Zuordnung der Person bekannt. Es ist dadurch hochdiskret.” Für was braucht man denn diese Diskretion, wenn alles so sauber ist?

Eine Schweizer Webseite lobhudelt in folgender Weise über den Service Schweizer Banken: “Zum einen ist die Schweiz Spitzenreiter in Sachen Bankgeheimnis. Zudem können sich deutliche Steuervorteile ergeben, wenn sich der Anleger für eine anonyme Quellenbesteuerung entscheidet.” Ein Nachweis über die Herkunft des Vermögens? “In seltenen Fällen, und wenn es die Umstände erfordern, muss ein Nachweis über die Herkunft des Vermögens erbracht werden. Tipp !!! Bitte setzen Sie sich vor dem Besuch telefonisch mit Ihrer Bank in Verbindung, dort bekommen sie Auskunft, welche Unterlagen sie zum Eröffnen eines Kontos benötigen.” Aha, man entzieht dem deutschen Fiskus das Geld, entscheidet sich in der Schweiz für eine anonyme Besteuerung und steht besser da als der ehrliche deutsche Steuerzahler!

Sie wollen auch keine Abgeltungssteuer zahlen? Auch dafür gibt es einen Weg: “In Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit, mit offen ausgesprochenen Umverteilungsplänen „von oben nach unten“ wird das eigene Depot und Konto in der Schweiz als strategisches 2. Vermögensstandbein (neben Ihrer traditionellen Hausbank in Deutschland) ein unverzichtbarer, zukünftiger Teil Ihrer Vorsorge – ganz legal und offiziell, für deutsche Behörden nicht einsehbar, steuerfrei und täglich verfügbar. Das Kapital, das man über uns in der Schweiz bei renommierten Banken anlegt, wird in Strategien mit Wertzuwachs geführt. Somit fallen keine Zinsen an und die Kapitalanlage ist legal und steuerfrei.”

Und wie umgeht man den Vorwurf Steuerbetrug, bei dem die deutschen Behörden tatsächlich von der Schweiz Auskunft verlangen dürfen: “Kein Schweizer Banker wird irgendjemandem Auskunft über das Konto der Kunden geben. Anleger, die ihr Geld in der Schweiz anlegen, können sich absolut sicher sein, dass niemand in ihren Konten „rumschnüffeln“ kann. Das berühmte Schweizer Bankgeheimnis kennt nur die Ausnahme Steuerbetrug. Das schließt aber das Vergessen der Meldung über die Gewinne beim Finanzamt nicht ein.” Steuerbetrüger sind doch alle vergesslich, also warum sich Sorgen machen.

Und die Geldanlage in der Schweiz ist vermutlich doch ohne Steuerzahlungen möglich. Hier noch einmal ein heißer Tipp für Leute, die die Eurokrise haben: “Die Schweizer Bank ist seit vielen Jahren dafür bekannt, dass sie anonym und zuverlässig das Geld ihrer Kunden verwaltet, auch während großer Krisen konnten sich die Kunden immer darauf verlassen, dass sie ihr Erspartes bei einer Schweizer Bank in guten Händen ließen. Die Schweiz bietet mehr als das. Hier kann jeder sein Kapital legal und zinsgünstig anlegen und muss dafür nicht einmal Steuern zahlen. Während in Deutschland die Bürger zu mehr und mehr Abgaben für die Krisen anderer Länder gezwungen werden, können Sie das Geld in der Schweiz anlegen, wo sie jederzeit risikofreien Zugriff darauf haben.” Ja, in der Tat, in Deutschland gibt es scheinbar genügend Blöde, die Steuern zahlen, die Intelligenten verschieben ihr Geld unversteuert in die Schweiz.

Da ist die Haltung der Schweizerischen Sozialdemokraten (SP) zu loben, die die Zeichen der Zeit erkannt haben: “Die SP nimmt zur Kenntnis, dass die deutsche Länderkammer das Steuerabkommen mit der Schweiz aus Gründen der Steuergerechtigkeit abgelehnt hat. "Selbst wenn der Vermittlungsausschuss in den kommenden Tagen noch eine Zustimmung erreichen wird, würde dieses Abkommen die Schweiz so oder so mit ihrem Sonderweg in der Finanzplatzpolitik erneut in eine Sackgasse führen.", sagt SP-Präsident Christian Levrat. In Kürze wird nämlich der Schweizer Bundesrat im Rahmen der Fatca-Verhandlungen mit den USA einen einseitigen Informationsaustausch vereinbaren bzw. akzeptieren müssen. Spätestens dann wird auch gegenüber der EU die Schweizer Blockade des automatischen Informationsaustausches nicht mehr zu halten sein.”

Herr Schäuble, merken sie sich das!