Dienstag, 13. November 2012

Die Atomwirtschaft darf unser Geld in sinnlosen Projekten verbraten

Obwohl die französische Regierung einen Dialog über die zukünftige Energiepolitik des Landes führen will, hat sie jetzt per Dekret vom 9. November mit einem Federstrich die Schaffung eines Projektes “ITER” (Kernfusionsreaktor) genehmigt. Bei ITER handelt es sich laut Wikipedia “um ein internationales Forschungsprojekt, das den zurzeit größten und fortschrittlichsten Experimental-Fusionsreaktor baut. ITER soll zeigen, dass es physikalisch und technisch möglich ist, durch Kernverschmelzung Energie zu gewinnen. Das Ziel ist die kommerzielle Nutzung der Kernfusion zum Zwecke der Stromerzeugung.” ITER wird als gemeinsames Forschungsprojekt der sieben gleichberechtigten Partner Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM), Japan, Russland, Volksrepublik China, Südkorea, Indien und USA entwickelt, gebaut und betrieben.

Am vergangenen Samstag wurde im offiziellen französischen Gesetzblatt das Dekret veröffentlicht, das der Internationale Organisation ITER erlaubt in Cadarache mit dem Bau einer Nuklearanlage zu beginnen. Dabei laufen die Kosten für das bereits 2010 gestartete Projekt inzwischen davon. Die voraussichtlichen Kosten sollen sich seit dem Beschluss zum Start bis heute verdreifacht haben. 2011 hatte die ITER-Organisation die Kosten auf 12,9 Milliarden Euro beziffert. Das Projekt soll sich über 35 Jahre erstrecken. Die Schaffung des ersten Plasmas wird nicht vor 2020 erwartet. In der Zwischenzeit ist mit weiteren erheblichen Kostensteigerungen zu rechnen. Für die französische Organisation “Sortir du nucléaire” (Atomausstieg) handelt es sich beim ITER um eines der gigantomanischen Atomprojekte, die ähnlich wie der Superphénix und der EPR zum Scheitern verurteilt sind. Der Physik-Nobelpreisträger Georges Charpak war der Meinung, dass es sich um ein unbezahlbares und unnützes Projekt handle. Beim ITER handelt es sich finanziell um ein Fass ohne Boden.

Die französische Regierung will beruhigen: Dank der internationalen Zusammenarbeit müsse Frankreich nur 9% der Kosten tragen. Eine Milchmädchenrechnung, da Frankreich über die europäische EURATOM ebenfalls an den Kosten beteiligt ist. Französische Atomkraftgegner gehen davon aus, dass die Kostenbeteiligung für Frankreich sich auf 20% der Gesamtkosten beläuft. Die europäischen und deutschen Steuerzahler zahlen im Rahmen der EU ebenfalls mit, obwohl man in Deutschland eigentlich für die Nuklearenergie langfristig keine Verwendung mehr hat. Es wäre schön, wenn einmal eine ehrliche Rechnung über die wahren Kosten der Atomenergie aufgemacht würde. Im Moment gibt es in Deutschland eine heftige Diskussion über die Kosten der Erneuerbaren Energien. Der Verdacht liegt nahe, dass bestimmte Interessengruppen in dieser Diskussion sehr an einer Verschleierung der wahren Kosten der konventionellen Energieträger, insbesondere der Atomenergie interessiert sind.

Informationsquelle
Sortir du nucléaire: « inacceptable feu vert » du gouvernement au projet Iter – leblogdejeudi